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Neues von den Honeckers : Ein Leben im Rückwärts

Als das Winken noch half: DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker mit seiner Frau Margot, damals Ministerin für Volksbildung, 1987 bei einer Parade in Berlin. Bild: dpa

Ein Berliner Verleger veröffentlicht Erich Honeckers „Letzte Aufzeichnungen“ - und ein Werk von Margot „Zur Volksbildung“. Die Bücher wirken wie Klopfzeichen aus einer Vergangenheit, die Gott sei Dank vorbei ist.

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          Frank Schumann ist in Eile. Die Medien stehen Schlange bei ihm, und das kommt nicht oft vor. Zuletzt vielleicht 1994, als der Verleger Erich Honeckers "Moabiter Notizen" veröffentlichte, eine Art politisches Vermächtnis des einstigen DDR-Staatschefs. Jetzt sind es noch drei Tage, bis Schumann Honeckers "Letzte Aufzeichnungen" herausbringt. Seit einigen Tagen druckt der "Berliner Kurier" die Tagebücher in Auszügen ab und hat deshalb die Hauptstadt mit Honecker-Plakaten zugepflastert. So präsent dürfte der Mann hier zuletzt 1989 gewesen sein; diesmal jedoch steht unter seinem Namen "Das Gefängnis-Tagebuch" und unter seinem Foto der "Kurier"-Werbespruch "Der von hier."

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Darüber könnte sich Schumann kaputtlachen. "Der von hier" unter einem Honecker-Foto in der Hauptstadt! Das ganze Wochenende ist er durch Berlin gelaufen und hat Bilder von Haltestellen und Litfaßsäulen gemacht, an denen die Werbung hing.

          Die Zahl der Vorbestellungen sei beachtlich, sagt der Verleger

          Schumann, 61, Typ Seemann, hat vor 20 Jahren den Verlag "edition ost" gegründet. Der Name ist Programm, Themen und Autoren sind überwiegend ostdeutsch, viele auch aus der einstigen DDR-Führungsriege. Das erste Buch 1992 war ausgerechnet eine Satire auf Honecker mit dem Titel "Wir woll'n unsern alten Erich wieder ham!" Das Bändchen ist heute ein Klassiker, doch Schumann erfuhr schnell, dass Erich im Original jede Satire um Längen schlug. Als er 1994 vom Manuskript der "Moabiter Notizen" hörte, griff er zu. "Damit kannste nichts falsch machen, hab ich gedacht, damit kannste nur Geld verdienen." In sechs Wochen verkaufte er damals 35 000 Bücher und startete so im Kapitalismus durch.

          Mit den "Letzten Aufzeichnungen" würde er diesen Erfolg nun gerne wiederholen und das DDR-Kapitel abschließen. Die Frage ist nur: Wer will das heute noch lesen? Die Jugend weiß schon gar nicht mehr, wer Honecker war, wobei das, Umfragen zufolge, Adenauer und Brandt nicht anders geht. Schumann ficht das nicht an, das Buch geht mit einer Auflage von 15.000 an den Start, die Zahl der Vorbestellungen sei beachtlich.

          Margot Honecker wird in diesem Jahr 85.
          Margot Honecker wird in diesem Jahr 85. : Bild: dapd

          Dabei wusste Schumann bis zum Sommer vergangenen Jahres noch nicht mal, dass das Manuskript überhaupt existiert. Er war zu Margot Honecker nach Santiago de Chile gereist, um Material für eine Biographie über Honecker zu sammeln, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, und um mit ihr über Volksbildung zu sprechen, die sie knapp 30 Jahre als Ministerin verantwortete.

          Im Volksmund hieß sie deshalb "Miss Bildung" und wegen ihrer getönten Haare auch "Lila Drachen". Seit ihrem Abschied verweigerte sie über ihre Arbeit und die DDR jedes Gespräch, zumindest mit deutschen Journalisten, da diese seit zwanzig Jahren nichts als Häme über sie schütteten, sagt Schumann: "Sie hat sich im Internet informiert, wie ich schreibe und was ich publiziere. Das hat die Hemmschwelle wohl gesenkt."

          In Chile lebt Margot Honecker in bescheidenen Verhältnissen

          Schumann und Margot Honecker vereint, dass sie beide gerne in der DDR lebten. Er arbeitete als Reporter beim FDJ-Blatt "Junge Welt" im real existierenden Sozialismus; sie steuerte im Bildungsministerium dessen theoretische Zukunft. Er fuhr als Journalist und Kurier der Auslandsaufklärung durch die ganze Welt; sie versuchte, die Verlockungen des Westens von ihrem Volk fernzuhalten. Fragt man Schumann nach Erinnerungen an seine damaligen Reisen etwa nach New York, erzählt er nicht von Wolkenkratzern, sondern von Obdachlosen in Pappkartons. Obdachlosigkeit, ließ Volksbilderin Honecker derweil in den Schulen lehren, gebe es in der DDR nicht.

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