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Neue deutsche Mulmigkeit : Stell dir vor, es ist Krieg

Der Mensch lernt nichts aus der Geschichte

Wie die Deutschen auf weltpolitische Fiebermomente reagieren, ist natürlich auch Resultat der Eindrücke, welche die Geschichte namentlich des 20.Jahrhunderts bei ihnen hinterlassen hat. Amerikaner können von sich selbst behaupten, den Kalten Krieg gewonnen zu haben; die Deutschen haben das Empfinden, ihn vor allem überlebt zu haben, weil sie ja an seiner vordersten Front hausten. Für sie hat diese Periode einen glücklichen Ausgang genommen, besiegelt durch die Wiedervereinigung; vielleicht stammen daher die Überraschung und der Schock darüber, dass diese Epoche womöglich doch noch nicht ganz durch ist, dass sie, ihrer ideologischen Umkleidung beraubt, als nackt geostrategischer Konflikt einfach wiederkommt, dass die Zeit seit 1989, wie mein Kollege Volker Zastrow vor einer Woche im politischen Teil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb, nur ein „Intermezzo“ war.

Noch ein Anruf, dieses Mal bei einem, der es gewohnt war, Abend um Abend sich zuspitzende Ereignisse für ein Millionenpublikum einzuordnen: Wolf von Lojewski, zwischen 1992 und 2003 Anchorman beim „heute journal“, inzwischen pensioniert. Was bewegt Sie in diesen Tagen an der Weltlage am meisten? „Die Hilflosigkeit“, sagt er mit dieser Stimme, die man trotz seiner 76 Jahre noch sofort erkennt. „Dass es geringe Chancen gibt, diese Krisen durch Gespräche auf friedliche Weise zu lösen. Normalerweise redet man miteinander, man gibt der Gegenseite dieses oder jenes, die Krise entschärft sich wieder, und irgendwann vergessen die Leute ihren Zorn. Aber verhandeln Sie mal mit diesen Leuten vom Islamischen Staat.“ Helfen frühere Krisen bei der Bewältigung der nächsten, was meinen Sie, Herr von Lojewski? „Sie kennen den Spruch: ,Das Einzige, was der Mensch aus der Geschichte lernen kann, ist, dass er nichts daraus lernt.‘ Nach dem Ersten Weltkrieg waren die zivilisierten Geister der Meinung, so etwas darf nie wieder passieren. Und aus dem Ersten erwuchs der Zweite Weltkrieg.“

Unruhe aus der Sicht junger Deutscher

Spricht da nur die Skepsis des Alters? Kann die Unbekümmertheit der Jugend das anders sehen? Eine Szene aus dem Abteil eines ICE, vor einer Woche. Eine Studentin unterhält sich angeregt mit der Dame gegenüber; der Rest der Reisenden kann nicht anders als mitzuhören. Sie erzählt von ihrem Großvater, dem sie aus jedem Land, das sie besucht, eine Postkarte schickt; später erzählt er ihr: Da war ich auch schon – als Soldat. Ah, die deutsche Vergangenheit.

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