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Naturkatastrophe in Asien : Zahl der Flutopfer steigt auf über 23.000 - Deutsche unter den Toten

  • Aktualisiert am

Jeder Tote fehlt Bild: dpa/dpaweb

Das stärkste Beben seit 40 Jahren hat im Indischen Ozean gigantische Flutwellen ausgelöst, die über mehrere Länder in Südostasien hereingebrochen sind. Mittlerweile schätzen örtliche Behörden die Zahl der Opfer auf rund 23.000. Unter den Opfern sind bislang auch vier Deutsche.

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          Die Zahl der Toten nach der verheerenden Naturkatastrophe in Südasien steigt immer weiter. Nach aktuellen Berichten sind mehr als 22.000 Menschen bei den durch ein Seebeben ausgelösten Flutwellen ums Leben gekommen.

          Allein auf Sri Lanka sind voraussichtlich 11.000 Tote zu beklagen. Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Montag. In Indien starben nach vorläufigen Angaben mehr als 6.000 Menschen, in Indonesien mindestens 4.700.

          Deutsche auf Sri Lanka vermißt

          Unter den Opfern der Flutkatastrophe befinden sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin mit großer Wahrscheinlichkeit auch deutsche Staatsbürger. Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab eingerichtet und eine Hotline (030 5000 1000) geschaltet.

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          Bei dem verheerenden Beben in Südasien sind auch deutsche Touristen getötet worden. Mindestens vier Urlauber aus Deutschland seien im Süden Sri Lankas ums Leben gekommen, sagte der Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbands, Klaus Laepple, am Montag nach einer Sitzung des Krisenstabs in Berlin.

          An der Südküste Sri Lankas und im Süden Thailands wurden zahlreiche Hotels zerstört. Zu einigen Hotels in Khao Lak im Süden Thailands konnten TUI und Thomas Cook bis Montagmittag keinen Kontakt aufnehmen. Es sei deshalb nicht auszuschließen, daß Deutsche unter den Opfern sind. „Khao Lak ist nach unseren Informationen ein einziges Trümmerfeld“, sagte TUI-Sprecherin Stefanie Rother. Es könne noch Tage dauern, bis es gesicherte Informationen über den Verbleib der Touristen in den betroffenen Regionen gebe.

          Auf der thailändischen Urlaubsinsel Phuket kamen mindestens drei Österreicher ums Leben, betätigte der österreichische Konsul, Edwin Ferrer. Unter deutschen Touristen, die am Montag aus Thailand nach Frankfurt zurückkehrten, waren nach Berichten eines Passagiers auch einige Verletzte. Die meisten Reisen in die Region wurden abgesagt. (Reiseveranstalter verlängern nach Beben Frist für Umbuchungen)

          An Indiens Stränden türmen sich Leichen

          Die Vereinten Nationen warnten vor einem möglichen Ausbruch von Seuchen in den Katastrophengebieten. Aus der schwer betroffenen indonesischen Provinz Aceh berichteten Reporter von Dutzenden von Leichen entlang der Straßen. Rettungskräfte in Aceh bargen Opfer unter Trümmern. Augenzeugen sahen Leichen, die auf Bäumen und zwischen Felsen hängen. Strom- und Kommunikationsverbindungen sind weiter unterbrochen.

          Auch auf den Stränden im Südosten Indiens türmen sich Leichen und Tierkadaver. Rettungskräfte bemühten sich unermüdlich, die Zehntausenden von Obdachlosen mit Lebensmitteln zu versorgen. Anwohner bereiteten Massenbestattungen vor. Eine Mutter auf der verzweifelten Suche nach ihren Söhnen berichtete der dpa am Telefon von Kinderleichen auf Krankenhausfluren. „Überall sind Fliegen und es ist ein schrecklicher Gestank.“

          Warnungen nach neuem Beben

          In dem besonders betroffenen Bundesstaat Tamil Nadu werden nach Medienberichten Tausende Menschen noch vermißt. Allein auf den Inseln Andaman und Nicobar in der Bucht von Bengalen wurden 3.000 Todesopfer beklagt. Dort wurde vom indischen Meteorologischen Institut am Montag ein Beben der Stärke 6 auf der Richterskala registriert. „Wir haben die Menschen in den Regionen an der Ostküste gewarnt, in den nächsten 48 Stunden mindestens zwei Kilometer von der Küste entfernt zu bleiben“, sagte der Direktor der seismologischen Abteilung A.K. Shukla.

          Auf Sri Lanka sind etwa eine Million Bewohner von der Naturkatastrophe betroffen, hieß es. Noch immer werden Tausende von Menschen in den zerstörten und von gewaltigen Schlamm- und Wassermassen überschwemmten Unglücksregionen vermißt. Derweil läuft eine internationale Hilfsaktion für die Unglücksgebiete. Auch Russland brachte erste Hilfsgüter auf den Weg.

          Situation auf Ferieninsel Phuket unübersichtlich

          Die mit dem Reiseveranstalter TUI auf die Malediven gereisten rund 380 Urlauber überstanden das Beben nach Angaben von TUI-Sprecher Mario Köpers unverletzt. Im Süden Sri Lanaks werden nach TUI-Angaben vier deutsche Urlauber vermißt. Die rund 4.000 deutschen Südostasien-Urlauber des Reisekonzerns Thomas Cook haben das Beben im Indischen Ozean nach bisherigen Erkenntnissen weitgehend unverletzt überstanden. Die Situation auf der thailändischen Ferieninsel Phuket ist nach Angaben beider Unternehmen aber noch immer unübersichtlich.

          Mit Bestürzung und Hilfsangeboten haben Politiker aus aller Welt auf die Katastrophe reagiert. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte am Sonntag den betroffenen Ländern die Unterstützung Deutschlands zu. Die Bundesregierung bewilligte als humanitäre Soforthilfe eine Million Euro. Vor Ort werden die Botschaften umgehend verstärkt, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Papst Johannes Paul II. forderte internationale Hilfsmaßnahmen. Die Europäische Union stellte eine Soforthilfe von drei Millionen Euro bereit.

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