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Naturkatastrophe : Ausbruch von Seuchen nach Vulkanausbruch in Kongo befürchtet

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Der Flughafen von Goma: Lava auf der Landebahn am Bild: AP

Um die Katastrophenstadt Goma herrscht ein kaum zu kontrollierendes Chaos. Jetzt droht der Ausbruch von Seuchen unter den rund 500.000 Flüchtlingen.

          Nach dem Ausbruch des Vulkans Nyiragongo im Osten der Demokratischen Republik Kongo befürchtet die Regierung des nahe gelegenen Nachbarlandes Ruanda den Ausbruch von Seuchen. Gesundheitsminister Ezéchias Rwabuhihi warnte am Samstag in der Hauptstadt Kigali vor einem Ausbreiten von Cholera, Meningitis und Atemwegserkrankungen. Unterdessen verschärfte sich in der von den Lavamassen zerstörten Stadt Goma mit der Rückkehr tausender Flüchtlinge die Versorgungslage. Ruanda, das die meisten Flüchtlinge aufnahm, bat um ausländische Hilfe. Die Bundesentwicklungsministerium stellte eine Million Euro (rund 1,96 Millionen Mark) als Nothilfe für das zentralafrikanische Land bereit.

          Seit Donnerstag treiben die Lavamassen des Vulkans Nyiragongo in der Republik Kongo hunderttausende Menschen vor sich her. In Gisenyi, ihrem ersten Zufluchtsort, gab es zudem am Samstag schwere Erdstöße. Dort halten sich zur Zeit nach Schätzungen von Diplomaten und Hilfsorganisationen zwischen 400.000 und einer halben Million Menschen auf. Nach einer zweiten Nacht im Freien warteten sie verzweifelt auf die Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln. Ein belgischer Diplomat berichtete am Samstag, dass bereits Flüchtlinge an Unterernährung und Austrocknung gestorben seien.

          "Die Stadt brennt"

          UN-Vertreter erklärten, bei dem Vulkanausbruch seien mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen. Am Samstag wälzte sich ein eineinhalb Meter dicker Strom glühender Lava durch die Stadt Goma, die nahe dem Vulkan liegt und hinterließ dort eine Spur der Verwüstung. „Die Stadt brennt“, sagte Anne Morris von der Hilfsorganisation CARE nach einem ersten Erkundungsflug über Goma, das einmal 350.000 Einwohner hatte. Die Lava floss vom 3.471 Meter hohen Vulkan Nyiragongo, der rund 50 Kilometer nördlich von Goma liegt, durch das Geschäftsviertel der Stadt und dann in den Kivusee.

          Zwischen den Bürgerkriegsstaaten Kongo und Ruanda gelegen: der Nyiragongo

          Das Wasser des Kivu-Sees wird zu Gift

          Bei der Naturkatastrophe wurde auch das Wasseraufbereitungssystem von Goma zerstört. Viele Menschen sind deshalb gezwungen, verseuchtes Wasser aus dem angrenzenden Kivusee zu trinken. In diesen werden alle Abwässer aus Goma eingeleitet. Auch die Lavaströme flossen Augenzeugenberichten zufolge mit einer Geschwindigkeit von rund 60 Stundenkilometern stetig in den See.

          „Das Seewasser ist pures Gift“, sagte der Militärattache der belgischen Botschaft in Ruanda, Major Pierre Pinchart. Er kündigte an, dass am Sonntag belgische Hilfslieferungen eintreffen sollen, die unter anderem Wasseraufbereitungssysteme enthalten. Internationale Hilfskräfte befürchten zudem, dass das im Kivusee natürlich vorkommende Methangas explodieren oder in Blasen an die Oberfläche kommen und Menschen töten könnte.

          Die Lager sind bereits von Bürgerkriegsopfern belegt

          Aus Furcht vor weiteren Ausbrüchen des Vulkans flüchteten viele Menschen von ihrem ersten Anlaufpunkt Gisenyi weiter in das 40 Kilometer entfernte Ruhengeri, sagte eine Sprecherin des UN-Welternährungsprogramms (WFP). Mehrere Hilfsorganisationen erwägen, die Flüchtlinge dort in zwei Lager nahe der Stadt zu leiten. Die Lager waren auch nach dem Genozid in Ruanda genutzt worden, als zwei Jahre nach dessen Ende 1996 rund eine Million Flüchtlinge aus dem Nachbarland Kongo (Zaire) zurückkehrten.

          Goma vom Lavastrom zweigeteilt

          Goma wurde nach Angaben von Mitarbeitern des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) bis zu 80 Prozent zerstört und zweigeteilt. Ein Teil der Flüchtlinge war am Freitag und Samstag dennoch an die Grenzen der verwüsteten Stadt Goma zurückgekehrt.

          „Im Zentrum selbst ist der Fluchtweg noch immer tausenden Menschen durch einen rund 300 Meter breiten Lavastrom abgeschnitten“, sagte ein Sprecher der Deutschen Welthungerhilfe, Karl Ginter, in Goma. Am Vormittag begannen die ersten von ihnen damit, Häuser und Geschäfte zu plündern.

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