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Nasa : Weltraumspaziergang mit Baumarktkleber

  • -Aktualisiert am

Start von Space-Shuttles der Nasa nur noch bei Tageslicht Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa versucht, die Sicherheit ihrer Raumfähren mit teilweise unkonventionellen Mitteln zu verbessern. Astronauten starten mit Werkzeug aus dem Baumarkt ins All.

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          Wie sicher ist sicher genug? Diese Frage muß jetzt die amerikanische Weltraumbehörde Nasa bei der Wiederaufnahme der Flüge ihrer aus drei Schiffen bestehenden Raumtransporterflotte beantworten.

          Knapp vier Wochen vor dem geplanten Start der Raumfähre Discovery gehen die Meinungen darüber auseinander, ob die 167 größeren technischen Veränderungen am Space Shuttle die Raumtransporter wirklich sicherer machen und ob sie ausreichen, eine weitere Katastrophe zu vermeiden. Die Nasa selbst gibt zu, noch nicht alle Empfehlungen jener unabhängigen Kommission, welche die Ursachen des Verlustes der „Columbia“ am 1. Febraur 2003 im Himmel über Texas untersuchte, in die Tat umgesetzt zu haben.

          Schaumstoffisolierte Tanks

          Die wichtigsten technischen Veränderungen gibt es zweifellos an dem großen, auf Fotos stets rostbraun erscheinenden Tank, in dem die Raumfähren den Treibstoff für ihren Flug in die Erdumlaufbahn mitführen. In den drei Triebwerken eines Space Shuttle verbrennen Wasserstoff und Sauerstoff. Der Tank besteht aus mehreren Kammern, in denen diese beiden Treibstoffkomponenten in flüssiger Form bei sehr tiefen Temperaturen gebunkert werden. Um zu verhindern, daß der Treibstoff schon auf der Startrampe verdampft oder daß sich an der Außenwand des kalten Tanks Feuchtigkeit aus der Luft als Eis niederschlägt, ist der Tank mit einer dicken Schicht aus orangebraunem Schaumstoff isoliert.

          Bei nahezu jedem der bisher 113 Starts von Raumfähren rissen sich Stücke dieser Schaumstoffisolierung los, so auch beim Start der Columbia vor mehr als zwei Jahren. Damals löste sich ein knapp 900 Gramm schweres Stück und traf auf die Vorderkante der Tragfläche. Dabei schlug der Schaumstoff ein mehr als fünfzehn Zentimeter großes Loch in die als besonders stark geltende Hitze-Isolierung der Flügelvorderkante.

          Kompaktere Isolierung

          Um bei künftigen Flügen ein Abreißen des Schaumstoffs zu verhindern, wird die Isoliermasse seit jüngstem mit einem neu entwickelten Verfahren auf die Außenhaut des Tanks aufgetragen. Die neue Methode bewirke, so sagt Sandy Coleman, die für die Konstruktion der Treibstofftanks verantwortliche Ingenieurin, daß die Isolierung kompakter sei und besser auf dem Tank klebe. Außerdem habe man jene starken Streben, mit denen der Tank an den Raumfähren befestigt ist, nun aerodynamischer gemacht.

          Wie es aber trotzdem zu jenem Riß in der Isolierung des Tanks der Discovery kam, der vor gut zwei Wochen bei der Fahrt des Raumtransporters zur Startrampe am Cape Canaveral entdeckt wurde, ist noch nicht geklärt. Die defekte Stelle sei ausgebessert, teilt die Nasa mit, und stelle keine Gefahr für die Discovery dar.

          Bolzensprengung nach zwei Minuten

          Umgebaut wurden auch die Aufhängungen, welche die zwei Feststoffraketen mit dem Raumtransporter verbinden. Die Raketen geben dem Gefährt erst den starken Schub, der den Raumtransporter auf eine Bahn in den Orbit bringt. Wenn die beiden Raketen etwa zwei Minuten nach dem Start ausgebrannt sind, trennen sie sich vom Shuttle und dem Tank.

          Dazu werden die Bolzen, welche die Raketen mit dem Shuttle verbinden, gesprengt. Nasa-Ingenieure haben eine Fangeinrichtung konstruiert, die verhindern soll, daß die Fragmente der Bolzen nach der Sprengung auf die Außenhaut der Raumtransporter schlagen.

          Videoüberwachung beim Start

          Besonderes Augenmerk richteten die Nasa-Ingenieure auch auf die Foto- und Videoüberwachung der Raumfähren bei künftigen Starts. So dürfen die Raumtransporter nur noch tagsüber bei Sonnenlicht starten. Die früher so spektakulären Nachtstarts wurden untersagt, weil dabei den 112 Kameras, die den Start vom Boden aus verfolgen, nicht genügend Licht zur Verfügung steht.

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