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„Dart“-Mission gestartet : NASA-Sonde soll in Asteroiden krachen

Start in Kalifornien: DART ist der weltweit erste groß angelegte Test zur Planetenverteidigung. Asteroiden sollen so von ihrem Kurs auf die Erde abgelenkt werden. Bild: EPA

Wie könnte man die Erde vor herannahenden Asteroiden schützen? Die US-Raumfahrtbehörde hat am Mittwochmorgen eine Sonde gestartet, die versuchsweise in einen Asteroiden krachen und seine Flugbahn verändern soll.

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          Zu einer ungewöhnlichen Mission ist am Mittwochmorgen deutscher Zeit eine amerikanische Raumsonde vom Luftwaffenstützpunkt Vandenberg in Kalifornien aus aufgebrochen. Der unbemannte Raumflugkörper „Dart“ an Bord einer Falcon-9-Trägerrakete Space X wird Kurs auf den Asteroiden „Didymos“ nehmen, mit dem Ziel, in rund zehn Monaten auf dessen Mond „Dimorphos“ abzustürzen.

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Der Aufprall, der bei einer Geschwindigkeit von etwa 22.000 Kilometer pro Stunde erfolgt, ist von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA so konzipiert worden, dass er die Umlaufbahn des Trabanten, der einen Durchmesser von 160 Metern hat, ­möglichst nur um einen kleinen Betrag verändern wird. Die an der Mission beteiligten Wissenschaftler erwarten, dass sich die Zeit, die Dimorphos für einen Umlauf um den Asteroiden ­Didymos benötigt, von bislang elf ­Stunden und 55 Minuten um etwa zehn Minuten verkürzen wird.

          Zum Zeitpunkt des Einschlags wird das Doppel-Asteroidensystem rund elf Millionen Kilometer entfernt sein, so dass keine Gefahr für die Erde droht. Um die Auswirkung des Einschlags vor Ort zu überprüfen, aber auch den Mond und dessen Beschaffenheit zu erkunden, wird die Europäische Raumfahrt­agentur ESA in zwei Jahren eine zweite Mission, die Raumsonde „Hera“, in Richtung Didymos schicken. Die Daten der europäischen Sonde sollen Informationen etwa über die Impulsüber­tragung des Einschlags liefern.

          Es gibt auch weitere mögliche Methoden

          NASA und ESA wollen mit ihren beiden Missionen herausfinden, ob man mit einem gezielten Absturz eines Satelliten auf einem erdnahen Asteroiden die Erde noch rechtzeitig vor einem Meteoriteneinschlag schützen kann. Der Aufprall würde dann den Himmelskörper von seinem Kollisionskurs abbringen und in sicherem Abstand an der Erde vorbeilenken.

          Die „kinetische Impaktormethode“ ist nicht die einzige Möglichkeit, einen Asteroiden abzulenken. Theoretisch denkbar wäre auch, eine Atombombe in der Nähe eines Asteroiden zu zünden. Eine weitere Möglichkeit wäre, ein großes Raumschiff lange genug neben einem Asteroiden herfliegen zu lassen, bis seine Schwerkraft den Asteroiden auf einen neuen Kurs zieht.

          Derzeit gibt es etwas mehr als 27.500 erdnahe Asteroiden. Doch keiner von ihnen stelle in den nächsten hundert Jahren eine Bedrohung dar, sagte der Direktor für wissenschaftliche Missionen bei der NASA, Thomas Zurbuchen. Als potenzielle Bedrohung werden Asteroiden eingeschätzt, die größer sind als 140 Meter. Diese könnten bei einem Aufprall auf der Erde große ­Verwüstungen anrichten. Doch solche Einschläge sind äußerst selten. Nach Schätzungen findet ein solches Ereignis alle 20.000 Jahre statt.

          Die Flugbahnen der erdnahen Objekte unterliegen der ständigen Beobachtung durch irdische Teleskope. So wissen die Asteroidenforscher meist lange im Voraus, wann und in welcher Entfernung ein großer Asteroid die Erdbahn kreuzt. Doch immer wieder kommt es vor, dass Himmelskörper in die Atmosphäre eindringen, die man nicht unter Beobachtung hatte. So trat im Jahr 2013 ein mit 18 Metern relativ kleiner unentdeckter Asteroid in die Erdatmosphäre ein und explodierte über der russischen Stadt Tscheljabinsk. Die Explosion verletzte mehr als 1600 Menschen.

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