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Nasa-Astronauten : Völlig losgelöst ins All?

  • Aktualisiert am

Nasa-Direktor Griffin (r.) und Sicherheitschef O'Connor (l.) Bild: REUTERS

Die Nasa hat die Trinkgewohnheiten der Astronauten geprüft. Am Starttag sei kein Raumfahrer „beeinträchtigt“ gewesen, versichert er. Damit widerspricht er einer Kommission, die zum Schluss gekommen war, Astronauten seien betrunken ins All geflogen.

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          Sind amerikanische Astronauten wirklich fröhliche Zecher, die auch mal mit Promille ins Weltall starten? In ihrer drittgrößten internen Untersuchung nach den beiden Unglücken der Raumfähren „Challenger“ und „Columbia“ hat die Raumfahrtbehörde Nasa die Trinkgewohnheiten ihres fliegenden Personals untersucht. Das Ergebnis: In den vergangenen 20 Jahren ist kein Astronaut angeheitert in einen Space-Shuttle oder eine Sojus-Kapsel gestiegen. „Die Astronauten haben absolut keine Motivation, einen Einsatz aufzuhalten und dafür verantwortlich gemacht zu werden“, sagt Nasa-Direktor Michael Griffin.

          Griffin verbürgt sich für den Wahrheitsgehalt der neuen Untersuchung mit seinem guten Namen, fügt aber hinzu: Weder er, noch Sicherheitschef Bryan O'Connor könnten nachweisen, dass es vielleicht doch noch jemanden mit einer nachprüfbaren Geschichte zu Alkoholkonsum vor Flügen gebe, der sich aber jetzt wegen der großen Aufmerksamkeit nicht aus der Deckung wage.

          Kein Astronaut am Starttag „beeinträchtigt“

          Eine externe Expertenkommission war in ihrem Untersuchungsbericht vom 27. Juli zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen: Den Fachleuten wurde zugetragen, dass in einem Fall ein Astronaut sogar so sturzblau gewesen sein soll, dass Ärzte und Crewmitglieder Alarm geschlagen und sich Nasa-Manager am Ende über deren Bedenken hinweggesetzt haben sollen. Das Problem: Die Experten hatten die Informationen weder auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht noch die Namen der mutmaßlichen Alkoholsünder preisgegeben.

          Nasa-Sicherheitschef O'Connor schreibt jetzt in dem neuen Untersuchungsbericht, er habe nicht einen Fall finden können, in dem ein Astronaut am Starttag „beeinträchtigt“ gewesen sei. O'Connor untersuchte speziell alle Flüge in den Jahren von 1990 bis 1995, bei denen sich die Zwischenfälle ereignet haben sollen. In keinem Fall habe ein Arzt ein Sicherheitsrisiko durch Alkohol gesehen. O'Connor schreibt weiter, dass es auch keine einzige anonyme E-Mail an ihn gegeben habe. Er sprach nach eigenen Angaben mit wenigstens einem Crewmitglied aller Shuttle-Flüge der vergangenen 20 Jahre sowie 100 Mitarbeitern des Flugpersonals, die Astronauten am Starttag rund um die Uhr begleiten.

          Zwölf Stunden vor dem Start kein Alkohol

          Der frühere Shuttle-Kommandeur untersuchte auch die Trinkgewohnheiten seiner Astronauten sowohl in den USA als auch in Russland. Danach haben die Astronauten selbst in der Quarantäne freien Zugang zu Alkohol - zumeist Bier und Wein. In einem Fall habe er eine halbvolle Flasche Tequila gesehen. Die Menge konsumierten Alkohols sei aber wesentlich geringer als in den achtziger und neunziger Jahren, schreibt O'Connor. Von den siebenköpfigen Crews würden nur zwei oder drei Astronauten gelegentlich und in Maßen Alkohol trinken. Auch in der russischen Raumfahrtgemeinde sei der Alkoholkonsum zurückgegangen.

          Die Nasa hat dennoch Konsequenzen gezogen. Demnach ist es Astronauten grundsätzlich untersagt, zwölf Stunden vor dem Start Alkohol zu trinken. Griffin will jetzt mit 16 Jahren Verspätung auch eine gesetzliche Regelung umsetzen lassen, wonach Nasa-Mitarbeiter auf Alkohol und Drogen getestet werden. O'Connor legt außerdem nahe, dass Alkoholmissbrauch in die Kategorie von Aktivitäten mit hohem Risiko wie Motorradrennen, Fallschirmspringen und Snowboardfahren aufgenommen - und damit ein Jahr vor dem jeweiligen Weltraumeinsatz untersagt wird.

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