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Narrenzeit : Karneval ohne Mohammed

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Scheichs, Haremsdamen, aber keine Mohammeds: Die großen deutschen Fastnachtskomitees sind vorsichtig geworden.

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          Er wird nicht zu sehen sein beim Rosenmontagszug. Nicht auf dem Wagen, wo im vergangenen Jahren schon das entblößte Hinterteil des amerikanischen Präsidenten Bush Empörung hervorgerufen hat. Und wohl auch nicht bei den Jecken, die sich allenfalls als Scheich verkleidet auf der Straße zeigen werden. Mohammed, da sind sich die großen Karnevalsvereine einig, wird im Karneval nicht auftreten.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

          Man müsse ja nicht noch Öl ins Feuer gießen, sagt Karl-Heinz Werner vom Mainzer Carneval-Verein, der sich nach eigener Aussage ohnehin lieber Politikern oder regionalen Themen widmet. Mohammed zu zeigen wäre „eine absolute Dummheit“. Zudem seien die Themen für die Motivwagen schon im Herbst vergangenen Jahres ausgesucht worden. „Damals war der Karikaturenstreit überhaupt noch nicht im Gespräch.“

          „Es ist nicht unser Stil, Menschen zu verletzen“

          Kaum ein anderes Thema ist bei den Karnevalisten jemals so vorsichtig angegangen worden wie die Mohammed-Karikaturen, die in Dänemark veröffentlicht wurden und zu Protesten in vielen islamisch geprägten Ländern führten. Einen „iranischen Mullah-Burger“, wie er im vergangenen Jahr in Düsseldorf gezeigt worden ist, wird es beim Rosenmontagszug in zwei Wochen nicht geben. Zu hitzig sind den Organisatoren die Reaktionen der Muslime auf die in Dänemark veröffentlichten Karikaturen. Solche Proteste wollen sie in Köln, Düsseldorf oder Mainz gar nicht erst provozieren.

          Sogar das Comitee Düsseldorfer Carneval, das für seine zynischen Persiflagen berüchtigt ist und im vergangenen Jahr mit Joachim Kardinal Meisner eine religiöse Person persifliert hatte, hält sich nun zurück. „Wir wollen eine Persiflage auf die Obrigkeiten in unserem Land“, sagt Peter König, Präsident des Comitees Düsseldorfer Carneval. Von fremden Kulturen solle man die Finger lassen. Volker Wagner, Präsident des Bundes Deutscher Karneval, spricht sogar davon, den Islam zum Tabuthema zu machen. „Es kann nicht sein, daß wir die Gefühle von Anhängern einer Religion mit Füßen treten.“ Man solle den Menschen ihren kleinen intimen Raum lassen. Das Festkomitee Kölner Karneval hingegen hat es sich schon in der Vergangenheit zur Regel gemacht, religiöse Themen beim Rosenmontagszug überhaupt nicht aufzugreifen. „Jemanden den Narrenspiegel vorzuhalten ist in Ordnung“, sagt Sigrid Krebs, Sprecherin des Vereins. „Aber es ist nicht unser Stil, Menschen zu verletzen.“

          Modell Haremsdame stark nachgefragt

          Nur die Jecken könnten nun noch Aufruhr hervorrufen. Nicht jeder reagiert so umsichtig wie die großen Vereine, denen es um ihr Ansehen geht. Immerhin werden bei der Firma Deiters, einem der größten Kostümhersteller in Köln, Verkleidungen für Haremsdamen stark nachgefragt. Modell: Suleika. Rotes Kleid mit goldenem Schleier für rund 50 Euro. „Die Nachfrage ist ungebrochen“, sagt Inhaber Herbert Geiss. Angst vor unerfreulichen Reaktionen von Muslimen kennen die Jecken nicht, wenn es um die Verkleidung geht. Auch in vielen Internet-Faschingsgeschäften ist neben Cowboyhut und Indianerkostüm das weiße Gewand des Ölscheichs samt Kopfbedeckung dabei. „Ich glaube nicht, daß sich jemand absichtlich provozierend verkleidet“, sagt der Düsseldorfer Komiteepräsident Peter König. Ein wenig Freiheit müsse sein. „Sonst dürfte man sich ja gar nicht mehr verkleiden.“

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