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Nanga Parbat : Rettung in dünner Luft

Simon Kehrer wurde vom Hubschrauber ins Basislager geflogen Bild: dpa

Der Nanga Parbat hat Simon Kehrer und Walter Nones freigegeben. Mit Hubschraubern wurden sie aus 5700 Meter Höhe in Sicherheit gebracht. Doch es gab Schwierigkeiten. Nicht nur der Hubschrauber hatte mit der dünnen Luft zu kämpfen - auch der Pilot.

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          Es war keine Mission von Anfängern. Simon Kehrer und Walter Nones sind erfahrene Alpinisten. Kehrer ist 29 Jahre alt und stammt aus St. Vigil/Enneberg in den Dolomiten. Er klettert seit 16 Jahren, schloss 2004 seine Ausbildung als Bergführer ab, bietet Kletterrouten, Skitouren oder Eiskletterkurse an und ist auch im Dienst der Bergrettung aktiv. Nones wurde in Cavalese geboren, auch in den Dolomiten, ist 36 Jahre alt und Bergführer. Er stand 1995 in Nepal auf dem Island Peak (6189 Meter) und dem Lobuche-Ostgipfel (6119 Meter). Er bewältigte die höchsten Berge Nord- und Südamerikas, den Mount McKinley (6194 Meter) und den Aconcagua (6982 Meter). Vor vier Jahren gelang Nones über den Abruzzengrat der Aufstieg zum K 2 (8611 Meter), dem zweithöchsten Berg der Welt. Der Nanga Parbat sollte nun sein zweiter Achttausender werden.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Beide kannten Karl Unterkircher seit langem. 2006 waren sie bei Unterkirchers Expedition zum Genyen (6204 Meter) in der chinesischen Provinz Sichuan dabei. Der Bergsteigergruppe gelang damals die vermutlich erste Besteigung des Sechstausenders – den höchsten Punkt betraten sie nicht, um die Heiligkeit des Berges zu respektieren. Aus der Expedition ging der Dokumentarfilm „Das Geheimnis des Genyen“ hervor. Und nun dieser Berg, der Nanga Parbat („Nackter Berg“), 8125 Meter hoch, zuerst von Hermann Buhl 1953 bestiegen, nachdem 31 Kletterer die Versuche mit ihrem Leben bezahlt hatten, „Schicksalsberg der Deutschen“, einer der anspruchsvollsten Achttausender, mithin einer der am schwierigsten zu besteigenden Berge überhaupt. Zu dritt stiegen sie hinauf, wagten die Erstbesteigung der Rakhiot-Wand, „dieser verwunschenen, zerklüfteten Eiswand mit den vielen Gletscherspalten“, wie Unterkircher sie nannte. Zu zweit sollten sie wieder herunterkommen. Der 37 Jahre alte Karl Unterkircher, ausgerechnet der erfahrenste unter ihnen, stürzte am Mittwoch vergangener Woche auf dem Weg nach oben in eine Gletscherspalte – und verunglückte tödlich.

          Mit Schokolade und Schmelzwasser haben sie sich bei Kräften gehalten

          Simon Kehrer und Walter Nones überlebten. Nones rief noch mit nachlassender Batterie seines Satellitentelefons seine Frau an, es gehe ihnen gut, aber sie könnten nicht zurück. Sie mussten weiter nach oben, um aus der Wand zu steigen, kämpften sich auf 7000 Meter hoch. Tagelang harrten die beiden Südtiroler am Berg in 6600 Metern Höhe aus. Ein Zelt schützte sie vor dem Schneetreiben. Bei Kräften hielten sie sich unter anderem mit Schokolade und Schmelzwasser. Die italienischen Organisatoren der Expedition hatten Funkkontakt mit ihnen. Sie seien bei klarem Bewusstsein und verfügten noch über Lebensmittel und Brennstoff, hieß es am Dienstag. Am Mittwoch gab es noch eine kleine Lawine. Am Donnerstag schließlich, endlich, wurde das Wetter besser, die Sonne schien, und es war windstill. Simon Kehrer und Walter Nones verließen am frühen Morgen ihr Zelt, um halb acht Ortszeit sah man sie schon vom Basislager aus. Gegen neun Uhr waren sie auf dem Plateau in 5700 Metern Höhe, auf dem ein Hubschrauber landen kann.

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