https://www.faz.net/-gum-zn2i

Nanga Parbat : Rettung in dünner Luft

Der Nanga Parbat ist nur schwer zu bezwingen
Der Nanga Parbat ist nur schwer zu bezwingen : Bild: dpa

Damit waren sie aber noch nicht in Sicherheit. Schwierigkeiten bei der Hubschrauberrettung ergeben sich vor allem durch die Höhe, die meist auf 6000 Meter begrenzt ist, wie Hans Pletzer erklärt, Einsatzpilot im österreichischen Bundesministerium für Inneres in der Flugeinsatzstelle Klagenfurt. Bis zu dieser Höhe garantiert der Hersteller, dass die Turbine funktioniert. Mit zunehmender Höhe nimmt der Sauerstoffgehalt in der Luft ab – und der Hubschrauber erbringt eine geringere Leistung. Auch ist der Ballast begrenzt, den ein Hubschrauber in dieser Höhe mitnehmen kann. Pletzer sagt, bei den in Österreich gängigen Typen seien es höchstens 1000 Kilogramm in geringer Höhe. Aber schon auf dem Großglockner, dem mit 3800 Meter höchsten Berg Österreichs, wo Pletzer rund 200 Einsätze geflogen ist, sind es nur noch 200 Kilogramm. Am Nanga Parbat also, auf einer Höhe von fast 6000 Metern, können nicht mehrere Bergsteiger gleichzeitig geborgen werden. Denn neben der Höhe spielen auch die Windverhältnisse eine Rolle. Oft sind in dieser Höhe Landungen nicht möglich – und eine schwierigere Seilbergung muss vorgenommen werden. In Europa sind solche Seilbergungen üblich, da das Fluggerät wegen steiler Felsflanken oder Rinnen nicht landen kann.

Bei der Rettung zuerst an den abgestürzten Kameraden gedacht

Nicht nur der Hubschrauber hat mit der dünnen Luft zu kämpfen – auch der Pilot. Während Bergsteiger sich beim Höhenbergsteigen allmählich akklimatisieren, muss sich der Pilot sofort anpassen. Er startet in geringer Höhe, bei vielleicht 2500 Metern, und ist in zehn Minuten auf 6000 Metern. Ohne künstliche Sauerstoffzufuhr gerät er in Gefahr, sich die Höhenkrankheit zuzuziehen. Wahrnehmungsvermögen, Koordinationsvermögen und Reaktionszeit werden beeinträchtigt. Als ein Pilot vor drei Jahren mit dem Ecureuil/AStar AS 350 B 3 auf dem 8848 Meter hohen Gipfel des Mount Everest landete, war das eine Ausnahme: Er kannte das Gebiet und die wechselnden Windgegebenheiten. Und er musste nur mit dem Nötigsten fliegen: Pilot und Maschine. Material und Flugretter sind für solche Flüge noch zu viel Ballast.

Am Donnerstag also musste der Helikopter wegen der großen Höhe an seiner Einsatzgrenze möglichst leicht bleiben. Inzwischen war der Einsatz sogar wieder fraglich, weil Nebelfelder aufzogen. Dann flog der Hubschrauber der pakistanischen Streitkräfte doch. Zunächst nahm er, da wegen des Gewichts nur ein Mann transportiert werden konnte, Kehrer auf, wie ein Behördenmitarbeiter in Pakistan und Vertreter der Himalaja-Expedition in Italien später bestätigten. Sie brachten ihn zum Basislager auf 4400 Metern. 20 Minuten später holte der Pilot Nones in Sicherheit. Vom Basislager flogen die beiden in die Provinzstadt Gilgit, wo sie mindestens einen Tag bleiben und im Militärkrankenhaus untersucht werden sollen. Dann wollen sie in die pakistanische Hauptstadt Islamabad reisen. Die Veranstalter erklärten, beide benötigten keine medizinische Hilfe.

Der italienische Außenminister Franco Frattini dankte den pakistanischen Behörden für ihre Hilfe, der Extrembergsteiger Reinhold Messner lobte die Leistung der beiden Alpinisten, und auch Unterkirchers Ehefrau Silke zeigte sich laut „Repubblica Online“ erleichtert über die Rettung. Kaum jemand dachte jedoch am Donnerstag an den iranischen Bergsteiger Saman Nemati, der nach acht Tagen immer noch am Nanga Parbat festsitzt, wie der Sprecher des iranischen Bergsteigerverbands am Donnerstag berichtete. Kehrer und Nones, so berichteten die Retter, hätten nach der Rettung zuerst an ihren abgestürzten Bergkameraden Karl Unterkircher gedacht. Die beiden hätten eine kleine Gedenkfeier abhalten wollen. Doch das war nicht mehr möglich. So ritzten die beiden Unterkirchers Namen in einen Eisenteller – und ließen ihn bei der Gedenktafel für Hermann Buhl zurück.

Weitere Themen

Belgien nun EU-Land mit höchster Infektionsrate

Corona-Liveblog : Belgien nun EU-Land mit höchster Infektionsrate

Deutsche Testlabore zu 89 Prozent ausgelastet +++ Gericht stoppt Beherbergungsverbot in Sachsen-Anhalt +++ Altmaier rechnet zum Wochenende mit 20.000 Neuinfektionen +++ Schleswig-Holstein plant harte Kontaktbeschränkungen +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

Kölner Karnevalsauftakt fällt aus Video-Seite öffnen

„Bleibt bitte zu Hause“ : Kölner Karnevalsauftakt fällt aus

In Köln soll es am 11.11. keine öffentlichen Karnvalsaktivitäten geben. Oberbürgermeisterin Reker appellierte an die Bürger, sich nicht mit vielen Menschen zu treffen und keine privaten Feiern zu veranstalten.

Topmeldungen

Deutliche Worte in Richtung Friedrich Merz von Hessens Ministerpräsident und stellvertretendem CDU-Bundesvorsitzenden Volker Bouffier

Bouffier über Merz’ Vorwürfe : „Das ist wirklich albern, falsch und widersinnig“

Die Verschiebung des CDU-Parteitags habe „nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, ob dieser oder jener Parteivorsitzende werden soll“, sagt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier im F.A.Z.-Interview. In der Corona-Krise stünden „harte Entscheidungen“ an.
Heimatfreund: „Rüsselsheim ist und bleibt die Heimat von Opel“, versichert Firmenchef Michael Lohscheller

Opel-Chef im Interview : „Wir sind jetzt die Effizienzweltmeister“

Opel befindet sich mitten im Umbau und büßt Marktanteile ein. Unternehmens-Chef Michael Lohscheller zu der Frage, wie die Marke wieder wachsen will, wieso der Diesel nicht aus der Mode kommt und ob der E-Corsa läuft.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.