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Namensstreit : Anton Schlecker oder die Schlecker-Frauen?

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Die Anwohner wollen Anton Schlecker behalten. Von einer Umbenennung der Straße halten sie nichts. Bild: DPA

Wird aus der „Anton-Schlecker-Straße“ in Melle die „Schlecker-Frauen-Allee“? Das fordert ein grüner Politiker. Die Stadtverwaltung prüft zurzeit den Vorschlag.

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          Niemand wohnt hier. Direkt an der Autobahn liegt in Melle bei Osnabrück ein Gewerbegebiet. Dort betrieb der frühere Drogerie-Marktführer Schlecker ein Lager, bot gut 100 Mitarbeitern Arbeitsplätze. Doch die Insolvenz des Unternehmens führte zur Schließung des Standorts. Weil Schlecker Ende der neunziger Jahre auf die „Anton-Schlecker-Straße“ als Adresse für das Lager bestand, diskutieren die Einwohner von Melle nun, nach der Pleite des Unternehmens den Straßennamen zu ändern.

          Den Anfang hatte die Gewerkschaft Verdi gemacht. Statt „Anton-Schlecker-Straße“ solle der rund 300 Meter lange Weg besser „Schlecker-Frauen-Allee“ heißen, forderte Anne Preußer von der Osnabrücker Geschäftsstelle schon im vergangenen Jahr. Sie warf dem früheren Unternehmenschef nicht nur Managementfehler vor, sondern auch Verantwortungslosigkeit und Gier: „Deshalb wollen die Schlecker-Frauen, dass der Straßenname in Melle umbenannt wird“, sagte Preußer damals.

          „Anton Schlecker ist keine verdiente Persönlichkeit des Ortes“

          Ein richtiger Antrag an die Stadtverwaltung sei das wohl nicht gewesen, sagt der Pressesprecher der Stadt, Jürgen Krämer. „Es war wohl eher eine in der Öffentlichkeit formulierte Anregung.“ Für Reinhardt Wüstehube von den Grünen ist das immerhin ein Anfang: Schließlich habe sich der Ortsrat Melle-Mitte mit dem Vorschlag beschäftigt, wenngleich ohne richtige Konsequenzen. „Das war wohl eher als Provokation gedacht.“ Beim grünen Kommunalpolitiker hinterließ sie Wirkung. Er stellte einen Antrag, die Straße umzubenennen. Im Gespräch ist nun die Flurbezeichnung „Am Sandkamp“.

          Umstrittener Namensgeber: Die Grünen meinen, nach Anton Schlecker sollte keine Straße in Melle benannt sein. Bilderstrecke
          Umstrittener Namensgeber: Die Grünen meinen, nach Anton Schlecker sollte keine Straße in Melle benannt sein. :

          Schon vor dem Bau des Lagers hätten einige Bewohner von Melle kritisiert, dass die Stadt dem Druck von Anton Schlecker nachgegeben und die Straße entsprechend benannt hätte. „Anton Schlecker ist keine verdiente Persönlichkeit des Ortes“, meint Wüstehube. Ein Straßenname sei so etwas wie eine Auszeichnung, und die habe sich der Unternehmensgründer nicht verdient.

          Bei den Anliegern kommt der Umbenennungsantrag nicht gut an. „Die Anlieger der Anton-Schlecker-Straße sind alle Unternehmer, und sie sind alle geschlossen dagegen“, äußert Dieter Witt, Chef der Firma AWT Armaturen. Das verursache nur Kosten und viel überflüssige Arbeit. Das koste hier jedes Unternehmen mindestens 10.000 Euro, sagen er und seine Nachbarn.

          Das Navi kennt die Schlecker-Frauen noch nicht

          Firmendrucksachen müssten genauso geändert werden wie die Beschriftungen von Firmenwagen. Den Kunden müsste man die neue Adresse mitteilen; bis sie sich herumgesprochen habe, werde viel Zeit vergehen. Außerdem werde es Jahre dauern, bis auch das letzte Navigationsgerät den neuen Straßennamen kenne. „Das soll hier nur aus politischen Gründen durchgeboxt werden“, ist Witt überzeugt.

          Entschieden ist noch nichts. Die Stadtverwaltung prüfe derzeit viele Einwendungen gegen den Vorschlag und werde dem Ortsrat einen fundierten Beschlussvorschlag machen, sagt Stadtsprecher Krämer. Das werde noch einige Wochen dauern.

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