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Nahrungsmittel : Humana entläßt wegen Babymilch-Skandal vier Mitarbeiter

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Humana-Chef Große Frie räumt Fehler ein Bild: AP

Der deutsche Nahrungsmittelhersteller Humana hat vier leitende Mitarbeiter entlassen. Nach Fehlern bei der Produktion von Babynahrung waren in Israel zwei Säuglinge gestorben.

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          Der deutsche Nahrungsmittelhersteller Humana Milchunion GmbH hat nach Fehlern bei der Produktion von Babynahrung personelle Konsequenzen gezogen und vier verantwortliche Mitarbeiter entlassen. Den vier Beschäftigten sei am Montag mit sofortiger Wirkung gekündigt worden, teilte Unternehmenschef Albert Große Frie am Montag vor Journalisten in Herford mit.

          Es handele sich um die Leitung der Produktionsentwicklung, des chemischen Zentrallabors und des Qualitätsmanagements. Die vier seien verantwortlich dafür, daß der Säuglingsnahrung auf Soja-Basis das notwendige Vitamin B1 nicht beigemischt worden sei. In Israel waren dem dortigen Gesundheitsministerium zufolge bislang zwei Säuglinge nach dem Verzehr der Humana-Sojababykost gestorben. Mindestens sieben weitere sollen erkrankt sein.

          Konsequenzen gezogen

          Ursache für den Fehler sei „menschliches Versagen“, betonte der Humana-Geschäftsführer. Das hätten betriebsinterne Untersuchungen ergeben. Bei der Produktentwicklung seien Analysedaten falsch interpretiert worden. Dies habe zur Folge gehabt, daß auf den üblichen Vitamin-B1-Zusatz verzichtet worden sei.

          „Diese Entscheidung wurde von den Verantwortlichen einsam und ohne Information der Unternehmensleitung gefällt“, sagte der Manager. Bei der folgenden Überprüfung des Produkts durch ein außen stehendes Labor hätten dann ausgerechnet die Vitaminanalysen gefehlt, die den Fehler noch rechtzeitig hätten aufdecken können. Doch sei dies von den Humana-Mitarbeitern nicht reklamiert worden.

          „Wir haben daraus Konsequenzen gezogen, damit selbst bei einer derartigen Verkettung von Fehlern und persönlichem Fehlverhalten die Auslieferung eines fehlerhaften Produktes in Zukunft unmöglich wird“, sagte Große Frie. So ist ab sofort bei Neurezepturen und Rezeptänderungen vor der Freigabe zur Erstproduktion eine labortechnische Vollanalyse der Inhaltsstoffe zwingend vorgeschrieben. Erst wenn das externe Labor bestätigt habe, daß die Angaben zu den Inhaltsstoffen korrekt seien, dürfe die Produktion aufgenommen werden. Die verantwortlichen Geschäftsführer sowohl der Produktenwicklung als auch der Qualitätssicherung müßten die Einhaltung des Qualitätskontrollverfahrens schriftlich bestätigen.

          Schadenersatzforderungen möglich

          „Wir können zur Zeit nicht ausschließen, daß die von uns produzierte Soja-Nahrung möglicherweise zum Tod und zur Erkrankung der Säuglinge in Israel geführt hat. Das macht uns alle sehr betroffen“, sagte der Manager. Humana werde von sich aus Verbindung zu den israelischen Behörden aufnehmen, um geeignete Möglichkeiten zur Unterstützung für die betroffenen Familien zu sondieren.

          Große Frie räumte ein, er halte es für möglich, daß Schadenersatzforderungen auf die Firma zukämen. Zur Zeit lägen noch keine vor. Über Regreßforderungen gegen die vier entlassenen Mitarbeiter werde das Unternehmen nach Ende der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft entscheiden.

          Nach Unternehmensangaben haben zur Zeit Georgien, Aserbaidschan, Armenien und der Iran den Import der Humana-Babynahrung gestoppt. Das Unternehmen läßt zur Zeit seine 53 Babynahrungsprodukte auf ihren Vitamin B1 Gehalt überprüfen. Zur Zeit lägen 28 Ergebnisse vor, alle seien unbedenklich, berichtete der Manager.

          Nach der Humana-Affäre tauscht die Schweizer Firma Wander ihr Kindernahrungsmittel Adapta aus. Der Vitamin-D-Gehalt entspreche nicht der Vorschrift und der Packungsaufschrift, hieß es in einer am Montag in Bern veröffentlichten Erklärung. Dieser Mangel stelle aber kein gesundheitliches Risiko für die Säuglinge dar. Wander stelle nun neue Produkte her, die alten Packungen würden aus dem Handel genommen.

          Strengere Kontrollen

          Nach Humana-Affäre tauscht die Schweizer Firma Wander ihr Kindernahrungsmittel Adapta aus. Der Vitamin-D-Gehalt entspreche nicht der Vorschrift und der Packungsaufschrift, hieß es in einer am Montag in Bern veröffentlichten Erklärung. Dieser Mangel stelle aber kein gesundheitliches Risiko für die Säuglinge dar. Wander stelle nun neue Produkte her, die alten Packungen würden aus dem Handel genommen.

          Als Konsequenz aus dem Skandal haben deutsche Kinderärzte eine strengere Überprüfung der Hersteller von Säuglingsnahrung gefordert. Anfang Juli hatte sich die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin beim Landesuntersuchungsamt Münster über Humana beschwert. Die Mediziner monierten damals „völlig irreführende Werbung“ von Humana-Produkten.

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