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Nahrung : Es lebe der ambulante Imbiß

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Das Butterbrot hilft überall gegen Hunger Bild: dpa

Der "Tag des Butterbrotes" soll Appetit machen auf einen Klassiker des Snacks.

          4 Min.

          Es ist das vielleicht deutscheste aller Grundnahrungsmittel, und es hat dieser Tage keinen ganz einfachen Stand. Die Internationalisierung der Eßgewohnheiten hat Croissants, belegte Baguettes und Ciabatta, Döner und Falaffel, Pizza und Burger in Massen nach Deutschland gebracht. Die Industrie hat mit Snacks aus der Plastikverpackung, Schokoladen- und Müsliriegeln und angeblich gesunden Milchprodukten alles in ihren Kräften Stehende getan, neue Eßbedürfnisse zu schaffen. Das Nachsehen aber hat: das Butterbrot. Die gute, alte Stulle erscheint buchstäblich altbacken, ein Nahrungsmittel allenfalls für
          Ewiggestrige, die dem neumodischen Geschmack nichts abgewinnen können. "Butterbrot ist tot", verkündete McDonald's erst im letzten Jahr in einer Werbekampagne für seinen Bagel.

          Dabei sind dem Einsatz des Butterbrotes im täglichen Leben keine Grenzen gesetzt, ist es vielseitig einsetzbar, als Frühstücks-, Pausen- oder Abendbrot. Vor allem: Man muß kein Bocuse sein, um einen Erfolg bei der Kreation einer leckeren, hungerstillenden Stulle vorweisen zu können. Die Zutaten finden sich in fast jedem Haushalt, und ganz gleich, ob mit Käse oder Aufschnitt belegt, mit einem kräftigen Klecks Marmelade oder auch "oben ohne" mit Butter pur, jede flugs geschmierte Schnitte ist frisch und einmalig: "Fast food" im allerbesten Sinn. Seltsam, daß die Globalisierungskritiker von "Attac" das Butterbrot noch nicht zum Sinnbild ihres Kampfes für eine bessere, einfachere, bekömmlichere Welt erkoren haben.

          Brotsortenvielfalt und Tradition

          Über 300 verschiedene Brotsorten haben deutsche Bäcker inzwischen im Angebot, von dunkel und kräftig über körnig bis süß. Seit weit über tausend Jahren schon ißt man Brot in Deutschland; der Getreidebrei wurde seit dem 8. Jahrhundert zunehmend von Brot verdrängt. Es dauerte jedoch ungefähr weitere hundert Jahre, bis das Bäckergewerbe entstand, das sich eines hohen Ansehens erfreute. Spätestens im 12./13. Jahrhundert hatte sich Brot als eines der wichtigsten Nahrungsmittel etabliert, dem Sagen, Legenden und Riten Tribut zollen. Vielen ackerbautreibenden Völkern gilt das Brot auch heute noch als heilig, geweihtem Brot werden besondere Wirkungen zugeschrieben. Fast ganz Europa backt zu wichtigen kirchlichen Jahres- oder Familienfesten besonderes Brot, das man Gebildbrot nennt. Kreuzbrot gehört dazu, ebenso wie Fastnachtsgebäck oder das Osterbrot. Brot wurde, meist zusammen mit Salz, als Zeichen der Gastfreundschaft oder bei Hochzeiten als Symbol für Ehe und Familie überreicht.

          Doch kam das Brot im Hochmittelalter immer noch recht trocken daher, es sei denn, es wurde in die Biersuppe getunkt. Von Butter fehlte noch jede Spur. Doch es sollte nicht mehr lange dauern, bis diese ihren Siegeszug über Deutschlands Schnitten antrat. Der Schlüssel dafür war die Salzkonservierung. Denn nun konnte die Butter, die in Skandinavien, vor allem in Dänemark, und den Niederlanden im Überschuß hergestellt wurde, durch Salz haltbar gemacht und faßweise in die deutschen Hansestädte geliefert werden. Schon bald galt das Butterbrot als Lieblingsessen der Bauern und Bürger. Urkundliche Quellen erwähnen es bereits Mitte des 14. Jahrhunderts. So nennt eine Verordnung des Bremer "Krameramtes" von 1339 über festliche Mahlzeiten "botter und Texter kese" als letzten Gang. Der Reformator Martin Luther beschreibt in einem Brief von 1525 die "Putterpomme" als eine beliebte Kindernahrung.

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