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Nackter Protest in Ägypten : Nur mit einer roten Schleife im Haar

Ausdrucksfreiheit: Die Studentin Alia al Mahdi auf ihrer Homepage Bild: AFP

Eine ägyptische Studentin fordert die sexuelle Revolution. Mit ihren Nacktbildern im Internet protestiert Alia Magda al Mahdi kurz vor der Wahl gegen die Unterdrückung der Frauen in Ägypten.

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          Mit roten Lackschuhen, einer roten Schleife im Haar, Nylonstrümpfen und sonst nichts: So präsentiert sich die zwanzig Jahre alte Studentin der Kunst und Medienwissenschaften Alia Magda al Mahdi in ihrem Internetblog, per Twitter und auf Facebook. Das heizt die Stimmung in Ägypten, eine Woche vor der Parlamentswahl, zusätzlich an. Wie nicht anders zu erwarten, reagieren konservative Kräfte auf die Aktion der Studentin mit Drohungen. Liberale distanzieren sich von der Aktion, um nicht in den Ruch zu kommen, Nacktheit zu propagieren. Die Jugendbewegung 6. April, die zum Sturz des Mubarak-Regimes beigetragen hat, teilte mit, dass Alia al Mahdi der Gruppe nicht angehöre, wie es etwa der Sender Al Arabija berichtet hatte.

          Michael Hanfeld
          (miha.), Feuilleton

          Um Pornographie geht es Alia al Mahdi, die an der Amerikanischen Universität in Kairo studiert und die sich in ihrem Profil als "säkulare, liberale, feministische, vegetarische, individualistische Ägypterin" vorstellt, mitnichten. Die Bildfolge mit ihr, bei der sie einen gelben Balken einmal vor ihre Augen, dann vor ihren Mund, dann vor ihre Scham legt, mit einem jungen Mann, der nackt mit einer Gitarre posiert und mit Aktzeichnungen, wirkt für europäische Verhältnisse wie ein Biedermeier-Fotoalbum von FKK-Freunden. Nicht auf die Bilder, sondern auf den damit verbundenen Aufruf von Alia al Mahdi kommt es an. In ihrem "Tagebuch einer Rebellin" fordert sie die Befreiung der Frau von männlicher Vorherrschaft. Sie wende sich gegen "eine Gesellschaft von Gewalt, Rassismus, Sexismus, sexueller Belästigung und Heuchelei", schreibt Alia al Mahdi. "Versteckt und verbrennt die Kunstbücher; zerstückelt die nackten Statuen; dann zieht euch vor dem Spiegel aus und betrachtet euren nackten Körper, den ihr Männer mit Verachtung anschaut, verbrennt ihn, bevor ihr versucht, mir Nachrichten voller Hass, Drohung und Verachtung zu schicken, denn ihr erniedrigt mich wegen meines Geschlechts und raubt mir meine Freiheit zu sagen, was ich will. Dann werdet ihr für alle Zeiten befreit sein von so viel Hass und Engstirnigkeit", wird sie auf einer Website übersetzt.

          Alia al Mahdi und ihr Freund, der oppositionelle Blogger Karim Amer, der sie unterstützt, haben das zu erwartende Echo geerntet. Auf ihr Blog und ihr Facebook-Profil ist millionenfach zugegriffen worden, in Kommentaren finden sich zustimmende Voten, aber auch Beschimpfungen und Drohungen zuhauf. Da Alia al Mahdi seit einigen Tagen Mails nicht mehr beantworte, fürchten Freunde um ihre Sicherheit. Ein religiöser Verein hat bei der ägyptischen Generalstaatsanwaltschaft inzwischen Anzeige wegen "Verletzung der Moral, Anstiftung zur Unanständigkeit und Beleidigung des Islams" erstattet und beantragt, gegen Alia al Mahdi und ihren Freund die für einen solchen Fall vorgesehene Strafe der Scharia zu verhängen - das könne von Peitschenhieben bis zu Gefängnis reichen.

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