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Nackig wandern : Raus aus den Klamotten, rein in den Wald

Naturisten unterwegs im Sauerland Bild: Eppelsheim

Sie treffen sich jetzt im Sommer jede Woche: Naturisten wollen wandern, und zwar nackt. Unser Reporter hat sich ihnen einmal angeschlossen, wenn auch nur äußerst zögernd.

          5 Min.

          Dreißig Grad, selbst die Klimaanlage im Auto versagt. Schweißflecken. Ist es die Hitze oder die Angst vor den nächsten sechs Stunden? Was mich erwartet, wird mir vollends klar, als ich auf den Parkplatz im Wald einbiege. Menschen in T-Shirts, nur in T-Shirts, stehen dort. Fünfzehn Männer und zwei Frauen sind ins Sauerland gekommen, um nackt zu wandern. Einige von ihnen haben Hunderte Kilometer zurückgelegt, um ihre Hüllen fallen zu lassen - Hartgesottene, die während des Sommers fast jedes Wochenende im Wald unterwegs sind. Naturisten nennen sie sich, kennengelernt haben sie sich über das Internet. Dort werden solche Wanderungen angeboten.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zögerlich steige ich aus, leicht geschockt von dem seltsam anmutenden Anblick. Schon werde ich begrüßt: „Hallo, ich bin Helmut.“ Helmut, Jahrgang 47, ein Mathematiker, der Software für Atomkraftwerke entwickelt, hat die Wanderung organisiert. Wie er dasteht in seinen beigen Shorts plus gleichfarbenem T-Shirt und die Muskeln unter braungebrannter Haut spielen lässt, erinnert er an eine Mischung aus Hollywood-Footballtrainer und Bundeswehrausbilder. Und ich bin der eingezogene Wehrdienstleistende. Helmut setzt einen Haken vor meinen Namen. „Läufst du die komplette Strecke mit, oder gehst du eine Abkürzung?“ Wir werden sehen.

          T-Shirts und Shorts fallen

          Nach zehn Minuten gibt Helmut das Kommando: „Fertigmachen, es kann losgehen.“ T-Shirt und Shorts fallen. Und Helmut steht da, wie Gott ihn schuf. Abgesehen von den Snoopy-Socken und den Turnschuhen. Ich bilde mir ein, zu frieren. Doch wage ich nicht, mich zu widersetzen. Und muss feststellen: Ich bin der Einzige mit Streifen an den Armen und mit Abstand der Blasseste. Bernd, Rentner aus Mainz, lächelt mir aufmunternd zu - oder belustigt? Seine Haut erinnert an gegerbtes Leder.

          Vorbeifahrende Radfahrer johlen, als sie uns Nacktwanderer sehen. Gott sei Dank stehe ich hinter einem Auto. Mir schießt durch den Kopf, was Anita und Wolfgang Gramer in ihren „Nackt-Aktiv“-Büchern schrieben. Diese Veröffentlichungen hatte ich zur Vorbereitung studiert, besser gesagt: um mir einbilden zu können, vorbereitet zu sein. Auf meine Anfrage hatte Anita Gramer etwas unwirsch geantwortet, ihr gehe es keineswegs nur um Nacktwandern, vielmehr gelte ihr Interesse „dem Aspekt eines integralen Nacktseins in unserer Gesellschaft“.

          Mücken- und Bremsenschwärme

          Mir vorerst nicht - das Wandern reicht völlig. Skeptisch hatte ich die Gramerschen Beschreibungen ihrer Trips durch Andalusien gelesen. Die Routen wurden in „Schamstufen“ eingeteilt, wobei drei die höchste war. Ich bin jetzt auf einer gefühlten Zehn. Als Helmut auch noch mitteilt, vor einigen Minuten sei von hier aus eine große - bekleidete - Wandergruppe losmarschiert, erwäge ich, bei einer Begegnung hinter einen Baum zu springen.

          Um Naturverbundenheit soll es bei den Nacktwanderungen gehen, hat Helmut gesagt. Meine Naturverbundenheit beginnt mit Angriffen ganzer Mücken- und Bremsenschwärme und setzt sich mit dem Duft von Autan fort, das Helmut, bestens ausgestattet, mir überlässt. 19 Kilometer liegen vor uns, „auf gut präparierten Wegen“, wie der Wanderführer verspricht. Ich hätte schmale Trampelpfade im Dickicht des Arnsberger Naturparks bevorzugt.

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