https://www.faz.net/-gum-10gge

Nackedeis : Neuer Streit: Was begeistert den Osten so an FKK?

Vielleicht war das Nacktbaden ein kleiner Protest: Wenn die Gedanken schon nicht frei sein durften, dann wenigstens die Körper. Bild: Eulenspiegel-Verlag

Auf der Insel Usedom liegt zwischen dem deutschen FKK-Strand und dem polnischen Badestrand nur ein Hundestrand. Nun müssen Informationstafeln aufgestellt werden, auf denen den Polen erklärt werden soll, dass sie angezogen bleiben sollen.

          4 Min.

          Die ostdeutsche Neigung zur Freikörperkultur führte zu einem der ersten deutsch-deutschen Konflikte nach dem Ende der DDR. Die Westdeutschen glaubten ihren Augen nicht zu trauen, wo im Osten überall nackt herumgesprungen wurde. Und die Ostdeutschen bewiesen Renitenz, als der Wildwuchs endlich einer bundesrepublikanischen Ordnung weichen sollte.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nun erlebt der Streit über FKK eine Neuauflage; er wird zwar lange nicht mehr mit der Heftigkeit ausgetragen wie damals, setzt sich allerdings fort: ins Ausland. Seit die Grenzen zwischen Deutschland und Polen gefallen sind und man, von keinem Zaun mehr aufgehalten, den gesamten Ostseestrand der Insel Usedom für sich hat, wird wieder über freie Körper geredet. Denn der erste FKK-Strandabschnitt auf deutscher Seite - er gehört zum Seebad Ahlbeck - liegt ziemlich dicht an der polnischen Grenze. Nur ein Hundestrand ist noch dazwischen. So kam es, dass schon bald aus dem heute polnischen Swinemünde Proteste laut wurden über die Nacktbader. Wortführer ist Edward Zajac, der für die Partei „Recht und Gerechtigkeit“ in der Swinemünder Stadtvertretung sitzt.

          Auf der polnischen Seite ist das Nacktbaden untersagt

          Beide Seiten, Deutsche wie Polen, haben inzwischen auf die Anwürfe reagiert - mit einem klassischen Kompromiss. Der Kurdirektor von Ahlbeck und der Stadtpräsident von Swinemünde wollen Informationstafeln aufstellen lassen, auf denen darauf hingewiesen wird, dass sich auf der deutschen Seite FKK-Strände befinden und dass es auf der polnischen Seite des Strandes untersagt ist, nackt zu baden. Zudem gibt es im Gastgeberkatalog der Stadt Swinemünde einen Hinweis auf die FKK-Strände auf der deutschen Seite. Bei der Usedom Tourismus GmbH beschwichtigt man: Es habe nur einige wenige Proteste gegeben, und eigentlich kämen deutsche und polnische Feriengäste am Strand gut miteinander aus.

          Vielleicht war das Nacktbaden ein kleiner Protest: Wenn die Gedanken schon nicht frei sein durften, dann wenigstens die Körper. Bilderstrecke
          Nackedeis : Neuer Streit: Was begeistert den Osten so an FKK?

          Nun, da der zu Ende gehende Sommer die Neigung zur Selbstentblößung ohnehin vermindert, ist in der Sache aber Entspannung zu erwarten - erst einmal. Die dem Streit zugrundeliegenden Fakten bestehen freilich weiter. So muss man verstehen, dass viele Polen wegen ihres katholischen Glaubens öffentliches Nacktsein abscheulich finden. Umgekehrt würden es sich die Ostdeutschen nicht bieten lassen, wenn ihr FKK-Verkehr eingeschränkt würde. Das hat mit der FKK-Bewegung in der DDR zu tun. Eigentlich war Nudismus oder FKK schon Anfang des 19. Jahrhunderts Ausdruck eines modernen Lebensgefühls. Die erste FKK-Vereinigung wurde 1906 in Berlin gegründet. In den zwanziger Jahren bekam die Nacktenmode sogar eine gewisse proletarische Note - also schon lange vor der DDR.

          Der erste DDR-Botschafter in Polen war ein Nudist

          Ebendort wurde später gern auf Friedrich Wolf verwiesen, der als junger Mann dem Nudismus huldigte. Er zählte später zu den sozialistischen Dramatikern und war der erste DDR-Botschafter in Polen - freilich nicht in nudistischen Angelegenheiten. Er war auch der Vater von Konrad Wolf, dem langjährigen Präsidenten der Akademie der Künste der DDR und Regisseur des Films „Solo Sunny“, und Markus Wolf, dem Geheimdienstmitarbeiter im Generalsrang.

          Weitere Themen

          So soll der Teil-Lockdown im November aussehen

          Pläne des Bundes gegen Corona : So soll der Teil-Lockdown im November aussehen

          Restaurants zu, Schulen auf. Touristische Übernachtungen und Treffen mit vielen Menschen nein, Einkaufen oder zum Friseur gehen ja. Das könnte kommen, wenn der Bund heute seine Pläne durchsetzt. Das Ziel: Disziplin im November, damit das Virus vor Weihnachten wieder unter Kontrolle ist.

          Kölner Karnevalsauftakt fällt aus Video-Seite öffnen

          „Bleibt bitte zu Hause“ : Kölner Karnevalsauftakt fällt aus

          In Köln soll es am 11.11. keine öffentlichen Karnvalsaktivitäten geben. Oberbürgermeisterin Reker appellierte an die Bürger, sich nicht mit vielen Menschen zu treffen und keine privaten Feiern zu veranstalten.

          Topmeldungen

          Ilhan Omar spricht bei einem Auftritt im Vorwahlkampf in Minneapolis vergangenen August mit der Presse.

          Wahlkampf in Amerika : Trump attackiert muslimische Abgeordnete

          Sie hasse Amerika, sagt der Präsident über die Amerikanerin Ilhan Omar, und greift auch noch die demokratische Gouverneurin von Michigan an. Joe Bidens Unterstützer setzen unterdessen auch auf Staaten, die eigentlich als sichere Bank der Republikaner gelten. Und Melania Trump hat ihren ersten Solo-Auftritt.
          Friedrich Merz in Berlin am Sonntag auf dem Weg zu den Beratungen über den CDU-Parteitag.

          Soll er verhindert werden? : Merz spaltet die Partei

          Es gibt genug Staatsmänner in der Welt, die mit Populismus, Narzissmus, Schaumschlägerei und Verschwörungsdenken glänzen. Will nun auch die CDU einen solchen Mann an ihrer Spitze haben?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.