https://www.faz.net/-gum-10gge

Nackedeis : Neuer Streit: Was begeistert den Osten so an FKK?

Eine Massenbewegung wurde FKK aber tatsächlich erst in der DDR. 1954 gab es zwar ein Nacktbadeverbot, weil die Führung der Volkspolizei in den Nackten eine Schmähung der Sitten sah. Aber so recht konnte sich das nicht durchsetzen. In den siebziger Jahren war das Nacktbaden weit verbreitet. An Gewässern, an denen das Baden offiziell gar nicht erlaubt war, wie an Kiesgruben etwa, wurde vielfach nackt gebadet. An offiziellen Badeseen gab es oft FKK-Abschnitte. 1982 wurden vierzig offizielle Nacktstrände ausgewiesen, 1988 waren es schon fast sechzig. Offizielle DDR-Publikationen lobten die „vorwiegend makellosen Sitten“.

Vielleicht war das Nacktbaden ein kleiner Protest

FKK war schließlich zur „bevorzugten Badesitte der Erholungsuchenden“ geworden. Und warum war das so? Vielleicht war das Nacktbaden ein kleiner Protest: Wenn die Gedanken schon nicht frei sein durften, dann wenigstens die Körper. Außerdem gab es keine ordentliche Bademode, schon gar keine schicke. (War es das, was Marx mit dem historischen Materialismus meinte?) Hinzu kam die offizielle Prüderie: Ein Nacktfoto war nur einmal im Monat in der Zeitschrift „Das Magazin“ erlaubt. So machten sich die DDR-Bürger ihre Fotos selbst. Gesammelt wurden sie vor einigen Jahren von der „Magazin“-Redaktion in dem Bildband „Die nackte Republik“. Im Berliner Eulenspiegel-Verlag ist sogar eine Art Kulturgeschichte der Nackedeis erschienen unter dem Titel „Sommer, Sonne, Nackedeis. FKK in der DDR“, auch hier mit vielen Privatfotos.

Wie die Ostdeutschen nach dem Ende der DDR auf Kritik an ihren lieben Gewohnheiten reagierten, liest sich bei dem DDR-Reiseschriftsteller Richard Christ so: „Nacheinander bedrängte Prüderie bieder-protestantischer oder bayrisch-katholischer Manier eine arglose heidnische Nacktheit, die sich schon einmal, unter Ulbricht, Anwürfen ausgesetzt sah, weil die Einheitspartei die Erinnerung an die Freikörperkultur der Arbeiterbewegung zu verunglimpfen suchte - als bourgeoise Entgleisung. Der Westen setzt in diesem Punkt Ulbrichts Erbe fort - Geschichte kann sehr zynische Momente haben.“ Und dann wirft Christ den westdeutschen Reisenden auch noch vor, „Voyeurtourismus in Richtung Ost“ zu betreiben. Er macht sich über Westdeutsche lustig: Sie würden am Strand allenfalls die Schuhe ablegen.

Heute gibt es in Mecklenburg-Vorpommern an fast allen Stränden FKK-Abschnitte. Sie liegen freilich außerhalb der Ortslagen. Vier Campingplätze sind laut Auskunft des Tourismusverbandes dem FKK vorbehalten: in Prerow auf dem Darß, am Rätzsee und am Useriner See in der Mecklenburgischen Seenplatte und in der Nähe von Alt Schwerin auf einem Inselcamp. Auf Rügen haben zwei Zeltplätze FKK-Abschnitte. Den Zeltplatz in Prerow gab es schon in der DDR. Viele der Gäste von heute kamen schon damals. Glaubt man dem Tourismusverband des Landes, dann ist FKK sogar wieder en vogue. Tatsächlich sieht man immer häufiger eine Vermischung von Textil- und FKK-Strand. In gewisser Weise ist FKK sogar ein deutscher Exportschlager. Nicht so sehr die Sache selbst, aber das Wort; in einigen Ländern Europas wird „FKK“ als Fremdwort verwendet. In Polen übrigens nicht.

Weitere Themen

Demonstranten fordern abermals Lukaschenkas Rücktritt Video-Seite öffnen

Belarus : Demonstranten fordern abermals Lukaschenkas Rücktritt

In der belarussischen Hauptstadt Minsk sind abermals zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Staatschef Lukaschenka zu protestieren. An diesem Sonntag läuft eine Frist ab, die Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja für einen Rücktritt Lukaschenkas gesetzt hatte.

Topmeldungen

Auf weiter Flur: Der Großeinsatz rund um den Dannenröder Forst ist nicht der einzige, der die hessische Polizei derzeit stark in Anspruch nimmt.

Hessische Polizei : Am Rande der Erschöpfung

Die hessische Polizei wird in den nächsten Wochen noch stärker gefordert als ohnehin schon. Gleich drei Großlagen lassen kaum Erholung zu: der Protest gegen die A 49, Corona und Atomtransporte.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.