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Christo-Kunstwerk : Nachtgehverbot auf dem Iseo-See

  • -Aktualisiert am

Touristenmagnet: Bisher haben über 270.000 Menschen die „schwimmenden Stege“ besucht. Bild: AFP

Christos „Floating Piers“ hat schon Tausende angelockt. Doch damit häufen sich die Probleme: Zu viele Menschen, zu viel Schmutz und zu wenig Personal.

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          Der romantische Nachtspaziergang unter dem Mond über die „schwimmenden Stege“ im norditalienischen Lago d’Iseo kann nicht mehr stattfinden. Zu viele Menschen wollen die spektakuläre Installation des Verpackungskünstlers Christo sehen. Es gebe zu viel Schmutz und zu wenig Personal, um die Anlage zu schützen, stellte der Präfekt von Brescia, Valerio Valenti am späten Mittwoch fest und ordnete die Schließung der Anlage von Mitternacht bis zum Morgen um sechs Uhr an.

          Damit folgte er der Bitte der Gemeinde Sulzano und der Bürger auf der Insel Monte Isola auf dem See. Sie benötigten mehr Zeit, um die Stege über Nacht zu reinigen. Zudem müssten die Organisatoren der Installation die Nachtstunden nutzen, um Schäden an den Stegen zu reparieren. Ursprünglich sollten die „Floating Piers“ bis zum 3. Juli rund um die Uhr geöffnet bleiben.

          Seit Samstag haben nach Angaben des Präfekten 270.000 Menschen die insgesamt rund drei Kilometer langen Pontons auf dem See besucht. Man habe aber nur mit etwa der Hälfte dieser Zahl gerechnet. Dabei wären es wohl noch wesentlich mehr Besucher gewesen, hätte es nicht zwischenzeitlich stark geregnet, sagte Valenti.

          Die Installation ist nicht durch Geländer geschützt

          Mittlerweile herrscht brütende Hitze an dem lombardischen See unweit des Gardasees. Immer häufiger müssen Notärzte auf den Pontons Erste Hilfe leisten, allein 130 Mal an einem der vergangenen Tage; ein medizinischer Außenposten wurde am See eingerichtet. Die Installation ist nicht durch Geländer geschützt, die Besucher tragen auch keine Schwimmwesten, während sie auf den Stegen über das Wasser wandeln. Für ihre Sicherheit sind daher 150 Wachleute und 30 Rettungsschwimmer im Einsatz.

          Der 81 Jahre alte Christo und sein Team verlegten aus 220.000 Schwimmwürfeln drei Kilometer lange Stege vom Ort Sulzano auf die vorgelagerte Insel Monte Isola und von dort aus zu dem kleineren Eiland San Paolo und bespannten sie mit einem leuchtend gelben Nylonstoff. Für Touristen ist Christos Anlage eine so große Attraktion, dass auch die Orte in der Nachbarschaft dem unerwarteten Ansturm nicht gewachsen sind. Unter dem Druck der Massen mussten Bahn- und Fährlinien schon mehrmals unterbrochen werden.

          Lago d’Iseo : Christo lässt Besucher übers Wasser wandeln

          Der kleine Ort Sulzano ist völlig überfordert. „Wir ertrinken im Dreck“, wurde eine Anwohnerin zitiert. „Auf uns Einheimische wird kaum Rücksicht genommen.“ Gemeinsam mit seiner 2009 gestorbenen Frau Jeanne-Claude ist Christo durch seine Monumentalkunstwerke bekannt geworden – wie durch die Verhüllung des Berliner Reichstags 1995.

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