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Raumfahrt : Spektakulärer Erfolg der Esa: Huygens landet auf Titan

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Erfolg für die Esa: Die Sonde Huygens ist offenbar auf Titan gelandet Bild: AP

Eine Welt aus eisigen Gebirgen, durchzogen von Flüssen aus Methan: das ist Titan. Diesen Eindruck erwecken die ersten Fotos der Raumsonde Huygens, die am Freitag auf dem Mond des Planeten Saturn gelandet ist. Die Mission ist ein spektakulärer Erfolg für die europäische Raumfahrtagentur Esa.

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          Erst kam der Jubel, dann das Staunen und schließlich setzte das Grübeln ein: Der 14. Januar 2005 wird einen festen Platz in den Annalen der europäischen Raumfahrtagentur Esa bekommen. Die Huygens-Mission zur Erforschung des Saturn-Mondes Titan ist ein voller Erfolg geworden. Wie geplant durchflog und erforschte die nach dem niederländischen Astronomen Christiaan Huygens benannte Sonde die dichte Atmosphäre des Mondes. Mehr noch: Nach Angaben von Esa-Missionschef Michael Khan setzte Huygens zudem um 12.47 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf einer relativ festen Oberfläche auf. Damit ist erstmals eine Raumsonde von der Erde auf einem Himmelskörper im äußeren Sonnensystem gelandet. „Alle sind glücklich und erleichtert. Die ganze Arbeit hat sich gelohnt“, freute sich Gerhard Schwehm, Leiter der Abteilung planetarische Missionen bei der Esa, im Nachrichtensender n-tv.

          Die ersten, noch grobkörnigen Huygens-Bilder, die am Freitag abend vom Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt veröffentlicht wurden, zeigen eine Welt aus hellen Flächen, die durchzogen sind von dunklen flußartigen Kanälen. „Wir hatten Flüssigkeit auf dem Titan erwartet, konnten es bislang aber nicht bestätigen“, kommentierte Marty Tomasko vom Planetary Laboratory in Arizona die Aufnahmen. Nun sei jedoch eindeutig eine Hügellandschaft, durchzogen von Flußbetten zu erkennen. An der Seite eines Bildes schimmere sogar ein Meer oder ein See. Auch der Landeplatz ist nach Ansicht der Forscher kein fester Untergrund. Die mit eisigem Geröll überzogene Fläche könnte eine Art Sumpf aus Methan und Kohlenwasserstoffen sein, der den Aufprall bei Huygens Landung abgefedert haben könnte.

          Die an dem milliardenschweren Projekt beteiligten Wissenschaftler hatten dem kleinen Forschungsroboter im Falle einer Landung bestenfalls eine halbe Stunde Überlebenszeit zugetraut. Huygens hat auf der Titan-Oberfläche aber rund zwei Stunden überlebt und dabei fleißig wissenschaftliche Daten gesammelt sowie Fotos von der fremden Welt geschossen. Auf rund 500 Megabyte bezifferte die Esa die Datenmenge, die die amerikanische Muttersonde Cassini, die Huygens huckepack zum Saturn transportiert hatte, über die etwa 1,2 Milliarden Kilometer weite Distanz durch das halbe Sonnensystem zur Erde funkte. Dazu gehöre Material für rund 350 Fotos, die noch bearbeitet werden müssen. In ihrer jetzigen Form weisen die Bilder „noch viele Fehler auf und zeigen nur einen kleinen Teil der Wahrheit“, betonte Marty Tomasko.

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          Huygens hielt lange durch

          Insgesamt viereinhalb Stunden war Huygens in Betrieb - viel länger als die Forscher es für möglich gehalten hatten. Ein einmaliger Erfolg für die Esa, der auch dem großen amerikanischen Partner Respekt abnötigte: „Der Flug zum Titan war eine Chance, die sich uns in unserem Leben nur einmal bot, und die heutige herausragende Leistung zeigt, daß unsere Partnerschaft mit der Esa hervorragend funktioniert hat“, kommentierte Alphonso Diaz, wissenschaftlicher Beobachter der Nasa bei der Huygens-Mission, den erfolgreichen Touchdown auf Titan.

          Tatsächlich lief nach sieben Jahren Reise über viele Millionen Kilometer hinweg und nahezu 30 Jahren Planungszeit alles wie am Schnürchen. Alle Fallschirme, die die Forschungssonde in drei Minuten von 18.000 auf 1400 Kilometer in der Stunde abbremsten, öffneten sich wie geplant, die Software an Bord arbeitete fehlerlos und bei einer Außentemperatur von weit weniger als minus 100 Grad Celsius herrschte innerhalb der Sonde eine komfortable Betriebstemperatur von 25 Grad - wahrscheinlich das Geheimnis, wieso Huygens so lange aushalten konnte. Was Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain abgeklärt als „technischen und wissenschaftlichen Erfolg“ bezeichnete, feierte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn kurzerhand als „Höhepunkt der Raumfahrtgeschichte in Europa und weltweit“.

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