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Raumfahrt : Amateure auf Entdeckungsreise zu Titan

  • Aktualisiert am

Fleißige Amateurarbeit mit Esa-Material: Flußsystem auf Titan Bild: Jakub Friedl/Esa

Die Landung der europäischen Raumsonde Huygens fand ungewöhnlich viel Beachtung: Bilder der spektakulären Mission landeten versehentlich auf einer öffentlich zugänglichen Internetseite.

          Die Landung der europäischen Raumsonde Huygens auf dem Saturnmond Titan und die von diesem Himmelskörper zur Erde übertragenen Bilder haben große Beachtung gefunden. Sie haben aber auch zahlreiche Internet-Surfer mit Entdeckerlust dazu angeregt, nach weiterem Material zu suchen.

          Dabei sind einige der meist jugendlichen Internet-Nutzer tatsächlich innerhalb weniger Stunden fündig geworden. Sie stießen nämlich auf eine Internetseite des zur University of Arizona gehörenden Lunar and Planetary Laboratory, auf der die von Huygens übertragenen Bilder in ihrer fast ursprünglichen Version - allerdings im sogenannten jpg-Format komprimiert - zu sehen waren. Damit konnten sie auf eine ungewöhnliche Entdeckungsreise gehen.

          Versehentlich im Internet

          Entdeckungsreisen im Internet sind besonders unter manchen Jugendlichen, aber nicht nur unter ihnen, gang und gäbe. Seit einigen Jahren ist es dadurch zum Beispiel möglich, auf Bildern von Weltraumobservatorien, wie sie regelmäßig ins Netz gestellt werden, bislang unbekannte Kometen zu identifizieren. Die Entdeckung solcher Schweifsterne ist auf diese Weise immer mehr an die Bildschirme der Amateure verlagert worden.

          Daß jetzt auch die Bilder des Titans zu Entdeckungsreisen einluden, ist jedoch einem Mißgeschick der Forscher des Lunar and Planetary zu verdanken. Die Forscher, die das Kamerasystem DISR (Descent Imager/Spectral Radiometer) zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung entwickelt hatten, haben die Fotos zwar bewußt ins Internet gestellt, aber versehentlich auf eine Seite, die öffentlich zugänglich war. Das wurde zwangsläufig innerhalb kurzer Zeit von Amateuren bemerkt, die sogleich das gesamte Bildmaterial in ihre Computer luden und anfingen, die Bilder zu Mosaiken zusammenzusetzen.

          Gute Qualität

          Das hier abgebildete Beispiel stammt von Jakub Friedl in der Tschechischen Republik. Es zeigt ein weitläufiges "Flußsystem", in dem allerdings wegen der niedrigen Temperatur auf dem Titan nie Wasser geflossen sein kann, und das lange Ufer des auch auf den offiziellen Bildern der europäischen Raumfahrtbehörde Esa erkennbaren "Sees", in den die Flußbetten einmünden. Nach Meinung der Wissenschaftler handelt es sich beim Titan um eine Welt, in der man sich das Wasser durch Methan ersetzt denken muß.

          Die Bilder sind von einer digitalen Qualität, die jener der von den Wissenschaftlern veröffentlichten Fotos gleicht. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch in den kommenden Wochen kein besseres Material zu erwarten. Allerdings sind die Forscher noch damit beschäftigt, inhaltlich zu besseren Ergebnissen zu kommen, unter anderem durch eine Bearbeitung des Kontrasts, eine Beseitigung von kameratechnisch bedingten Verzerrungen und andere herkömmliche Verfahren.

          Kleinere Verluste

          Weil einer der beiden Übertragungskanäle des Senders von Huygens am Freitag ausgefallen ist, mußten die Forscher auf einen Teil der von Huygens gesammelten Daten verzichten. Unter anderem waren Fotos betroffen, weil man sicher war, wegen der von vornherein angestrebten Redundanz keinen wesentlichen Verlust in Kauf nehmen zu müssen. Geopfert wurden auch alle Meßdaten für das Doppler-Wind-Experiment, sofern sie über Cassini zur Erde übertragen werden sollten. Mit diesem Experiment wollen sich die Forscher Klarheit über die Stärke der Winde in der Atmosphäre des Titans verschaffen.

          Bei dem Experiment sollten von Anfang an auch die Daten genutzt werden, die bei der Beobachtung des Trägersignals von Huygens durch Radioteleskope auf der Erde angefallen sind. Mit diesen Daten allein läßt sich die Position von Huygens in der Atmosphäre des Titans vermutlich für jeden einzelnen Augenblick während des Hinabschwebens auf die Oberfläche des Mondes auf einen Kilometer genau ermitteln. Weil sich daraus ebenfalls etliche Rückschlüsse auf die Titanwinde ziehen lassen, dürfte auch dieser Verlust in Anbetracht des sonst gewaltigen Datenmaterials zu verschmerzen sein.

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