https://www.faz.net/-gum-pz8o

Huygens-Mission : Spot an: Titans Dreck

  • -Aktualisiert am

Huygens landete weich auf morastigem Boden Bild: Esa

Die Wissenschaftler der Esa haben den Ablauf des Landeanflugs der Titan-Sonde Huygens analysiert. Das Forschungsgerät landete offenbar weich auf einem morastigen Untergrund.

          2 Min.

          Innerhalb weniger Tage nach der erfolgreichen Landung der europäischen Raumsonde Huygens auf dem Saturnmond Titan haben es die Wissenschaftler geschafft, Klarheit in den Ablauf der Ereignisse zu bringen. Das ist nicht zuletzt den Ergebnissen einer Arbeitsgruppe zu verdanken, die die Abstiegsbahn der Sonde in der Atmosphäre des Trabanten rekonstruiert hat. Aufgrund der Daten weiß man jetzt ungefähr, wo Huygens tatsächlich niedergegangen ist. Es ist eine morastige Region in der Nähe eines Sees, der vielleicht heute noch mit Methan gefüllt ist.

          Nach Meinung der Forscher war das Aufsetzen der Sonde nicht mit einem dumpfen Schlag verbunden und mit dem Aufspritzen von Bodenmaterial. Vielmehr ist Huygens gleichsam "abgeschreckt" worden - wie ein heißes Ei in kaltem Wasser. Der Boden, den die Sonde antraf, scheint feuchtem Sand oder Ton mit einer dünnen festen Oberfläche zu gleichen und aus einer Mischung von gefrorenem Wasser sowie Eis aus Kohlenwasserstoffen zu bestehen. Die Temperatur betrug erwartungsgemäß um minus 180 Grad.

          Nach einer Stunde: Cassini „geht unter“

          Die Sonde war von der Atmosphäre des Mondes stark abgebremst worden. Als sie auf dem Himmelskörper aufsetzte, hatte sie nur noch eine vertikale Geschwindigkeit von rund fünf Metern pro Sekunde. Ihre seitliche Drift betrug in dem Moment 1,5 Meter pro Sekunde. Kurz vorher, in 700 Metern Höhe, war der 20-Watt-Strahler an Bord eingeschaltet worden, der noch fünfzehn Minuten nach der Landung, die um 13.45 Uhr mitteleuropäischer Zeit erfolgte, das fern der Sonne düstere Landegebiet für die Fotos und für spektroskopische Analysen des Bodens ausleuchten sollte. Tatsächlich spendete die Lampe noch mehr als eine Stunde lang Licht - sogar noch zu einer Zeit, als die amerikanische Raumsonde Cassini schon unter dem Horizont verschwunden war und gar keine wissenschaftlichen Daten mehr übertragen werden konnten. Für Huygens ist Cassini eine Stunde und zwölf Minuten nach der Landung wie eine Sonne untergegangen. Die Prognose, daß die Batterien von Huygens spätestens nach einer halben Stunde auf dem Boden des Titans eingefroren sein würden, ist nicht eingetroffen.

          Huygens-Landeplatz - möglicherweise am Rande eines Methan-Sees

          Obwohl einer von zwei Übertragungskanälen ausfiel, haben die Bodenstationen innerhalb von drei Stunden und 44 Minuten 474 Megabit an wissenschaftlichen Daten einschließlich etwa 350 Fotos von der Sonde empfangen. Die Fotos haben eine Landschaft enthüllt, die sich durch zahlreiche Erosionsformen auszeichnet. Außer den "Flüssen" fällt vor allem eine Art Ufer auf, das zu einem großen See zu gehören scheint.

          Dunstschicht bis 30 Kilometer über dem Boden

          Für die Wissenschaftler hatten die Überraschungen schon begonnen, als Huygens erst die obere Atmosphäre durchquerte. Beim Abstieg durch den Dunst wurde Huygens heftig hin und her geschüttelt, die Sonde wurde dabei um zehn bis zwanzig Grad gekippt. Unterhalb des Dunstes beruhigte sich der Flug, die Achse der Sonde wies jetzt nur noch einen Winkel von weniger als drei Grad zur Senkrechten auf.

          Die Wissenschaftler hatten damit gerechnet, daß der Dunst bis siebzig oder fünfzig Kilometer an den Titanboden heranreichen würde. Statt dessen trat die Sonde aber erst in dreißig Kilometern Höhe aus dem Dunst heraus. In zwanzig Kilometern Höhe bewegten sich Wolken aus Methan um den Mond, und nahe der Oberfläche des Himmelskörpers registrierte Huygens Nebel, der entweder aus Methan oder aus Ethan bestand.

          Methan hat die Sonde schon in 160 Kilometern Höhe gemessen, zusammen mit Stickstoff, der den wichtigsten Anteil der Atmosphäre ausmacht. Die Methankonzentration nahm in der Troposphäre stetig bis zum Titanboden zu. Von 125 bis zwanzig Kilometer Höhe hat Huygens außerdem Aerosole gesammelt und analysiert.

          Weitere Themen

          Was jetzt wohl aus dem Klima wird

          Pandemie und Klimawandel : Was jetzt wohl aus dem Klima wird

          Der große Lockdown lähmt die Menschheit und drosselt damit ihre Emissionen. Erste Effekte zeigen sich bereits aus dem All. Aber kann sich der Planet wirklich so schnell von unserem Treiben erholen? Langfristig jedenfalls dürfte die Corona-Krise alles nur noch schlimmer machen.

          Paris verbietet tagsüber Sport im Freien Video-Seite öffnen

          Coronakrise : Paris verbietet tagsüber Sport im Freien

          In der Corona-Krise verschärft die Stadt Paris die geltende Ausgangssperre: Tagsüber zwischen 10.00 und 19.00 Uhr sind künftig alle sportlichen Aktivitäten im öffentlichen Raum untersagt.

          Topmeldungen

          Abes große Pläne : Japan ruft den Coronavirus-Notstand aus

          Japans Ministerpräsident Shinzo Abe zieht in der Pandemie einen Vergleich mit der großen Depression in den Vereinigten Staaten in den dreißiger Jahren. Seine Abhilfe: ein Konjunkturprogramm im Umfang von umgerechnet 915 Milliarden Euro.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.