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Nachhaltiges Modelabel : Weg von der Wegwerfgesellschaft

  • -Aktualisiert am

Zweiflern, die ihre Geschäftsidee mit einer Utopie gleichsetzen, will Müller kein Gehör schenken. Sie hat keine Angst vor dem Scheitern: „Nee! Ich erfinde ja nichts neu, ich schenke der Kundin die Möglichkeit, sich mühelos eine Garderobe aufzubauen. Das ist gut kalkulier- und planbar, kein verrücktes Konzept. Es gibt keine Kollektionen, sondern nur die Key-Pieces, dadurch ist der ganze Prozess überschaubarer und kostengünstiger.“ Auch die anderen nachhaltigen Labels wie Armedangels, People Tree oder Reformation, die sich bereits erfolgreich am Markt etabliert haben, schüchtern Müller nicht ein. Im Gegenteil, diese Erfolgsgeschichten schenken ihr Hoffnung und motivieren sie. Studien belegen mittlerweile sogar, dass die Umsätze mit Fair-trade-Textilien steigen. Der Markt wächst.

Mit „Fair Fashion“ ist somit das Gegenkonzept zu „Fast Fashion“ entstanden. Es steht für Kleidung, die nachhaltig und unter fairen Produktionsbedingungen hergestellt und vertrieben wird. Da der Markt für dafür gerade erst aufblüht, gibt es noch keine global gültigen Standards für die Textilherstellung. Das Umweltbundesamt bietet online einen Ratgeber für bewussten und nachhaltigen Kleidungseinkauf an. Die drei wichtigsten Regeln: beim Kauf auf Siegel und Bioqualität achten, die Kleidung lange tragen und reparieren lassen, statt sie wegzuwerfen, „Fast Fashion“ immer kritisch hinterfragen.

Weil Müller kein Fan von Plastik ist, setzt sie auf Naturfasern wie Wolle, Baumwolle und Leinen.
Weil Müller kein Fan von Plastik ist, setzt sie auf Naturfasern wie Wolle, Baumwolle und Leinen. : Bild: Markus Held

Bei „few“ liegen Konzeption, Design, Model-Casting, Fotoshootings, Brandbuilding und Website-Gestaltung jetzt bei Müller. Noch größere Arbeit steht ihr bevor, denn gerade sollte eigentlich der Vertrieb starten. Durch Corona wurde sie aber ausgebremst. „Allerdings helfen die schlanken Strukturen dabei, meine Zukunfts- und Existenzängste größtenteils im Rahmen zu halten“, schildert Müller ihre aktuelle Situation. Ihre Erklärung: „Ich habe mir die Fragen, die sich viele jetzt stellen müssen, schon vor der Gründung von ‚few‘ gestellt. Die Entschleunigung, über die jetzt bei vielen Marken diskutiert wird, ist bereits fester Bestandteil meiner Marke.“

Bei „few“ kalkuliere sie ihre Modelle auf Basis des Direktvertriebs. Alle Teile werden erst nach Bestelleingang angefertigt. So kann sie Ressourcen schonen, auf individuelle Kundenwünsche eingehen und hat maximale Planbarkeit, ohne dass zum Beispiel die Näherinnen leiden: „Ich muss mich nicht unsozial verhalten, um zu überleben. Viele große Firmen stornieren ihre Großaufträge in den Produzentenländern und bedrohen damit die Existenzen der Textilarbeiterinnen und ihrer Familien.“

Für die nahe und ferne Zukunft wünscht sich Müller, dass sich ihr Konzept von qualitativ hochwertiger, langlebiger Mode durchsetzt. „Ich will ein Bewusstsein für bewussten Konsum schaffen. Dafür wäre es natürlich schön, wenn ,few‘ eine breite Zielgruppe erreichte. Ich will ja nicht weniger, als die komplette Modewelt zu revolutionieren“, sagt sie lächelnd.

Gerade stellt sie die PR-Maßnahmen für den Rest des Jahres auf die Beine. Wer jetzt bei ihr ordert, hat gute Chancen, dass Müller das Kleidungsstück selbst maßschneidert. Natürlich mit Maske.

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