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Nach Brand in Textilfabrik : Sklaverei im italienischen Prato

Feuerwehrmänner in der ausgebrannten illegalen Textilfabrik in Prato Bild: dpa

Rund 3000 illegale chinesische Betriebe werden im italienischen Prato vermutet. Oberstaatsanwalt Tony vergleicht die Organisation der Betriebe mit Zuständen im Wilden Westen. Bei einem Brand kamen sieben Arbeiter ums Leben.

          Mit Betroffenheit und vielerlei Appellen reagiert das offizielle Italien auf die Nachricht von sieben Todesopfern und vier Verletzten beim Brand in einer chinesischen Textilfabrik im toskanischen Prato. Die Opfer waren offenbar illegale Einwanderer und Arbeiter und lebten in provisorischen Unterkünften aus Gips und Karton innerhalb der Fabrik, in der sie beschäftigt waren. Vermutet wird bisher, dass ein Gasbrenner am Sonntag den Brand verursacht hat. Dabei versperrten die Flammen den Arbeitern schließlich den Weg ins Freie. Der Versuch, über ein Fenster nach draußen zu gelangen, scheiterte an massiven Gitterstäben. Von der Staatsanwaltschaft wurde mitgeteilt, dass man bisher gar nicht feststellen konnte, wem der Betrieb mit dem Namen „Ye-Life Teresa Moda“ eigentlich gehöre und wer für die Umstände der Beschäftigung und des Brandes verantwortlich sei.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Die 25 Kilometer westlich von Florenz gelegene Provinzhauptstadt Prato, mit rund 200.000 Einwohnern, ist seit Jahrzehnten ein Zentrum der italienischen Textilproduktion und stellt vor allem Stoffe für Damenbekleidung her. Im Unterschied zu allen anderen Industriezentren Italiens wurde in Prato jedoch die Textilproduktion von größtenteils illegalen chinesischen Unternehmen unterwandert. Alleine in dem großen Industriegebiet im Süden von Prato, wo am Sonntag das Feuer ausbrach, wird die Zahl der chinesischen Betriebe auf rund 3000 geschätzt.

          Blumen für die Opfer

          „Niemand kann behaupten, er wisse nicht, was vor sich geht“

          Der Umstand, dass auch in Italien versklavte illegale Arbeiter ähnlich wie in Bangladesch zu Tode kommen, führt nun zu vielerlei Appellen und Vorwürfen. „Prato ist ein Grenzfall, wir müssen mehr für die Sicherheit tun“, sagte Italiens Arbeitsminister Enrico Giovannini. Die zu Mario Montis „Bürgerwahl“ gehörende Senatorin Stefania Giannini sagte: „Prato ist das Paradebeispiel für misslungene Eingliederung und der fehlenden Bereitschaft lokaler und nationaler Politiker, Verantwortung zu übernehmen und die vielen ungelösten Probleme der Einwanderung anzupacken“. Die linke Parlamentspräsidentin Laura Boldrini sagte, wenn der italienische Staat nichts unternehme, „riskieren wir, die schlimmsten Seiten der Globalisierung zu importieren. Das ist ein Fall, den man sich in Südostasien vorstellt, aber nicht in Italien“.

          Der Präsident der Region Toskana, Enrico Rossi, seit vier Jahren im Amt, rief dazu auf, die „Sklaverei“ in Prato zu beenden und die chinesischen Betriebe nicht mehr als „extraterritorial“ zu betrachten. Dagegen heißt es aus der linken Gewerkschaft CGIL: „Niemand kann ernsthaft behaupten, er wisse nicht, was in Prato vor sich geht, niemand unter den Institutionen, Politikern und Sozialpartnern.“

          Eine der immer an Popularität orientierten Konsumentenorganisationen hat nun Strafanzeige gegen die staatliche Unfallversicherung, die Aufsichtsbehörde für die Arbeitsbedingungen und die Stadtverwaltung gestellt. Der Oberstaatsanwalt von Prato, Piero Tony, sagte nach dem Brandunglück: „Die meisten Unternehmen sind hier so organisiert. Hier ist der Wilde Westen“. Die staatlichen Institutionen seien dagegen noch so organisiert wie vor 30 Jahren, als die Umstände noch ganz anders waren. Trotz der Personalknappheit habe es in den vergangenen vier Jahren 1400 Kontrollen und 600 Beschlagnahmungen von Fabrikhallen gegeben. Aus Prato wird jedoch berichtet, dass nach einer Beschlagnahmung die Fabrikation einfach in andere Hallen verlegt werde.

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