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Nach Anhörung vor Gericht : Strauss-Kahn auf freiem Fuß

Vorerst wieder ein freier Mann: Dominique Strauss-Kahn verlässt mit Ehefrau Anne Sinclair das Gericht in New York Bild: AFP

Der frühere IWF-Chef kommt gegen Auflagen frei, darf aber nicht ausreisen. Das entschied am Freitag ein Gericht in New York. Die Ermittlungen wegen des Vergewaltigungsvorwurfs laufen weiter. Es sind aber Zweifel an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers aufgekommen.

          Der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, ist am Freitag von einem New Yorker Richter unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt worden. Die Ermittlungen würden aber nicht eingestellt, teilte die Staatsanwaltschaft bei einer kurzfristig angesetzten Gerichtsanhörung mit. Der Franzose darf die Vereinigten Staaten vorläufig nicht verlassen, seine Reisedokumente wurden einbehalten.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Zuvor waren Zweifel an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers aufgekommen. Strauss-Kahn soll versucht haben, ein 32 Jahre altes Zimmermädchen in einer New Yorker Hotelsuite vergewaltigt zu haben. „Der Fall ist noch nicht abgeschlossen, wir werden weitermachen, wie es unsere Pflicht ist“, sagte Staatsanwalt Cyrus Vance. Es sei „die höchste Pflicht eines amerikanischen Staatsanwalts, die Rechte derer zu wahren, die Hilfe bei der Justiz suchen. Der Anwalt der Frau, Kenneth Thompson, sieht den Fall der versuchten Vergewaltigung unverändert. „Die Tat hat stattgefunden“,sagte Thompson unmittelbar nach der Freilassung von Strauss-Kahn. „Dieser Tag hat nichts verändert.“ Strahlend und mit der rechten Hand auf der Schulter verließ seiner Ehefrau Anne Sinclair verließ Strauss-Kahn das Gericht in New York.

          Schon zuvor hatten die Berichte über eine mögliche Entlastung Strauss-Kahns von den Vergewaltigungsvorwürfen im linken politischen Lager Frankreichs Erleichterung hervorgerufen. Eine „immense Freude“ empfinde sie angesichts dieser Nachrichten, sagte die Sozialistin Martine Aubry, die nicht mehr Parteivorsitzende ist, seit sie in dieser Woche ihre Kandidatur für die sozialistischen Vorwahlen zur Präsidentenwahl 2012 angekündigt hat. Harlem Desir, der aktuelle Parteivorsitzende, sprach von seiner „enormen Erleichterung“. Der Abgeordnete Jean-Marie Le Guen, ein enger Mitstreiter von Strauss-Kahn, äußerte seine Freude über die „Rehabilitierung“ und das „Ende des Albtraums“ für den Parteifreund. Strahlend und mit der rechten Hand auf der Schulter verließe seiner Frau verließ Strauss-Kahn das Gericht in New York.

          DSK-Verteidiger Benjamin Brafman

          Glaubwürdigkeit sogar von Anklägern bezweifelt

          Sollte die amerikanische Justiz ihre Vorwürfe gegen Strauss-Kahn fallenlassen, könnte das weitreichende Folgen für die Vorbereitung der Sozialisten auf die Präsidentenwahl im kommenden Jahr haben. Seit Strauss-Kahn Mitte Mai festgenommen wurde, hat sich Frankreich darauf eingestellt, einen Wahlkampf ohne den bis dahin in den Umfragen führenden Politiker zu erleben. Am Freitag wurde über eine mögliche Rückkehr Strauss-Kahns in die Politik spekuliert. „Er muss eine wichtige Rolle im Präsidentschaftswahlkampf spielen“, forderte der frühere Kulturminister Jack Lang. Die französische Abgeordnete Michèle Sabban verlangte eine Suspendierung der Vorwahlen. Bis zum 13. Juli müssen nach dem aktuellen Fahrplan alle Kandidaten erklärt haben, ob sie bei den Vorwahlen am 9. und 16. Oktober teilnehmen wollen.

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