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Muslimischer Schützenkönig : Den Vogel abgeschossen

  • -Aktualisiert am

Der Schützenkönig und seine (katholische) Frau Bild: dpa

Der Dachverband der Schützen intervenierte, weil in Werl-Sönnern ein Muslim Schützenkönig wurde. Nach einer erregten Debatte hat sich der Verband nun zu einem Kompromiss durchgerungen. Der wird nicht jedem gefallen, auch wenn Mithat Gedik König bleiben darf.

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          Der Köngisschuss glückte Mithat Gedik am 18. Juli „unter starkem Beifall“, wie die St. Georg-Schützenbruderschaft stolz auf ihrer Internetseite vermeldete. Mithat Gedik, der 33 Jahre alte türkischstämmige Muslim, wurde der neue Regent der katholischen Schützen von Werl-Sönnern, und tags darauf gab es selbstverständlich einen Festgottesdienst. In seiner Predigt sprach Pfarrer Christoph Sverin, der auch örtlicher Präses der Schützen ist, „von gelebter Integration und christlichen Werten“. Alles schien in schönster Ordnung – bis der katholische Schützendachverband, der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS), auf die Sache aufmerksam wurde und Gedik als König ablehnte. Weil er Muslim ist.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Seither wird über die Sache eine lebhafte Debatte geführt. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) sprach von einem „Stück aus dem Tollhaus“. Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), wies darauf hin, dass es immer heiße, Muslime sollten sich auch in Vereinen beteiligen. BHDS-Vorstandssprecher Rolf Nieborg jedoch wiederholte wieder und wieder, dass seine Organisation ein katholischer Verband ist, „der laut Statut im Sinne der Ökumene auch andere Christen aufnimmt, aber eben keine Muslime“. Die Schützen in Werl-Sönnern hätten ihre eigene Satzung nicht gelesen.

          Doch noch ein Kompromiss

          Jetzt kam doch noch Bewegung in die Sache. Der BHDS hat sich zu einer Lösung durchgerungen, die nicht auf die (tatsächlich aufgekommenen) Vorschläge hinausläuft, die Werler Schützen könnten sich aus dem BHDS werfen lassen oder der König könnte Christ werden. „Der Vorstand des BHDS hat heute als Ausdruck von Respekt und Integration gegenüber dem Schützenbruder Mithat Gedik beschlossen, ausnahmsweise keine Einwände gegen seine Königswürde in seiner Bruderschaft zu erheben“, teilte der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften am Mittwochnachmittag nach einer Vorstandssitzung in Leverkusen mit. „Die Ausübung eines Amtes ab Bezirksebene wird hingegen nicht möglich sein.“ Heißt: Bei den Wettkämpfen, für die er sich als König qualifiziert hat, darf er nicht antreten.

          Der BHDS verteidigte zugleich das Recht der katholischen Schützenvereine, ausschließlich christliche Mitglieder aufzunehmen. „Als Christen und Schützenbrüder dürfen und werden wir an unserem Recht auf positive Religionsfreiheit festhalten. Dieses Recht steht christlichen Schützenbrüdern ebenso zu wie zum Beispiel unsern muslimischen, jüdischen oder buddhistischen Mitbürgern.“ Würden Nichtchristen in den katholischen Bruderschaften Mitglieder werden, bedeute dies letztlich, „das Recht auf eigene Identität und Bindung zur katholischen Kirche aufzugeben“.

          Eine Rüge für die Schützen

          Der BHDS-Vorstand rügt zudem die Schützen in Werl-Sönnern, die das BHDS-Statut und die eigene Satzung nicht ernst genommen hätten. Beide verpflichteten die Schützen zum Bekenntnis des Glaubens durch Eintreten für die katholischen Glaubensgrundsätze.

          Die Schützen und auch die Katholiken in Werl-Sönnern sind sich ihres Verstoßes aber offenbar nicht bewusst,  wie ein Mann stehen sie hinter ihrem König. „Wir haben ihn herzlich willkommen geheißen“, sagte Präses Severin schon vor dem BHDS-Beschluss. „Das Problem liegt allein beim BHDS.“ Ob dieser nun über eine Lösung nachdenkt, die über den Einzelfall hinausreicht, war am Mittwoch nicht abschließend zu klären. Auf die Frage dieser Zeitung, ob der Dachverband eine Satzungsänderung erwäge, sagte Sprecher Nieborg: „Das Einzige, was verlässlich ist, ist Veränderung.“

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