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Musik : Und wieder ein Wettstreit der deutschen Grand-Prix-Giganten

Max und Raab in Istanbul Bild: dpa-Zentralbild

Der Eurovision Song Contest in Istanbul ist nicht nur ein Duell zwischen Ralph Siegel und Stefan Raab, sondern auch ein Gradmesser für die Einigung Europas.

          4 Min.

          Das erste direkte Aufeinandertreffen mit Max hat die Gruppe Athena für sich entschieden. Dabei hatte Max mitten in Istanbul ein Heimspiel. Im Kaisersaal des deutschen Generalkonsulats, umringt von Deutschen und Türken, angespornt vom deutschen Generalkonsul Reiner Möckelmann.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der mußte keine diplomatische Ansprache halten, sondern rief in die jubelnde Menge: "Max macht es, Max macht es möglich." So jung war das Publikum im ehrwürdigen Kaisersaal selten gewesen, und es trotzte dem gefeierten Star Zugaben ab. Richtig in Stimmung kamen sie - unter dem in Glas gemalten Reichsadler und dem Stucco-lustro - jedoch erst beim türkischen Quartett Athena.

          Ein Erfolg auf dem Bildschirm unterliege aber anderen Gesetzen als bei einem Live-Auftritt, wehrt Jürgen Meier-Beer ab, der der verantwortliche Deutsche für den Eurovision Song Contest ist. Auch er hält die Musiktitel von Max und Athena für die modernsten des Wettbewerbs. Bei Max liege die musikalische Ehre Deutschlands in besten Händen, versichert Meier-Beer, der seit 1996 im NDR die Vorauswahl des Grand Prix d'Eurovision, der nun Eurovision Song Contest heißt, plant und gestaltet.

          Halbfinale eingeführt

          Diese Ehre hat Max gegen 23 andere zu verteidigen, und unter diesen zählen Athena gewiß zu den heißen Favoriten. "Eine Prognose ist schwierig." Denn jedes Land schicke ja seine Besten, und der Song Contest zeige, wie wenig ein Land Europas nach wie vor den Geschmack eines anderen Landes verstehe. Europa ist eben vielfältiger, als es die Vereinigten Staaten sind, und untereinander sind sich die Länder weniger vertraut. Der Song Contest ist damit mehr als Unterhaltung, er wird zu einem Indikator für die zwischenstaatlichen Beziehungen.

          Etwa als im vergangenen Jahr Griechenland und Zypern für die Türkei gestimmt hatten, Großbritannien aber auf null Punkte abstürzte. Europa ist so groß geworden, daß in diesem Jahr erstmals ein Halbfinale eingeführt wurde. Und das verschafft auch Ralph Siegel wieder seinen Auftritt. Wenn auch nicht für Deutschland, sondern "nur" für das neue EU-Mitglied Malta. Ein Vierteljahrhundert hatte er auf der deutschen Seite den Grand Prix geprägt. Diesmal fand er sich in der Gruppe der Außenseiter wieder, unter 22 Halbfinalisten. Seit Mittwoch abend aber weiß er, daß sich sein für Julie und Ludwig produzierter Titel "On Again... Off Again" für das Finale qualifiziert hat.

          Orientalischer Charme

          Im Halbfinale hatte sich das arme Land Albanien vor der futuristischen Hochhauskulisse einer flimmernden Großstadt präsentiert, Serbien entschied sich für Hirtenfolklore, und der muselmanische Bosnier trug seinen bloßen Oberkörper zur Schau. Die langbeinigen Griechinnen tanzten im silbernen Bauchtanzkostüm, und Ruslana aus der Ukraine ließ in ihrem Gotensong die archaischen Urgewalten der Erde austoben. Dazwischen warb die Türkei in den Überleitungen für ihre touristischen Ziele. Bis eine gute Fee vor der Silhouette der Hagia Sophia rote Blätter der Istanbuler Tulpen ausstreute und mit orientalischem Charme das nächste Land ankündigte.

          Genau 51 Mitgliedsländer umfaßt der Zusammenschluß der European Broadcasting Union inzwischen, und von ihnen sind 36 nach Istanbul gekommen. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs platzt der Wettbewerb aus allen Nähten. Mehrere Modelle sind versucht worden. Zuletzt hatten die Länder, die besonders schlecht abschnitten, ein Jahr aussetzen müssen. Länder, deren Musikszene weit vom Trend entfernt liegt, entfernten sich weiter. Wer es schwer hatte, dem machte es dieses Verfahren noch schwerer.

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