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Musik : Schlaflos in Ibiza

Techno-Fans: Tanzen bis zum Umfallen Bild: dpa

Seine treuesten Anhänger folgen ihm bis zum Mittelmeer, wenn sein Cocoon-Club auf Reisen geht. Auf Ibiza eröffnet Sven Väth mit Tausenden Deutschen die neue Techno-Saison.

          7 Min.

          Johannes Goller hat ein Problem. Nun hat er zwar Dita von Teese extra aus Amerika einfliegen lassen, ihr Kostüm aber und was sie sonst noch für ihre nächtliche Show braucht ist auf dem Postweg bisher nicht angekommen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Mann von Cocoon ärgert sich über die verschlungenen Wege, die ihm die spanische Bürokratie vorschreibt. Frachtgut, so hat er inzwischen erfahren, muß grundsätzlich über Barcelona abgefertigt werden. Nun ist der Auftritt der Künstlerin in Gefahr. Um welche Kunstform es sich handelt, will der Organisator nicht verraten. Nur soviel: Dita von Teese ist die Freundin des Bühnen-Provokateurs Marilyn Manson. Und das, so meint er, spreche wohl für sich.

          Cocoon läßt sich nicht lumpen

          Johannes Goller, braungebrannt und kurzgeschoren, eilt durch die Altstadt von Ibiza. Natürlich war er nicht pünktlich am Treffpunkt Burger King erschienen. Wie auch? Er mußte ja zum Flughafen, um Dita von Teese und all die anderen abzuholen, die sich mittlerweile im ersten Stock eines kleinen Friseursalons zusammengefunden haben. "Einfliegen" ist ein Lieblingswort von Johannes Goller. Da läßt sich Cocoon nicht lumpen.

          Altmeister des Techno: Sven Väth
          Altmeister des Techno: Sven Väth : Bild: dpa

          Anders ginge es aber auch nicht: Schließlich liegt das sommerliche Paradies der deutschen Techno-Szene auf einer Insel im Mittelmeer, an einer Straße, die von der Stadt Ibiza (weitestgehend in deutscher Hand) nach San Antonio (von englischen Touristen in Beschlag genommen) führt. Zur sechsten Saison haben Sven Väth und seine Frankfurter Agentur Cocoon geladen. Und Tausende Raver werden ihnen folgen und bis in den September hinein nach Ibiza zum wöchentlich stattfindenden Cocoon-Club in die Diskothek "Amnesia" kommen.

          50 schlaflose Stunden auf Ibiza

          Sven Väth, der "Godfather of Techno", hat seine Heimat, das Rhein-Main-Gebiet, nie verlassen. Er ist nur auf Reisen gegangen mit seinem Cocoon-Club, der vor sechs Jahren seinen angestammten Platz (das Frankfurter "Omen") verloren hatte. Ibiza ist ihm allerdings zur zweiten Heimat geworden, wohl auch, weil ihm seine treuesten Anhänger bis zum Mittelmeer nachreisen. In diesem Sommer beginnt Väths Ibiza-Sommer allerdings nicht auf Ibiza, sondern auf einer grünen Wiese in Hanau - beim "Love Family Park".

          Thomas aus Aschaffenburg bildet da keine Ausnahme. Der 30 Jahre alte Bankkaufmann hat sich viel vorgenommen: Rund 50 schlaflose Stunden auf Ibiza, den Traum will er sich erfüllen, seit er vor vier Jahren schon einmal beim Cocoon-Club im "Amnesia" war. Daß daraus in diesem Jahr knapp 70 Stunden werden, liegt am "Love Family Park", der zunächst mehrfach verschoben wurde und dann ausgerechnet am Tag vor der länger schon geplanten Abreise nach Ibiza stattfindet. Für einen Techno-Fan wie Thomas ist er trotzdem ein Muß: weil Sven Väth am Plattenteller steht. So fährt der Aschaffenburger am Ende eines langen Sonntags vom Hanauer Rave direkt zum Flughafen und steigt mit einigen Dutzend anderen am Montag morgen um 5 Uhr in das Charterflugzeug nach Ibiza.

          Schlafen tun die wenigsten

          Mario Hug hat sich mit seinen Rephlex-Tours auf Techno-Veranstaltungen spezialisiert. Er bietet vier Tage Ibiza mitsamt Sven Väth für rund 400 Euro und ab Hamburg, Stuttgart, Berlin, Frankfurt und einer Reihe kleinerer Metropolen wie etwa Paderborn an. "Viele sind Stammgäste", sagt Hug. Richtig jung ist keiner mehr, die meisten haben die 25 schon überschritten. Auch sonst ähneln sie sich: Sie sind schlank und durchtrainiert, ihre Haare sind gefärbt, getönt, gesträhnt und irokesenartig in die Höhe gegelt, und sie haben eindeutig eine Tendenz zu Piercings und Tätowierungen.

          Schlafen tun die wenigsten, weder im Flugzeug noch später, als sich Jochen, Eve, Frankie und wie sie alle heißen an der Playa d'en Bossa verteilen, am Pool, am Strand oder in der nächsten Sangriabar, nachdem sie Sven Väth im Bus erst so richtig aufgeweckt hat: Lautstark dröhnt es aus den Lautsprechern, Rhythmen, die vom letzten Abend im "Omen" stammen und nur dem Busfahrer nicht zu gefallen scheinen.

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