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Musik : Rückzug nach vorn

Nicht unbedingt auftreten

In dieser Tradition aus Litaneien und Blödeleien sind seine eigenen musikalischen Erfolge wie "Maschendrahtzaun" (1999), "Wadde hadde dudde da" (2000) und "Hol mir ma' 'ne Flasche Bier" (2000) zu sehen. Die Persiflage auf Bundeskanzler Gerhard Schröder im Polka-Rhythmus hält er noch heute für eine seiner besten Nummern. Schröders Worte an die Umstehenden seien populistisch gemeint gewesen. Da habe er sich gedacht: "Du willst Populismus - du bekommst Populismus!" Musikalischer Anspruch sei nicht mit dem Lied verbunden gewesen: "Dafür würde ich mir keinen Grammy verleihen, eher den Büchner-Preis!"

Raab kann sich durchaus vorstellen, mit seiner Fernsehsendung aufzuhören. Er wird am 20. Oktober 38 Jahre alt, und von seiner Freundin, mit der er zurückgezogen in Köln lebt, könnte er schon ein Kind bekommen haben. Man erfährt darüber nichts: Raab, der öffentliche Menschen satirisch auseinandernimmt, schirmt sich ab. Er ist mithin alt, erfahren und uneitel genug, aus dem Mittelpunkt des Geschehens in den Hintergrund zu rücken. "Ich habe alle beleidigt - das Thema wäre erledigt. Ich bin auf allem geritten, auf dem man reiten kann. Ich kann mich nicht zum fünften Mal im engen Anzug auf ein Pferd stellen." Auch in der Musik, die ihm mehr bedeutet als das Fernsehen, scheint sich ein Rückzug anzudeuten: Er wird weiter nächtelang schreiben, arrangieren, spielen, programmieren, mischen, mastern - aber eben nicht unbedingt auftreten. Auch in einem großen Projekt, das ihn schon seit anderthalb Jahren beschäftigt, arbeitet er hinter den Kulissen: Für den Film eines wichtigen deutschen Regisseurs komponiert er den Soundtrack.

Max als Vorgruppe

Musikalisch kommt Raab endgültig im Massengeschmack an. Max' Lied ist stärker von Melodie als von Rhythmus geprägt, stärker von einfacher Aussage als von kompliziertem Arrangement. "Man muß die Gratwanderung schaffen zwischen einem guten Popsong und einem anspruchsvollen Arrangement, das nicht überladen ist mit Synthesizer-Klängen." Zu dem Lied allerdings sagt die einzige deutsche Grand-Prix-Siegerin Nicole ("Ein bißchen Frieden"), Max könne nicht damit punkten, "wenn er drei Minuten auf seinem Hocker schläft". Raab sieht das anders: "Song und Künstler passen genau." Er sieht sich bestätigt durch die gute Plazierung in der Hitparade und die vielen Anfragen.

Internationale Pop-Größen haben schon nachgefragt, ob Max nicht als Vorgruppe bei ihren Tourneen auftreten will. Im Sommer, so Raab, gehe das noch nicht. Zunächst müssen Max mehr Lieder auf den Leib geschneidert werden. "Denn man kann noch so einen tollen Apparat dahinter haben - ohne Repertoire geht es nicht." Zuvor allerdings sollte Max, zwischen schriftlichen und mündlichen Abiturprüfungen, noch in Istanbul gewinnen. So richtig verbissen sehen der Produzent und sein Sänger den Auftritt nicht. Aber sie haben sicher nichts dagegen, wenn zum Spaß auch noch das Geld kommt.

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