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MSC Flaminia : Begehung eines Geisterschiffs

  • -Aktualisiert am

Mit 151 Containern Gefahrgut ist der 299 Meter lange Frachter beladen, der im Atlantik treibt Bild: dapd

Seit 6 Wochen treibt die MSC Flaminia nach einem Brand im Nordatlantik. Nun soll sie endlich in einen Hafen geschleppt werden – nach Wilhelmshaven.

          Für das havarierte Containerschiff „MSC Flaminia“, das mit Gefahrgut beladen in Brand geriet und seit sechs Wochen im Nordatlantik treibt, ist nun eine Lösung in Sicht. Es soll durch den Ärmelkanal nach Helgoland geschleppt und zwölf Seemeilen vor der Insel teils entladen werden. Dann soll es mit einem Schleppverband durchs Wattenmeer zum Tiefwasserhafen Wilhelmshaven gezogen werden. Voraussetzung ist, dass umfangreiche Prüfungen von Fachleuten des Havariekommandos in Cuxhaven das Vorhaben gutheißen. Die Fachleute begingen dafür am Dienstagnachmittag das vor dem Südwesten Englands liegende 299 Meter lange Schiff. Bis zuletzt war das vom Wetter und der hohen Temperatur an Bord erschwert worden.

          Trotz einer EU-Richtlinie für Notfälle hatte sich kein Land bereit gefunden, das von Schleppern begleitete „Geisterschiff“ in einen Hafen zu lassen. Frankreich, Großbritannien und Deutschland waren sich uneins über das Vorgehen und über Rechtspflichten, weil das Unglück in internationalen Gewässern geschah. Der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP) nannte das in der „Hannoverschen Allgemeinen“ „Irrsinn auf hoher See“. Nach dem Brand am 14. Juli auf dem Weg vom amerikanischen Charleston nach Bremerhaven und dem Tod eines Seemanns (ein zweiter wird vermisst) verließ die Besatzung das Schiff. Vergangene Woche entschied das Bundesverkehrsministerium, die „Flaminia“, die unter deutscher Flagge fährt, heimzuholen. Birkner sagte, sollte es vor Beginn der Herbststürme nicht in einem Hafen gesichert werden, wäre das eine „unerträgliche Belastung für die Meeresökologie“.

          Gefährliche Bergung

          Lange war der im Jahr 2001 gebaute Frachter mit Heimathafen Hamburg wegen der Schwelbrände und der hohen Hitze nicht zu betreten. Jetzt hofft das Havariekommando, auf einer Tiefwasserreede vor Helgoland 20 Millionen Liter vergiftetes Löschwasser und Teile der Container zu entladen. 151 der 2876 Container tragen Gefahrgut. Besonders gefährlich sind zwei Container mit Nitromethan, das zur Herstellung von Treib- und Explosivstoffen eingesetzt wird. Bislang ist nicht bekannt, welche Gefahrgutbehälter zerstört oder beschädigt sind. Laut Fachleuten einer Bergungsfirma, die das Schiff am Sonntag untersuchten, sind 72 Gefahrgutcontainer durch Feuer zerstört, 24 beschädigt, 55 intakt. Die Lage sei weiter ernst, der Rumpf, das Achterschiff, die Maschine und die Aufbauten seien aber intakt und stabil. Im Laderaum drei sei die Temperatur auf 50 Grad gesunken, Mitte letzter Woche lag sie noch bei 128 Grad.

          Der Fraktionsvorsitzende der niedersächsischen Grünen, Stefan Wenzel, sagte, man dürfe nicht riskieren, dass das Schiff untergeht. Der BUND fordert, dass es nur durchs Wattenmeer geschleppt werden dürfe, wenn ein Auseinanderbrechen ausgeschlossen werden könne. Der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees, schloss jede Gefährdung des Wattenmeers aus. Übereilte Schritte werde es nicht geben.

          Der noch nicht eröffnete Jade-Weser-Port ist als Tiefwasserhafen der einzige in Deutschland, an dem die „Flaminia“ landen könnte, die wegen des Löschwassers 19 Meter Tiefgang hat - und auch das wäre nur nach einer Teilentladung vorab möglich. Mit der Einstufung als „schwere Havarie“ ist die Finanzierung der Bergung gesichert. Beteiligen werden sich der Charterer MSC, die Reederei NSB Niederelbe und die Ladungsbesitzer.

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