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Mozart : Wolferls Kopf und Nannerls Gebeine

  • -Aktualisiert am

Wegweiser zum Grabdenkmal Mozarts auf dem Friedhof St. Marx in Wien Bild: AP

Ist es wirklich der Schädel des Musikgenies oder ist er es nicht? In Salzburg untersuchen Gerichtsmediziner vor dem Gedenkjahr 2006, ob der Mozart-Schädel der Stiftung Mozarteum echt ist.

          Die Aktion begann pünktlich vor Allerseelen. Angetrieben vom Österreichischen Rundfunk (ORF) und vom Kulturkanal Arte, die für 2006 eine Gemeinschaftsproduktion vorbereiten, machen sich Archäologen und Gerichtsmediziner auf dem Salzburger Sebastiansfriedhof an einer Grabstätte zu schaffen, in der Gebeine von Angehörigen Wolfgang Amadeus Mozarts liegen sollen. Sie wollen herausfinden, ob der von der Stiftung Mozarteum aufbewahrte Schädel wirklich der Kopf Mozarts ist. Das Erbgut von "Wolferls" Verwandten, so der beteiligte Wiener Gerichtsmediziner Christian Reiter, könnte den entscheidenden Beweis zur Klärung liefern.

          Bisher hat man drei nebeneinanderliegende Grabstellen freigelegt. Im mittleren Grab fanden die Archäologen das gut erhaltene Skelett einer jungen Frau, die nicht älter als 20 Jahre wurde. Dabei könnte es sich um die Knochen Jeanettes handeln, der im Alter von 16 Jahren verstorbenen Nichte des Komponisten. Genaueres wird man erst nach den DNA-Analysen sagen können. Reiter, der auch schon die Überreste des Arztes Paracelsus untersucht hat, sind auch die Gebeine der Mozart-Familie anvertraut worden. Bürgermeister Heinz Schaden genehmigte die Untersuchungen, die den Weg zum Mozart-Schädel eröffnen sollen. Nicht von Exhumierung, sondern von Grabung spricht man. Beteiligt sind der Stadtarchäologe Wilfried Kovacsovics und Joachim Hötzinger, der Leiter des Gesundheitsamtes.

          Zuviele Knochen

          Für den Gerichtsmediziner sind die weiblichen Erblinien zielführend. Die mitochondriale DNA wird über die Mutter weitergegeben. Im Falle Mozarts und seiner Schwester "Nannerl" wäre deren Erbgut direkt mit jenem ihrer Tochter Jeanette vergleichbar und würde so die heiße Spur zu Wolferls Schädel liefern. Auch Untersuchungen am Skelett Nannerls sind vonnöten. Über die Genehmigung zur Sichtung ihrer Gebeine in der Familiengruft in St. Peter wird aber noch verhandelt.

          Wolfgang Amadeus Mozart

          Die Situation im Sebastiansfriedhof ist nach Reiters Bekunden verworren. So habe man in einem Kindersarg vier umgebettete Individuen entdeckt. Insgesamt wurden bei den Arbeiten an den drei in Frage stehenden Grabstellen neun Schädel und zahlreiche Knochenfragmente geborgen, obwohl dort nur sechs Personen bestattet worden sein sollen: unter ihnen Mozarts Vater Leopold ebenso wie Wolfgangs Frau Konstanze und - laut Grabstein - eben auch Jeanette.

          Echt unecht

          Um Mozarts Schädel hatte sich schon vor Jahren eine wissenschaftliche Groteske entsponnen. Auf dem Weltkongreß der Rechtsmediziner in Düsseldorf 1993 wähnte ihn der Franzose Pierre-François Puech in Gefahr. Neben natürlichem Zerfall bedrohten auch Bakterien die Knochensubstanz. Um biologische und genetische Studien für die Zukunft zu sichern, sollte sich die Internationale Gesellschaft für Rechtsmedizin beim Mozarteum in Salzburg für die "sachgerechte Konservierung und Lagerung des Musikerschädels" einsetzen, so Puech.

          "Der Puech kann reden, was er will, es ist wissenschaftlich bewiesen, daß unser Schädel nicht der Mozarts ist", entgegnete damals Rudolf Angermüller, Generalsekretär der Stiftung Mozarteum. Das "Knochengebilde" im Besitz der Stiftung weise mehr Zähne auf, als Salzburgs großer Sohn in Wirklichkeit gehabt hatte, so Angermüller - "und die werden ihm in unserem Tresor ja wohl nicht nachgewachsen sein".

          Der Fall beschäftigte die Spitzen der Gerichtsmedizin. Zunächst kamen die Anthropologen Herbert Kritscher und Johann Szilvassy, die an der Anthropologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien im Auftrag der Stiftung eine Weichteilrekonstruktion des Schädels durchgeführt hatten, zu dem Ergebnis, daß es sich "um den Schädel von Wolfgang Amadeus Mozart handeln müßte, sofern man die naturwissenschaftliche Beweisführung als Methode akzeptiert" - gemeint waren Untersuchungen mit morphologischen, metrischen, radiologischen, biostatistischen, photographischen und perigraphischen Methoden sowie Befunde über vier Haare ebenfalls aus dem Besitz der Stiftung.

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