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Moustache Brothers : Sie lachen das System aus

  • -Aktualisiert am

Die Kleidung bei den Auftritten der Moustache Brothers ist immer gleich Bild: action press

Die „Moustache Brothers“ aus Burma machen Witze auf schmalem Grat. Einmal schon hat das Regime sie erwischt. Die Auftritte der drei Komiker ist Überlebenskunst und Satire zu gleich.

          4 Min.

          Lu Maw erzählt einen Witz: „Drei Politiker gehen zu Gott. Chinas Präsident Hu Jintao will wissen, wann sein Land das reichste der Welt wird. Gott antwortet ihm: ,Während deines Lebens nicht mehr!' Hu fängt an zu heulen. George W. Bush fragt ihn: ,Wann werden die Vereinigten Staaten die mächtigste Nation der Welt werden?' Gleiche Antwort, wieder Tränen. Schließlich fragt Burmas Diktator Than Shwe, wann er endlich genügend Wasser und Elektrizität für sein Volk haben werde. Diesmal ist es Gott, der in Tränen ausbricht: ,In meinem Leben nicht mehr'!“

          Es ist gegen neun Uhr abends in Mandalay, fast überall herrscht totale Dunkelheit in der Königsstadt von Burma. Der Strom fällt zu dieser Zeit regelmäßig aus, spätestens von 22 Uhr an. Man muss sich in Acht nehmen, dass man nicht in die riesigen Schlaglöcher fällt und urplötzlich verschwindet. Hier, in der 39. Straße, leben die gefährlichsten Komiker des Landes. Die „Moustache Brothers“ lachen das System förmlich aus. Gefährlich ist das Trio aus der Sicht des Militärregimes, weil es seine Witze mit Polit-Pointen spickt. Und es braucht nicht viel, in Burma zum Staatsfeind zu werden.

          Verhaftet für Humor

          Die „Moustache Brothers“ sind die Brüder Par Par Lay und Lu Maw und ihr Vetter Lu Zaw. Moustache ist Englisch und heißt Schnurrbart, das Markenzeichen der drei. Bei ihren Vorstellungen tragen sie rosafarbene Turbane, was sehr drollig an den zierlichen Männern mit dem Longyi - dem Wickelrock - ausschaut. Sie liefern eine Mischung aus Satire und Protest, nennen sich Komödianten, „wie auf dem Broadway“, sagt Lu Maw in radebrechendem Englisch. Vielleicht ist die Berufsbezeichnung „Überlebenskünstler“ passender. Denn auf dem Broadway dürfte es wenige Darsteller geben, die für ihre Witze so teuer bezahlten. Die drei treten seit 30 Jahren gemeinsam auf. Früher reisten sie mit Tänzerinnen und Musikern monatelang durchs Land. Sie spielten bei Hochzeitsfeiern, Pagodenfesten und Beerdigungen, witzelten über die Machthaber und verdienten damit ihren Lebensunterhalt.

          Ihre Narrenfreiheit endete 1996, als sie für die unter Hausarrest stehende Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi vor ihrer Wohnung spielten. Sie wussten, dass sie unter Beobachtung stehen, doch sie verzichteten nicht auf ihre politischen Witze. Eine Woche später wurden Par Par Lay und Lu Zaw festgenommen. Verleumdung, lautete die Anklage. Das Urteil nach kurzem Prozess: sieben Jahre Haft. Die beiden „Moustache Brothers“ kamen nicht ins Staatsgefängnis in Rangun wie die meisten politischen Häftlinge. Sie wurden in ein Arbeitslager gesperrt, dem Hallewa-Camp im Norden des Landes. Hier verlor Lu Zaw ein Auge.

          „Störung der öffentlichen Ordnung“ im diktatorischen System

          Lu Maw blieb verschont, weil er bei der folgenreichen Vorstellung nicht dabei war. Als sein Bruder und sein Cousin in Haft waren, wurde Lu Maw zum Sprecher der Truppe und lernte Englisch. Nach der Freilassung kehrten sie zu dritt zu ihrer alten Spielstätte zurück. „Was anderes wollen und können wir nicht“, sagt Lu Zaw. Ein ähnliches Schicksal ereilte den bekannten Komiker Zarganar, der ebenfalls die Politik öffentlich kritisierte und nun wegen seines regimekritischen Humors im Gefängnis sitzt. Der Komödiant erhielt im November 2008 eine Haftstrafe von 45 Jahren wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“. Im Februar 2009 verringerte ein Gericht in Rangun die Haftdauer auf 35 Jahre.

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