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Mormonencampus in Utah : Das Evangelium, die amerikanische Version

  • -Aktualisiert am
Eifriger Werber: Mitt Romney (rechts) Ende der Sechziger im Süden Frankreichs.

Die Romneys sind eine alte, einflussreiche Mormonen-Familie, und auch Park Romney verbrachte mehr als vierzig Jahre in der Kirche, bevor er ausstieg und mit „Apostasy of a High Priest“ im vergangenen Jahr eine Abrechnung mit der Religion veröffentlichte. Er wirft der Kirche vor, kritisches Denken und verantwortungsvolles Handeln zu unterminieren, und sein Ärger darüber findet harsche Worte. „Hitler kam mit der Duldung einer christlichen Gesellschaft an die Macht, deren Mitglieder ihre menschliche Verantwortung, unbequeme Fragen zu stellen, abgegeben hatten.“ Mit seinen Auslassungen hat sich Park Romney in Amerikas Medien - die mit Blick auf die Religionsfreiheit kritische Auseinandersetzungen mit religiösen Überzeugungen gern meiden - keine Freunde gemacht. „Mitt Romneys verrückten Cousin“ nannte ihn die „Washington Post“.

Auf Distanz mit der Polygamie

Die amerikanische Popkultur verbindet mit den Mormonen in erster Linie einen moralisch fragwürdigen Brauch - die Vielweiberei, die unter anderem in der HBO-Serie „Big Love“ oder der Realityshow „Sister Wives“ über fundamentalistische Splittergruppen thematisiert werden. Mainstream-Mormonen verdrehen reflexartig die Augen, wenn dieses Wort fällt. „Die Leute, die heute noch Polygamie praktizieren, haben mit uns nichts, aber auch gar nichts zu tun“, sagt Mike Otterson, der PR-Direktor der Kirche.

Ottersons Büro liegt gegenüber vom imposanten Tempel im Herzen von Salt Lake City, dem Zentrum der religiösen Kultur. Nicht-Mormonen haben keinen Zutritt, und auch Mormonen dürfen nur mit einer Erklärung ihrer „Würdigkeit“ hinein. Hier werden die freimaurerisch inspirierten Rituale der Kirche zelebriert, die ihr den Ruch eines Kults geben: der Schwur, sich mit allem, was man ist und hat, der Errichtung des Königreichs Gottes auf Erden zu verschreiben; die Siegelung der Ehe für die Ewigkeit; die stellvertretende Taufe für Verstorbene. Noch immer wird hier Esoterisches wie klandestine Handzeichen und die Vergabe von geheimen Codenamen für den Eingang ins Paradies praktiziert. Von der Polygamie allerdings sagte sich die Kirche 1890 offiziell los - zumindest im Diesseits. Vielweiberei, sagt PR-Mann Otterson, führe heute zur Exkommunikation.

Aber gerade in der Haltung der Kirche zur Polygamie offenbart sich ein Dreh- und Angelpunkt des Selbstverständnisses der Mormonen - und des Misstrauens, mit dem manche der Kirche gegenüberstehen. Die Doktrin der Kirche formt sich in fortgehenden Offenbarungen, die das amtierende Kirchenoberhaupt, der Prophet (derzeit der jeweils Älteste im fünfzehn Personen starken, durchweg männlichen Führungsgremium), von Gott persönlich erhält. Und dass Gott die Polygamie erst befahl und just dann verwarf, als es politisch opportun erschien, ist einer der vielen Widersprüche, die Kritiker und auch manche Anhänger der Religion an ihrer Wahrhaftigkeit zweifeln lässt.

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