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Mordwelle nach Polizeistreik : Soldaten in den Straßen von Salvador

Mit schweren Waffen patroullieren die Soldaten in den Straßen von Salvador da Bahia. Bild: AFP

Mehr als 90 Morde in einer Woche: Weil im brasilianischen Salvador da Bahia Polizisten streiken, ist die Zahl der Verbrechen in die Höhe geschnellt. Nun patroullieren 3500 Soldaten in den Straßen - und gehen gegen die Streikenden vor.

          2 Min.

          Mit schweren Waffen und in Panzerfahrzeugen versuchen rund 3500 brasilianische Soldaten die Straßen von Salvador da Bahia zu befrieden. In der drittgrößten Stadt Brasiliens streiken seit knapp einer Woche Teile der Polizei - was zu einer Welle des Verbrechens geführt hat. Mehr als 90 Menschen wurden nach Angaben der Sicherheitsbehörden im Großraum Salvador bereits ermordet. Autodiebstähle, Überfälle, Plünderungen und Schießereien versetzen die Menschen in Angst und Schrecken.

          David Klaubert
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Rund 600 vom Verteidigungsministerium in Brasilia entsandte Soldaten umstellten auch das Landesparlament von Bahia, das von streikenden Militärpolizisten besetzt wird. Etwa ein Drittel der 31.000 Beamten der „Polícia Militar“ von Salvador da Bahia, die für Sicherheit und Verbrechensbekämpfung zuständig ist, befindet sich seit Dienstagabend der vergangenen Woche im Streik. Sie fordern höhere Gehälter, Gefahrenzulagen und bessere Arbeitsbedingungen.

          An den berühmten Stränden Salvadors sollen die Soldaten Touristen schützen.
          An den berühmten Stränden Salvadors sollen die Soldaten Touristen schützen. : Bild: Reuters

          Der Gouverneur von Bahia, Jaques Wagner, beschuldigte die Militärpolizisten, den Aufruhr in Salvador entfacht zu haben, um die Verhandlungen zu beschleunigen. Gegen elf Anführer des Streiks wurden Haftbefehle erlassen. Die brasilianische Regierung entsandte 40 Mann einer Eliteeinheit der Bundespolizei, um die Streikführer zu verhaften. Einer von ihnen, der Präsident der Polizeigewerkschaft in Bahia, Marcos Prisco, warnte vor einer Eskalation des Konflikts: „Wenn das Militär das Gebäude [des Parlaments] stürmt, könnte es eine Katastrophe geben. Es könnte eine bewaffnete Truppe gegen eine andere bewaffnete Truppe sein“, sagt er dem Nachrichtenportal „G1“ per Telefon. Mehr als 4000 Menschen, darunter auch die Familien der Militärpolizisten, sollen sich im Parlament aufhalten.

          Das Angebot der Regierung, die Polizeigehälter um 6,5 Prozent zu erhöhen, wiesen die Streikenden am Montagmorgen zurück. Gewerkschaftspräsident Prisco sagte, das Angebot der Landesregierung sei nicht neu und gehe nicht über eine allgemeine Erhöhung für alle öffentlich Angestellten hinaus. Die Polizisten fordern außerdem eine Amnestie für alle Teilnehmer des nicht genehmigten Streiks. Ein Gericht hatte ihn bereits vergangene Woche untersagt.

          Etwa 3500 Mann schickte die Regierung nach Salvador.
          Etwa 3500 Mann schickte die Regierung nach Salvador. : Bild: Reuters

          Salvador da Bahia mit seinen rund 2,7 Millionen Einwohnern gehört zu den brasilianischen Städten mit den höchsten Kriminalitätsraten. Im vergangenen Jahr gab es in der Metropolregion Salvador im Schnitt 6,1 Morde pro Tag. Nach dem Beginn des Streiks stieg die Zahl an registrierten Morden im Vergleich zur Vorwoche noch einmal um 129 Prozent, berichtet „G1“.

          Die privaten Schulen in Salvador verschoben wegen der Gewaltwelle den Beginn des neuen Schuljahres. Der Unterricht an den öffentlichen Schulen wird an diesem Dienstag anfangen, Medienberichten zufolge wollen viele Eltern ihre Kinder allerdings vorerst nicht in die Schule schicken. Auch Läden und Tankstellen blieben zum Teil geschlossen. Um den Tourismus in der Stadt, deren historisches Zentrum Unesco-Weltkulturerbe ist, nicht zu gefährden, patroullieren die Soldaten vor allem in der Altstadt und an den Strandpromenaden. In zwei Wochen wird in Salvador einer der größten Karnevalsumzüge Brasiliens stattfinden. 2014 werden in Salvador Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen.

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