https://www.faz.net/-gum-42n3

Mordprozeß : Neun Jahre Jugendhaft für Malins Mörder

  • Aktualisiert am

Der verurteilte Steve P. mit seinem Anwalt Bild: dpa/dpaweb

Das Urteil blieb knapp unter der Höchststrafe. Der 20jährige hatte die sechsjährige Malin zuerst erwürgt und dann sexuell mißbraucht. Das Gericht ordnete eine Unterbringung des Täters in der Psychiatrie an.

          Der Mörder der sechsjährigen Malin aus Sachsen-Anhalt ist zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Außerdem ordnete das Landgericht Dessau am Freitag die Unterbringung des 20jährigen Steve P. in der Psychiatrie an. Bereits seit seiner Festnahme im Januar sitzt der Mann in einer geschlossenen Abteilung. Er hatte gestanden, das kleine Mädchen aus Zerbst vor einem halben Jahr erwürgt und sich anschließend an dem toten Kind vergangen zu haben. Die Tat hatte bundesweit Entsetzen und Fassungslosigkeit ausgelöst.

          Nach Auffassung der Richter ist der Mann gefährlich. Es müsse damit gerechnet werden, daß er ähnliche Straftaten begehen könnte, hieß es zur Begründung. „Den Mord an Malin hat er aus niederen Beweggründen begangen“, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Knief. Steve P. nahm das Urteil regungslos auf.

          Verteidigung forderte Freispruch

          Das Gericht blieb mit seinem Urteil nur geringfügig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf neuneinhalb Jahre Jugendhaft plädiert hatte - ein halbes Jahr unter der möglichen Höchststrafe. Die Verteidigung hatte einen Freispruch wegen Schuldunfähigkeit gefordert. Übereinstimmend hatten sich beide Seiten für die Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie ausgesprochen. Gutachten hatten dem 20Jährigen eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit bescheinigt.

          Der Mann hatte die Erstklässlerin auf ihrem Heimweg von der Schule in die Wohnung seiner Mutter gelockt. Dort zeigte er dem Kind laut Staatsanwaltschaft Filme. Als Malin auf die Toilette mußte, habe er das Kind beobachtet. Weil er anschließend befürchtet habe, das Kind könne dies weitererzählen, habe er sie getötet. Später fand die Frau das tote Kind unbekleidet im Bett ihres Sohnes und verständigte die Polizei.

          Eltern litten sehr

          Malins Eltern traten in dem Prozeß, in dem bis zur Urteilsverkündung die Öffentlichkeit ausgeschlossen war, als Nebenkläger auf. Sie nahmen den Richterspruch gegen den Mörder ihrer Tochter regungslos auf und verließen wortlos den Verhandlungssaal. Zuvor hatte das Gericht ausdrücklich ihr Verhalten während des Prozesses gewürdigt. „Sie haben gelitten, aber sie haben ein großes Maß an Zurückhaltung aufgebracht“, sagte der Richter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zwei Jahre Trump : Viel Feind, ein wenig Ehr

          Zwei Jahre ist Donald Trump nun Präsident der Vereinigten Staaten und seine Agenda ist überlagert von Problemen und Skandalen. Doch ganz ohne Erfolge ist er nicht.

          Demo in Stuttgart : „Ja zum Diesel“

          In Stuttgart haben rund 700 Menschen gegen das Fahrverbot für ältere Diesel demonstriert – und die Landesregierung damit in Sorge versetzt.

          Verbot von Steingärten : Schotter statt Schneeglöckchen

          Manche Hausbesitzer verwandeln ihre Vorgärten in Steinwüsten. Jetzt werden die ökologisch toten Flächen zum Politikum: Deutschland diskutiert über ein Verbot der grauen Gärten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.