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Mordprozess Brunner : Zeugin sieht Täter als Gangstertypen

  • Aktualisiert am

Die beiden Täter Sebastian L. und Markus S. Bild: REUTERS

Der zweite Verhandlungstag im Fall Brunner bringt erste Details ans Licht: Ein Protokoll und Zeugenaussagen dokumentieren den Tathergang und zeigen falsche Angaben im Geständnis der Täter Markus S. und Sebastian L. auf.

          2 Min.

          Im Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder von Dominik Brunner ist am Mittwoch mit der Zeugenvernehmung begonnen worden.

          Nach Angaben des Polizeikommissars, der die Ermittlungen leitete, hat Brunner um 16.05 Uhr und 35 Sekunden aus der S-Bahn den ersten Notruf abgesetzt. Gegen 16.10 Uhr begann die Auseinandersetzung auf dem Bahnsteig des Bahnhofs in Solln. Mehrere Zeugen haben dabei das Geschehen beobachtet und die Polizei verständigt.

          Ein Protokoll:

          16.10 Uhr, zwei Sekunden: Eine Zeugin ruft die Polizei: „Zwei Gangstertypen schlagen einen älteren Mann zusammen. Der blutet schon.“ Die Zeugin sitzt in der S-Bahn, die gerade aus dem Bahnhof Solln herausfährt.

          16.10 Uhr, 27 Sekunden: Von Brunners Handy aus wird der Notruf der Polizei gewählt. Man hört wirres Stimmendurcheinander. Die Verbindung hält 22 Minuten, bis sie um 16.32 Uhr von der Polizei beendet wird. Man weiß nicht, ob die Nummer aus Versehen gewählt wurde, durch Betätigen der Wiederwahl-Taste, oder ob Brunner bewusst die Nummern wählte.

          16.11 Uhr, zwei Sekunden: Eine Frau mit Kleinkind auf dem Arm meldet sich vom Bahnsteig. Sie berichtet von der Auseinandersetzung, will dann das Gespräch schnell beenden: „Ich habe Angst, die beiden kommen auf mich zu.“

          16.11 Uhr, 15 Sekunden: Ein Mann meldet sich bei der Polizei und berichtet, dass eine Schlägerei im Gange ist.

          16.13 Uhr, acht Sekunden: Ein weiterer Zeuge ruft die Polizei. Die Polizei teilt ihm mit: „Wir sind schon unterwegs.“

          16.14 Uhr, 21 Sekunden: Ein Mann ruft den Notruf der Feuerwehr, um einen Rettungswagen anzufordern.

          16.23 Uhr: Der Angeklagte Markus S. verschickt eine SMS an einen Freund: „Hey, die Bullen sind da, wir sind im Busch.“

          17.05 Uhr: Sebastian L. ruft einen Freund an: „Es gab eine Schlägerei, der Mann hat zugeschlagen.“ Sie hätten nur zurückgeschlagen.

          Um 17.20 Uhr werden Markus S. und Sebastian L. im Gebüsch gestellt. In seiner ersten Vernehmung habe S. einen sehr bedrückten Eindruck gemacht, sagt der Kommissar am Mittwoch aus. S. sagte nach Angaben des Polizisten, dass Brunner auf ihn zugegangen sei und ihn dann geschlagen habe. Dann habe es ein Gerangel gegeben, irgendwie sei Brunner gestürzt, und er sei auch noch auf ihn „gestolpert“. S. spricht von einem „Filmriss“.

          Falsche Angaben im Geständnis

          Das Gericht befragt an diesem Mittwoch den Kommissar auch zu den sportlichen Fähigkeiten Dominik Brunners. Brunner hatte Mitte der neunziger Jahre für mehrere Monate Boxtraining. Um sich fit zu halten und um sich im Notfall verteidigen zu können, wie seine Lebensgefährtin nach der Tat der Polizei berichtete. Auch für das Kickboxen interessierte er sich: Er förderte einen Kickboxer, hat aber selbst nie diese Sportart ausgeübt.

          Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte am Rande des Prozesses, es hätten sich bereits einige falsche Angaben im Geständnis gezeigt. So gaben die befragten Polizisten durchweg an, dass ihnen keine Alkoholisierung oder ein Rauschgiftmissbrauch bei den Angeklagten aufgefallen sei. Markus S. hatte dagegen ausgesagt, er habe vor der Tat zweieinhalb Liter Bier und gut eine halbe Flasche Wodka getrunken. An das Geschehen am S-Bahnhof könne er sich darum zum größten Teil nicht mehr erinnern.

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