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Mordfall Metzler : Höchststrafe für Jakob von Metzlers Mörder

  • -Aktualisiert am

Magnus Gäfgen, der Mörder von Jakob von Metzler, muß lebenslang ins Gefängnis.

          5 Min.

          FRANKFURT, 28. Juli. Als Entführer und Mörder des elf Jahre alten Jakob von Metzler und als Erpresser der Eltern hat das Frankfurter Landgericht am Montag mittag den 28 Jahre alten Juristen Magnus Gäfgen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Zugleich stellte die 22. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Hans Bachl die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten fest. Damit hat das Gericht die Möglichkeit blockiert, den Verurteilten nach Ablauf von 15 Jahren vorzeitig aus dem Gefängnis zu entlassen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird eine Strafvollstreckungskammer festlegen, wann der Tag einer Haftentlassung auf Bewährung für den Angeklagten kommen wird. Das Urteil entspricht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Magnus Gäfgen hörte der 90 Minuten währenden Urteilsbegründung ohne erkennbare Gefühlsregung zu.

          Für das Gericht ist erwiesen, daß der Angeklagte Jakob heimtückisch, habgierig und zur Verdeckung des erpresserischen Menschenraubes getötet hat. Die Feststellung der Schuldschwere gründet sich jedoch nicht nur auf die Verwirklichung von drei Mordmerkmalen, sondern eben auch darauf, daß der Angeklagte zwei schwere Verbrechen begangen hat, von denen jedes mit der lebenslangen Freiheitsstrafe bedroht ist. In der Gesamtbetrachtung der Taten, die Gäfgen gestanden hat, hebt das Urteil in der Bewertung der Schuld weiter hervor, daß der Täter sich ein Kind als leichtes Opfer wählte, daß Jakob einen minutenlangen qualvollen Tod starb und daß die Eltern tagelang schlimmsten seelischen Qualen ausgesetzt waren. Das alles, so die Urteilsbegründung, wegen der Rücksichtslosigkeit und Skrupellosigkeit eines unbarmherzigen Angeklagten, der aus dem Motiv abstoßender Gewinnsucht das Leben eines arglosen Kindes ausgelöscht hat.

          Magnus Gäfgen hat nach den Feststellungen des Urteils am 27. September vergangenen Jahres am späten Vormittag den von der Schule kommenden Jakob von Metzler an einer Bushaltestelle im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen abgepaßt. Unter dem Vorwand, Jakobs Schwester habe eine Jacke liegengelassen, lockte er das ahnunglose und vertrauensselige Kind, das von den gerade begonnenen Ferien und von Fußball erzählte, in seine nahegelegene Wohnung. Dort fesselte er sein Opfer mit Klebeband, verklebte ihm Mund und Nase, beobachtete aus nächster Nähe das Sterben, kontrollierte den Tod durch einen Atmungstest in einer wassergefüllten Badewanne und verpackte die Leiche in Müllsäcke. Mit dem toten Jungen im Kofferaum fuhr er zur Villa der Eltern und legte einen Erpresserbrief mit der Forderung von einer Million Euro am Gartentor ab. Den Ermordeten brachte er zu einem Teich bei Birstein im Vogelsberg und verbarg ihn unter einem Bootssteg.

          Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß Gäfgen den Plan, das Kind reicher Eltern zu entführen und Geld zu erpressen, monatelang erwogen, verändert und schließlich in die Tat umgesetzt hat. Mit großer krimineller Energie dachte er über die Person des Opfers, die Modalitäten der Entführung und Einzelheiten darüber nach, wie er in Besitz des Lösegeldes kommen könnte. Nachdem er Jakob von Metzler als Opfer ausgewählt hatte, den Sohn einer bekannten Frankfurter Bankiersfamilie, war ihm auch klar, daß er ihn würde töten müssen. Denn Jakob kannte Magnus Gäfgen und hätte ihn mit Sicherheit als Entführer benannt, wäre er am Leben geblieben.

          Der Angeklagte gab den Mord in einem mehrstufigen Aussagemarathon an drei Sitzungstagen, der alle Prozeßbeteiligten auf eine schwere Probe stellte, schließlich zu. Zunächst hatte er erklärt, er habe den Tod des Kindes nicht beabsichtigt, sondern ihm mit Alkohol die Erinnerung nehmen wollen. Dann fand er zu der umwundenen Formulierung, er habe wohl damit rechnen müssen, daß Jakob sterben werde: "Es war so, daß ich in meinem Plan den Tod des Opfers einkalkuliert hatte." Schließlich deutlicher: "Ja, ich habe den Tod Jakobs in Kauf genommen." Im "letzten Wort" sagte Gäfgen vor zehn Tagen, er sei ein Mörder. Zugleich forderte er das Gericht auf, ihn zwar "hart anzufassen", ihm jedoch auch noch eine Zukunftsperspektive zu lassen. Er, als geprüfter Rechtskandidat, hielt damit ein weiteres Plädoyer gegen die drohende Feststellung der Schwere der Schuld.

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