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Mordfall Metzler : Gäfgen klagt über Haftbedingungen

  • Aktualisiert am

„Man kommt Gott sehr nahe”: Magnus Gäfgen Bild: dpa/dpaweb

Außerdem wirft Jakob von Metzlers Mörder der hessischen Justiz nach seiner Verurteilung Verschleppung im Fall Daschner vor. Der Vize-Polizeipräsident hatte dem damaligen Verdächtigen Folter angedroht.

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          Nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Freiheitsstrafe hat der Mörder des elfjährigen Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler, Magnus Gäfgen, dem Berliner „Tagesspiegel“ ein schriftliches Interview gegeben. Die Zeitung teilte am Mittwoch mit, der Vorsitzende Richter Hans Bachl habe die Genehmigung dafür erteilt. Der 28-jährige Häftling des Gefängnisses im hessischen Weiterstadt warf der Staatsanwaltschaft vor, das Ermittlungsverfahren gegen den Frankfurter Polizeivizepräsidenten Wolfgang Daschner zu verschleppen.

          Gegen Daschner laufen seit Januar dieses Jahres Ermittlungen wegen Verdachts der Aussage-Erpressung. Er hatte Gäfgen am 1. Oktober 2002 nach der Festnahme wegen Jakobs Entführung androhen lassen, ein Kampfsportler würde ihm Schmerzen zufügen, wenn er nicht den Aufenthaltsort des Jungen preisgäbe. Gäfgen, der selbst Jurist mit erstem Staatsexamen ist, schrieb in dem Interview: „Daß man das Verfahren gegen Daschner verschleppt, ist offensichtlich. Was soll man von einem Ermittlungsverfahren halten, in dem zehn Monate nach der Tat noch nicht einmal der geschädigte Zeuge gehört wurde?“

          Oberstaatsanwalt: „Lüge“

          Oberstaatsanwalt Rainer Schilling wies diese Behauptung umgehend als „Lüge“ zurück. Gäfgen sei bereits bei den Vorermittlungen zum Daschner-Verfahren von einem Staatsanwalt zu dieser Sache vernommen worden. Über Daschners Verhalten könne Gäfgen gar nichts aussagen, da es keinen persönlichen Kontakt zwischen den beiden gegeben habe.

          Weiter meinte der verurteilte Mörder: „Vielleicht habe ich kein moralisches Recht, mich über diesen Justizskandal zu beschweren; aber jeder rechtsstaatlich denkende Mensch sollte hier sehr hellhörig werden, welcher Weg hier eingeschlagen wird.“ Die Staatsanwaltschaft hatte erklärt, frühestens im Oktober über eine Anklageerhebung gegen Daschner entscheiden zu wollen.

          Komplett isoliert

          Gäfgen beklagte, daß es in der Haftanstalt an Personal fehle. „Die Betreuung durch Seelsorger und Psychologen ist entsprechend. In solch einer Situation ganz allein in der Zelle, kommt man Gott wieder sehr nahe.“ Er habe in der Haft die maximale Sicherheitsstufe und sei komplett isoliert, dennoch fühle er sich bedroht. „Durch die Medien weiß ja jeder hier, wer ich bin, und was ich getan habe.“

          Auf die Frage, ob noch Menschen zu ihm stehen, schrieb der Häftling: „Ich war sehr positiv überrascht, wie viele Leute noch mit mir Kontakt haben wollen und mich unterstützen. Das bestärkt mich auch in der Ansicht, daß ich wohl doch kein Monster von Geburt an war.“

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