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Mord an Rudolph Moshammer : Erinnerungen an den Fall Sedlmayr

  • Aktualisiert am

Der Schauspieler Sedlymayr wurde 1990 ermordet Bild: dpa/dpaweb

In ihrer öffentlichen Rolle hätten Rudolph Moshammer und der Schauspieler Walter Sedlmayr kaum unterschiedlicher sein können. Doch der gewaltsame Tod des Modemachers läßt Erinnerungen an den Fall Sedlmayer wach werden.

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          In ihrer öffentlichen Rolle hätten Rudolph Moshammer und Walter Sedlmayr kaum unterschiedlicher sein können: Hier der exzentrische Modezar Moshammer, der medienwirksame Auftritte liebte und ein fester Bestandteil der Münchner Schickeria war. Dort der scheinbar bodenständige Volksschauspieler und Gastronom Sedlmayr, der das Bild des grantelnden Ur-Bayern pflegte und dessen wahres Ich erst mit seinem spektakulären Tod bekannt wurde. Doch der gewaltsame Tod Moshammers läßt Erinnerungen an den Fall Sedlmayer wach werden.

          Am Morgen des 14. Januar findet Moshammers Fahrer den 59jährigen ermordet in dessen Villa in Grünwald bei München auf - 14 Jahre, nachdem Sedlmayr in seiner Wohnung in München-Schwabing grausam ermordet entdeckt worden war. Sedlmayrs Privatsekretär Werner Dahms hatte den 64jährigen am 15. Juli 1990 tot im Schlafzimmer von dessen Villa gefunden. Die Ermittlungen ergaben, daß Sedlmayr am Vorabend zunächst mit Messerstichen in Hals und Nieren gefoltert und dann mit einem 1.000 Gramm schweren Hammer mit mindestens vier Schlägen erschlagen worden war. Aus dem Besitz des 64jährigen fehlten etwa 7.500 Mark Bargeld, wertvoller Familienschmuck und einige Münzen.

          Sedlmayrs Doppelleben wurde erst nach seinem Tod bekannt

          Die Ermittlungen konzentrierten sich zunächst auf die homosexuelle Stricherszene, in der Sedlmayr verkehrt hatte - was der Öffentlichkeit allerdings erst mit seinem Tod bekannt wurde und den Mordfall noch viel schillernder machte. Lange Zeit stand auch Dahms, der die Leiche gefunden hatte, unter Mordverdacht - er wurde später wegen versuchten Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt, weil er unter anderem Sedlmayrs Testament zu seinen Gunsten zu fälschen versucht hatte. Zu den Hauptverdächtigen gehörte aber schon ziemlich schnell auch Sedlmayrs Ziehsohn und Geschäftspartner Wolfgang W..

          Wolfgang W. war Sedlmayrs Geschäftspartner bei dessen Lokal „Beim Sedlmayr“. Im Mai 1990 war es zu einem schweren Zerwürfnis gekommen, weil der Schauspieler entdeckt hatte, daß Wolfgang W. Waren aus dem gemeinsame Lokal in sein eigenes Restaurant verschoben hatte. Sedlmayr war nach Aussage seiner Anwälte nicht zu einer Versöhnung bereit und änderte sein Vorhaben, seinem Ziehsohn die Hälfte seines Vermögens zu vermachen, was 7 Millionen Mark gewesen wären.

          Auf der Flucht gefaßt

          Knapp ein Jahr nach Sedlmayrs Tod wurde Wolfgang W. am 1. Juli 1991 festgenommen. Sein Halbbruder Manfred L. wurde am 12. Juli auf der Flucht gefaßt. Die Polizei hatte zuvor zwei private Spitzel das Umfeld der Verdächtigen über Monate hinweg ausspähen lassen. Nachdem ein V-Mann das Vertrauen der Verlobten von Manfred L. erworben hatte, erzählte diese ihm ungefragt, daß die Tatwaffe aus ihrem Haushalt stamme und berichtete auf Nachfragen weitere Details.

          Am 23. November 1992 begann vor dem Landgericht München I ein spektakulärer Indizienprozeß gegen die beiden Halbbrüder. Am 21. Mai 1993 wurden Wolfgang W. und Manfred L., damals 38 und 40 Jahre alt, des Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stützte sich dabei auf ein widerrufenes Geständnis, Zeugenaussagen von Mithäftlingen des Wolfgang W., wonach dieser den Mord gestanden hatte, und Indizien wie rote Fasern an der Kleidung von Manfred L., die nach Überzeugung des Gerichts identisch mit Fasern aus dem Münzkoffer in Sedlmayrs Wohnung waren. Bei Wolfgang W. wurde die besondere Schwere der Schuld erkannt.

          Eklat bei der Urteilsverkündung

          Die Urteilsverkündung selbst geriet zum Eklat: Die Angeklagten, die jede Schuld bestritten, riefen lauthals immer wieder „Sauerei!“, „Pfui Teufel!“ und „Wo bleibt die Würde des Menschen?“, sodaß sie von der Urteilsbegründung ausgeschlossen wurden. Eine Revision beim Bundesgerichtshof wurde am 21. Juli 1994 als unbegründet zurückgewiesen, auch das Bundesverfassungsgericht wies am 24. März 2000 eine Beschwerde der Brüder wegen Stützung des Urteils auf Aussagen eines V-Manns ab.

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