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Mondlandung : Moongate II

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

War jemals ein Mensch auf dem Mond? Mit der Ankündigung des neuen amerikanischen Raumfahrtprogramms kommt wieder die große Zeit der interstellaren Verschwörungstheorien.

          5 Min.

          In den Sternen steht es wohl nicht mehr: Präsident Bush wird an diesem Mittwoch ein neues Raumfahrtprogramm der Vereinigten Staaten mit bemannter Mondstation und Astronautenflug zum Mars ankündigen. Dafür dürften ihn einige am liebsten auf den Mond schießen wollen, auch jene Erdspezies, die als Verschwörungstheoretiker immer einmal wieder von sich reden macht, wenn es um Besuche bei Frau Luna geht.

          Sie hängen mit schlafwandlerischer Selbstsicherheit dem Glauben an, die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa und in ihrem Rücken die Regierung habe die Fernsehbilder der bemannten Apollo-Mondflüge (1969 bis 1972) in einem Filmstudio in der Wüste Nevadas drehen lassen - zur Täuschung der terrestrischen Welt und der Erdlinge an den Fernsehgeräten. In Wirklichkeit habe nie ein Mensch den Fuß auf den Mond gesetzt.

          Nie auf dem Mond

          Damit an dieses größte Verschwörungsgeheimnis der Menschheitsgeschichte keiner rühre, habe es bis heute nie auch nur einen Versuch gegeben, tatsächlich zum Mond zu gelangen. Dieses Argument wird den Verschwörungstheoretikern nun genommen, wenn Bush seine Mondmänner und Lunarfrauen losschickt. Aber wer wie die Verschwörungstheoretiker im Besitz der Wahrheit ist, wird sich auch von allenfalls anfallenden stationären Tatsachen nicht aus der Umlaufbahn werfen lassen.

          Einer größeren Öffentlichkeit wurden die "Nie-auf-dem-Mond"-Sektierer bekannt, als der amerikanische Fernsehsender "Fox TV network" am 15. Februar 2001 die Sendung "Conspiracy Theory: Did We Land on the Moon?" ausstrahlte. Eine Stunde lang kamen darin die Propheten der "Moon-Hoax"-Gemeinde zu Wort, allen voran Bill Kaysing. Er war von 1956 bis 1963 verantwortlich für die technischen Publikationen im südkalifornischen "Rocketdyne Research Department", der Forschungsabteilung eines Unternehmens, das Teile für das Antriebssystem von Apollo zulieferte.

          Ein großer Schritt für die Menschheit

          Kaysing behauptete, in einer "Machbarkeitsstudie" seines Unternehmens sei die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen bemannten Mondmission damals mit 0,0017 Prozent ermittelt worden. Amerika habe einfach nicht die technischen Mittel für eine Mondlandung gehabt. Im Kalten Krieg mit der Sowjetunion hätten aber Erfolge hergemußt, zumal da der östliche Gegner mit "Sputnik 1" und dem ersten Menschen im All, Jurij Gagarin, im Wettlauf vorne gelegen habe.

          So habe Präsident Kennedy 1961 der im Stolz verletzten Nation versprochen, daß noch in diesem Jahrzehnt ein Amerikaner auf dem Mond landen werde. Das aber sei eben nicht zu machen gewesen, und deshalb sei der außerirdische Plan herangereift, Neil Armstrong den "großen Schritt für die Menschheit" im Studio tun zu lassen - manche glauben zu wissen, Regie habe Stanley Kubrick geführt. Angenehme Spezialnebeneffekte: Die Amerikaner vergessen den heraufziehenden Vietnamkrieg, und die Kalten Krieger der Nasa lassen nicht weniger als 25 Milliarden Mond-Steuerdollar in ihre gefräßigen Kassen fließen.

          "Gehirnwäsche"

          Die gewaltigen Saturnraketen, so Kaysing, sind zwar in Cape Canaveral gestartet, haben dann aber Kurs auf den Südpol genommen, dort heimlich die Apollo-Kapseln samt Besatzung ausgeklinkt, die wiederum mit Schiffen der Kriegsmarine pünktlich zur "Landung" in den Atlantik gebracht wurden. Daß weder das Dutzend amerikanischer Mondbetreter noch die Tausende Nasa-Angestellten je irgendeinen Hinweis auf die "Filmaufnahmen" gaben, focht Kaysing nicht an, auch nicht, daß Hunderte Wissenschaftler in aller Welt die Gesteinsproben vom Mond untersuchten und nicht ein einziger von ihnen an ihrer Herkunft zweifelte.

          "Gehirnwäsche" sei im Spiel gewesen, Bestechung, Drohungen. Die Brandkatastrophe von Apollo1 am 27. Januar 1967, bei der die Astronauten Roger Chaffee, Ed White und Gus Grissom ums Leben kamen, sei kein Unfall gewesen: Diese drei hätten das große Geheimnis - Gehirnwäsche versagt? - ausplaudern wollen und seien von der Nasa ermordet worden.

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