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Mondfinsternis : Über den Wolken

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Der Mond über Manila auf den Philippinen: Die Färbung rührt von rötlichem Licht, das von der Erdatmosphäre in den Erdschatten gelenkt wird Bild: dapd

Die längste Mondfinsternis seit mehr als zehn Jahren hat Menschen in aller Welt begeistert, nicht aber in Deutschland - zu bewölkt war es. In anderen Ländern war ein Himmelsschauspiel zu sehen, dessen Höhepunkt ein blutrot gefärbter Mond war.

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          Die Mondfinsternis fand in Deutschland über einer dichten Wolkendecke statt. So blieb auch der rote „Blutmond“ weitgehend hinter Wolken verborgen. „Es sind zwar Wolkenlücken dagewesen, aber das Ganze hat sich zu sehr am Horizont abgespielt“, berichtete der Sprecher der Vereinigung der Sternfreunde, Jost Jahn. „Es wäre reine Glückssache gewesen, da einen Blick schräg hindurch zu erhaschen.“ Vor allem im Süden machte der Deutsche Wetterdienst (DWD) zwar auch immer wieder Wolkenlücken aus. Vielerorts sei der Himmel aber komplett zugezogen gewesen, berichteten die Meteorologen in Offenbach.

          Beobachter zwischen Norwegen und Australien sowie vom Iran bis nach Brasilien konnten bestaunen, wie der Erdtrabant langsam in den Schatten unseres Planeten eintauchte und sich dabei tiefrot färbte. Zu einer Mondfinsternis kommt es, wenn der Mond durch den Erdschatten wandert. Der rote Schimmer dabei rührt von langwelligem Licht, das von der Erdatmosphäre in den Schattenkegel gestreut wird. Die genaue Färbung hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Asche- und Staubgehalt der Erdatmosphäre ab und kann von Finsternis zu Finsternis variieren.

          Mehr als fünf Stunden dauerte die Mondfinsternis an

          Die vollständige Mondfinsternis war mit einer Stunde und 40 Minuten dieses Mal außergewöhnlich lang. Europa verpasste den ersten Teil der insgesamt fünfeinhalb Stunden langen Mondfinsternis, weil der Mond hier noch nicht aufgegangen war. Das kosmische Schattenspiel begann kurz vor 20.30 Uhr (MESZ), als sich der Erdschatten langsam über den Vollmond legte. Über Deutschland war der Erdtrabant zu dieser Zeit allerdings noch gar nicht aufgegangen. Hier kroch er erst nach 21.00 Uhr und meist schon völlig verfinstert über den Südosthorizont.

          Während des Himmelsschauspiels zeigt sich der Mond im Torbogen des Kolosseums von Rom
          Während des Himmelsschauspiels zeigt sich der Mond im Torbogen des Kolosseums von Rom : Bild: REUTERS

          Vielerorts versuchten die Beobachter dann vergeblich, bis zum Ende des Spektakels gegen Mitternacht einen Blick durch Wolkenlücken zu erhaschen - der „Blutmond“ stieg bis dahin nur 10 bis 15 Grad über den Horizont. „Weder im Westen von Köln noch in Kirchheim bei Erfurt konnten wir während der Wanderung des Mondes durch den Kernschatten der Erde eine passende Lücke in den Wolken ergattern“, berichteten die Amateurastronomen der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) im Internet. In Berlin und Hamburg blieb es ebenfalls weitgehend bedeckt.

          „Die Färbung war etwas dunkler“

          Deutlich besser waren die Bedingungen für die Himmelsgucker nach Angaben der Berliner Wilhelm-Foerster-Sternwarte im östlichen Mittelmeergebiet, im südlichen Afrika und auf den Inseln im Indischen Ozean. Auch Ost- und Zentralafrika, der Nahe und Mittlere Osten, Südasien und die Antarktis zählten dazu. Live-Bilder aus Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigten den verfinsterten Erdtrabanten in Dunkelrot. „Die Färbung war etwas dunkler als ich sie bei früheren Finsternissen gesehen habe“, berichtete etwa eine Beobachterin aus Ungarn auf der Internetseite spaceweather.com. Ursache könnte die Asche der chilenischen Vulkankette Caulle sein. Sie hatte Anfang Juni riesige Aschemengen in die Atmosphäre geblasen, die auch den Flugverkehr in Australien beeinträchtigt hat.

          Je klarer die Atmosphäre ist, desto heller erscheint der Mond während einer Finsternis. In der Nacht zu Donnerstag lief der Erdtrabant allerdings fast mittig durch den Schattenkegel unseres Planeten, wohin am wenigsten Licht gestreut wird. Auch dadurch könnte er dunkler erschienen sein, wie Astronomen erläuterten.

          Die nächste Mondfinsternis über Deutschland findet im Jahr 2015 statt

          Insgesamt verbrachte der Mond mehr als 100 Minuten komplett im Kernschatten der Erde. Einen Logenplatz für das Spektakel hatte die NASA-Mondsonde „Lunar Reconnaissance Orbiter“ (LRO): Sie kreist in nur rund 50 Kilometern Höhe über dem Erdtrabanten und sollte messen, wie stark sich die Mondoberfläche während der Finsternis abkühlt, wenn das Sonnenlicht von der Erde abgeschattet wird. Eine Auswertung der Daten lag am Donnerstag noch nicht vor.

          Deutsche Sternengucker können jetzt auf 28. September 2015 hoffen, wenn hierzulande die nächste totale Mondfinsternis zu beobachten sein wird. Zwar kommt es am 10. Dezember 2011 erneut zu einer totalen Finsternis, über Deutschland geht der Mond dann jedoch erst nach dem Ende der totalen Phase auf.

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