https://www.faz.net/-gum-oktw

Mondbesiedlung : Ein Häuschen auf dem Mond

  • -Aktualisiert am

1986 ließ die Nasa von einem Künstler diese Mondbasis entwerfen Bild: ddp

Präsident Bush hat wieder einmal eine recht kostspielige Vision: Er will eine Station auf dem Mond errichten. Aber wozu soll sie denn gut sein?

          "Nach der Landung schiffen wir zunächst einmal die ganze Ausrüstung aus. Schon ein paar Minuten nach der Ankunft schwenken die Ingenieure die großen Kräne an den Seiten der Passagierschiffe aus, um mit ihrer Hilfe die Besatzungen, Wissenschaftler und Techniker zum Boden hinunterzulassen." Vor rund fünfzig Jahren entwickelte Wernher von Braun eine technische Vision vom Aufbau einer Mondstation, die die Erkundung des Trabanten der Erde vom Geruch des Phantastischen befreien sollte. Entstanden war diese Vision für das "Collier's Magazine", als Buch 1953 unter dem Titel "Conquest of the Moon" im Verlag "The Viking Press" erschienen. Wernher von Braun war es schließlich, der mit der Entwicklung der gigantischen Trägerrakete Saturn V die bemannten Apollo-Missionen zum Mond ermöglichte, die der damalige Präsident Kennedy 1961 noch für das laufende Jahrzehnt gefordert hatte. Damit sollten die Amerikaner die Überlegenheit in der Raumfahrt gegenüber der Sowjetunion gewinnen, die den ersten Erdsatelliten (Sputnik 1) und den ersten Raumfahrer (Gagarin) für sich verbucht hatte.

          Der Präsident hatte den Traum vom Flug zum Mond vor dem Hintergrund des Kalten Krieges in die nüchterne Sprache der Finanzierbarkeit übersetzt und die anspruchsvolle Expedition in kurze Stippvisiten von wenigen Tagen Dauer umgewandelt. In den spartanisch eingerichteten Apollo-Mondfähren gab es noch nicht einmal Schlafstätten für die Astronauten. Kennedy hatte der Welt sozusagen eine Fastfood-Mahlzeit statt des erträumten Hummergerichts vorgesetzt. Nun will Präsident Bush das Hummergericht offenbar nachreichen. Alles deutet darauf hin, daß er jetzt den Bau einer bemannten Mondstation bis zum Jahr 2013 oder 2015 verkünden wird, von wo später bemannte Flüge zum Mars ihren Ausgang nehmen sollen.

          Fernziele für die bemannte Raumfahrt vorzugeben scheint für amerikanische Präsidenten eine beliebte Tätigkeit zu sein, doch die Realität dabei zu beachten wird offenbar immer schwerer. Kennedy hatte es wegen der weltpolitischen Lage noch vergleichsweise einfach, die sechziger Jahre auf die Mondlandung auszurichten, und auch für die siebziger Jahre gab es ein Ziel, das sich anbot - die Entwicklung eines wiederverwendbaren Raumtransporters, der die Einwegraketen überflüssig machen und die Raumfahrt damit auf ein sinnvolles Preisniveau senken sollte.

          Wiederverwendbarkeit senkt Kosten keineswegs

          Legt man die ursprünglichen Vorstellungen zugrunde, hat sich die Nasa mit dem Spaceshuttle allerdings übernommen. Denn durch die Wiederverwendbarkeit sind die Kosten keineswegs gesenkt worden. Man hatte die einfache Technik der Raketen durch kostspielige High-Tech ersetzt und ein Vehikel entworfen, das einen großen Wartungsaufwand erforderte und längst nicht so oft starten konnte, daß sich die Entwicklungskosten rentierten. Hinzu kommt ein weiterer Nachteil, der anfangs noch keine große Bedeutung hatte: Wegen ihres enormen Gewichts, das unter anderem wegen der Landetechnik zustande gekommen ist, gelangt der Shuttle nicht mehr als einige hundert Kilometer über die Erde hinaus. Wer jetzt eine Mondstation haben will, muß zunächst also ein geeignetes Transportsystem entwickeln.

          Weitere Themen

          Anwälte wollen Urteil nicht akzeptieren Video-Seite öffnen

          Messerangriff von Chmenitz : Anwälte wollen Urteil nicht akzeptieren

          Das Landgericht Chemnitz hat den 24-jährigen Alaa S. wegen eines tödlichen Messerangriffs am Rande eines Stadtfests in Chemnitz zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Verteidiger des Syrers legten umgehend Revision ein.

          Topmeldungen

          Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Willkommen in Nordirland“ steht am Straßenrand an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.

          Brexit-Streit : Auf gar keinen Fall Kontrollen

          Boris Johnson und die EU sind sich zumindest in einem Punkt einig: Grenzkontrollen zwischen Irland und Nordirland dürfen nicht sein. Doch wie soll das ohne Backstop-Klausel gehen?
          Frankfurts David Abraham (l.) und Goncalo Paciencia (r.) können Lebo Mothiba von Racing Straßburg nicht stoppen.

          Frankfurt patzt in Straßburg : Alle Hoffnung auf Teil zwei

          Eintracht Frankfurt muss um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League bangen. Im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg konnte der Bundesligist vor allem in der ersten Hälfte nicht überzeugen und verlor mit 0:1.
          Der gemeinnützige Verein Deutsches Tagebucharchiv e. V hat seinen Sitz in Emmendingen, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs.

          Erinnerungen : Einblicke in die deutsche Seele

          Das Deutsche Tagebucharchiv sammelt Lebenserinnerungen und Briefe jeglicher Art – von ganz gewöhnlichen Menschen. Es sind faszinierende Dokumente,die die Vergangenheit spürbar machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.