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Mögliches Sicherheitsrisiko : Mit Epilepsie-Erkrankung ans Steuer?

  • -Aktualisiert am

Ein zerstörter SUV wird nach dem schweren Unfall in Berlin-Mitte auf einen Abschleppwagen gehoben. Bild: dpa

Der SUV-Unfall in Berlin-Mitte mit vier Toten wurde wahrscheinlich durch einen epileptischen Anfall ausgelöst. Es gibt strikte Regelungen für Erkrankte, ob sie am Verkehr teilnehmen dürfen – doch reichen die aus?

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          Vor mehr als einem Monat ereignete sich in Berlin-Mitte ein Unfall mit tödlichen Folgen: Der Fahrer eines SUV erleidet laut Staatsanwaltschaft einen „Krampfanfall“, als er plötzlich aus einer an der Ampel wartenden Autoschlange ausschert und mit 104 Stundenkilometern in eine Gruppe Passanten hinein rast – vier Menschen sterben, darunter ein Dreijähriger. Berichten zufolge litt der Autofahrer unter einem epileptischen Anfall und nahm regelmäßig Medikamente ein.

          Auch vor etwa sieben Jahren raste in Hamburg ein unter einem epileptischen Anfall leidender Autofahrer in eine Gruppe von Passanten und Radlern – vier Menschen starben. Wurde nach dem Unfall in Berlin zunächst heftig darüber diskutiert, ob SUVs in Städten erlaubt bleiben sollten, stellt sich unter dem neuen Hintergrund nun die Frage, ob das Risiko durch an Epilepsie leidende Menschen im Straßenverkehr ausreichend eingegrenzt wird.

          Norbert van Kampen, Vorsitzender der Deutschen Epilepsievereinigung, ist der Meinung, dass ein unter Epilepsie leidender Mensch keine größere Gefahr für den Straßenverkehr darstellt – solange dieser sich an die Regeln hält. Diese sind sehr strikt und hängen von der Art der Epilepsie-Erkrankung ab, doch grob gilt: Wer ein Jahr keine epileptischen Anfälle hatte und dies von seinem behandelnden Arzt bestätigen lässt, darf laut Regelung wieder Autofahren. In diesem Fall gibt es kein erhöhtes Risiko, dass es zum Unfall kommt.

          Ein einmaliger Anfall

          Ausschließen kann man die Gefahr durch einen epileptischen Anfall jedoch nie ganz. Aber das könne man laut van Kampen auch bei anderen Risikogruppen nicht: „Junge Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren haben ein sehr viel höheres Risiko, einen Unfall zu verursachen, aber denen wird ja auch nicht gesagt, sie dürfen kein Auto fahren.“

          Etwa 0,5 bis 0,9 Prozent der Deutschen leiden an Epilepsie – das sind 500.000 bis 600.000 Menschen. Grundsätzlich kann jeder Mensch – auch ein gesunder – einen epileptischen Anfall erleiden: Fünf bis zehn Prozent der Deutschen erleben einmal in ihrem Leben einen solchen. Aus diesem Grund ist es umso fragwürdiger, Personen, die einmal einen epileptischen Anfall haben, sofort den Führerschein zu entziehen, findet van Kampen. Ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall würden im Straßenverkehr ebenfalls eine Gefahr darstellen – lassen sich aber auch nicht vorhersehen.

          Wird die Epilepsie-Erkrankung erst einmal festgestellt, lassen sich gewisse Vorbeugungen treffen: Wenn die Diagnose fällt, beginnt mit der ärztlichen Betreuung auch eine medikamentöse Behandlung. Ob der Patient wieder Autofahren darf, erfolgt nicht nach eigenem Ermessen, sondern muss von dem behandelten Arzt entschieden werden. Der Arzt muss sich auf die Angaben des Patienten verlassen – wenn dieser versichert, er habe keine Anfälle innerhalb dieses Jahres erlitten, wird ihm die Fahrerlaubnis wieder erteilt.

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