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Modefrage I : Was ist der Unterschied zwischen Pret-à-Porter und Haute Couture?

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Kunst oder Couture? Entwurf von John Galliano von 2004 Bild: AP

Worin unterscheidet sich Pret-à-Porter von Haute Couture? Seit wann gibt es eigentlich die Pret-à-Porter? Wer war der erste offizielle Modedesigner? Was ist die Chambre Syndicale? Und warum entwerfen Designer eigentlich Mode, die auf der Straße sowieso niemand tragen kann?

          Der Unterschied zwischen Haute Couture und Prêt-à-Porter besteht vor allem darin, dass Haute Couture immer noch von Hand gefertigt wird. In einem Couturekleid stecken oft unzählige Stunden Handarbeit, in denen eine Näherin zum Beispiel jede einzelne Perle auf ein Kleid gestickt hat. In der Prêt-à-Porter dagegen wird die Konfektion industriell hergestellt.

          Doch haben Sie sich auch schon oft gefragt, warum Designer eigentlich Haute Couture entwerfen, wenn sie sowieso keiner tragen kann? Sich eine Haute-Couture-Kollektion zu leisten ist für die meisten Häuser eine reine Prestigesache. Denn damit verdienen die Marken nicht das große Geld, da der Kundenstamm sehr begrenzt ist. Ein Couturekleid kann man zudem nur zu ganz besonderen Anlässen tragen. Auch bei den Pret-à-Porter-Schauen denkt sich der Laie oft: „Wer zieht so etwas an?“ Doch bei beidem geht es primär darum, Trends zu setzen. Denn die Trendentstehung kennt nur zwei Wege: entweder „Bubble up“ oder „Trickle down“.

          Es geht darum, Trends zu setzen

          Das Trendentstehungsprinzip „Bubble up“ erklärte Ted Polhemus 1995 in seinem Werk „From Sidewalk to Catwalk“, in dem er beschreibt, wie es Trends der Sub- und Jugendkulturen, wie zum Beispiel Punk oder HipHop von der Straße auf den Laufsteg geschafft haben.

          Kreation aus der Haute-Couture-Kollektion von John Galliano für Dior aus dem Jahr 2003

          Es funktioniert jedoch auch genau anders herum, nach dem „Trickle down“-System, das zum ersten Mal Thorstein Veblen in seinem 1899 erschienenen Buch „Theorie der feinen Leute“ erklärt hat. Genau dafür sind nämlich die Modenschauen verantwortlich. Denn sobald ein neuer Look auf den Laufstegen zu sehen ist, berichten darüber die Medien. Dieser neue Trend wird von Modegurus aufgegriffen, erscheint in Hochglanzmagazinen - und Modebewusste adaptieren ihn. Schließlich kommt es zur Produktion billigerer Versionen und damit zu einer breiteren Verfügbarkeit des Trends, bis er schließlich bei der Masse angekommen ist. Doch bis es zu diesem demokratischen System kam, in dem Mode jedem zugänglich ist, war es ein weiter Weg.

          Prestigemode existiert heute neben Konsummode

          Im 19. Jahrhundert, genauer 1858, entstand die Haute Couture durch den Designer Charles Frederick Worth. Er war der erste Modemacher, der in seinem Pariser Salon Modelle für die Kundinnen entwarf und nicht erst auf Wunsch anfertigte. Zehn Jahre später, 1868, wurde in Paris die Chambre Syndicale de la Haute Couture gegründet, eine Art Komittee, das fortan über die Haute Couture herrschte.

          Als in den sechziger Jahren Yves Saint Laurent zum ersten Mal Prêt-à-porter auf dem Laufsteg zeigte, war das Entsetzen zunächst groß. Noch nie zuvor hatte ein Designer es gewagt, zum Beispiel Jeans oder Lederblousons bei den Schauen zu präsentieren. Unter Mode hatte man vorher im Wesentlichen nur Haute Couture verstanden. Die Massenkonfektion wurde zu Beginn mit dem Ende der echten Mode und dem Untergang der Kleiderkunst gleichgesetzt. Zum Glück hat sich diese Prophezeiung nicht bewahrheitet: Neben der Prestigemode existiert heute auch die Konsummode. Durch die Konfektion ist Mode jedermann zugänglich geworden.

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