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Mentalmagier : Das kann doch nicht sein!

So? Oder doch anders? Die beiden Magier am Mittwochabend vor der Show. Bild: Maria Klenner

Thommy Ten und Amélie van Tass sind Mentalmagier. Das heißt, sie können hellsehen, oder sie tun zumindest so. Katrin Hummel erklärt, wie so was funktionieren kann.

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          Es ist ein Moment, in dem man sich einfach fallen lassen möchte. In dem man alle Viere von sich streckt und bereit ist, zu glauben, dass diese beiden Menschen, die da oben auf der Bühne stehen, wirklich zaubern können. Egal, wie skeptisch man vorher war. Egal, wie doof man Zauberer eigentlich findet. Und obwohl die beiden nie behauptet haben, zaubern zu können.

          Katrin Hummel
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was ist passiert? Thommy Ten und Amélie van Tass, zwei 30 Jahre alte Mentalmagier, also Zauberer, die in die Köpfe der Menschen „hineinkriechen“, haben gerade dafür gesorgt, dass zwei Zuschauer aus dem Publikum, die sich vorher wirklich nicht kannten und die rein zufällig ausgewählt wurden, ihre Gedanken gleichgeschaltet haben. Genauer: Ein Mann und eine Frau, beide um die 40, sollten sich jeweils einen Begriff ausdenken. Der Mann sollte ihn niederschreiben, die Frau, die gute fünf Meter von dem Mann entfernt auf einem Hocker saß, ihn als Erste laut aussprechen. „Sonnenschein“, sagte die Frau. Und was hatte der Mann zuvor auf seinen Zettel geschrieben? „Sonnenschein.“

          Gedankliche Gleichschaltung

          Klar, die beiden Magier hatten die beiden Zuschauer vorher mit Worten wie „Urlaub“, die sie beiläufig fallen ließen, in Richtung Sonnenschein gelenkt. Aber trotzdem. Das kann doch nicht ausreichen, um eine solche gedankliche Gleichschaltung zu erreichen! Natürlich nicht. Es ist viel komplizierter. Zwar verraten Thommy Ten und Amélie van Tass im Interview vor ihrem Auftritt am Mittwochabend in der Frankfurter Jahrhunderthalle mit keinem Sterbenswörtchen, wie ihre Tricks funktionieren, aber andere Mentalmagier sind weniger verschwiegen. Einer der berühmtesten englischen Mentalisten, Derren Brown, hat mal gesagt, dass seine Tricks durch eine Mischung aus Zauberkunst, Suggestion, Irreführung und geschickter Präsentation funktionieren. Außerdem können Mentalmagier Augenbewegungen deuten, unbewusste Gesten wahrnehmen und Mimik und Körpersprache lesen. Und sie haben die Fähigkeit, Menschen sprachlich in einen imaginären Raum zu entführen und eine Erzählung zu erfinden, die dazu führt, dass die Menschen am Ende das sagen, was die Mentalisten wollen.

          Das alles ist natürlich das Ergebnis harter Übung. Thommy Ten, mit bürgerlichem Namen Thomas Höschele, wurde im österreichischen St. Pölten geboren und bekam mit zehn Jahren einen Katalog für Zauberer geschenkt, nachdem er einen Zauberer, der auf einem Kindergeburtstag aufgetreten war, so lange genervt hatte, bis der Mann verstand, dass es dem kleinen Thomas wirklich ernst war mit der Zauberei. Fortan war dieser Katalog Thommys Bibel. Mit 13 wurde er Österreichischer Meister der Juniorenmagie, mit 24 Deutscher Meister der Mentalmagie.

          Fortan hagelte es Preise über Preise, nebenbei schrieb er noch ein Buch, „Zauberkunst lernen mit Thommy Ten“. 2015 wurde er dann gemeinsam mit seiner Partnerin Amélie van Tass, einer ausgebildeten Tänzerin und studierten Sozialpädagogin, die mit bürgerlichem Namen Christina Gruber heißt und ebenfalls aus St. Pölten stammt, Weltmeister der Mentalmagie. Auch privat sind die beiden ein Paar, und inzwischen finden sie ihre Bühne vor allem in Amerika, wo sie im vergangenen Jahr den zweiten Platz bei „America’s Got Talent“, einer der größten Talentshows der Welt, belegten.

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