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Misslungene Restauration : Seht her, ein Affe!

Ecce homo? Das Fresko von Elías García Martínez (links) sieht nach der Restaurierung (rechts) irgendwie anders aus.
          3 Min.

          Eigentlich weiß Cecilia Giménez immer noch nicht, was sie falsch gemacht haben soll. Der mehr als 80 Jahre alten spanischen Hobby-Malerin war schon seit langem aufgefallen, dass der „Ecce Homo“ an der Wand der Barmherzigkeitskapelle gleich außerhalb des Dorfs Borja in Aragonien gar nicht mehr gut aussah. Die feuchte Witterung hatte die Christusdarstellung angegriffen, Salpeter hatte sich auf die blassen Farben gelegt. Wo früher einmal das Haar gewesen war, zeigten sich hässliche weiße Flecken. Und beim Gewand hatte Cecilia Giménez ohnehin schon seit Jahren zum Pinsel gegriffen und frische Farbe nachgelegt, damit man die Schäden nicht so sah.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Und jetzt? Nun, jeder im Dorf habe doch gesehen, dass sie sich an das Restaurieren des Freskos gemacht habe, sagte sie dem spanischen Fernsehen. So etwas gehe doch nicht heimlich. Auch der Priester habe Bescheid gewusst, sagt sie. Nur eben sei ihr die Sache im Eifer des Gefechts „entglitten“.

          Das ist eine höfliche Umschreibung dessen, was inzwischen zu einer internationalen Lachnummer geworden ist, in der es schwer ist, die Würde zu bewahren. Denn die selbsternannte Restauratorin Cecilia Giménez, verwitwet, hat aus dem Gesicht des leidenden Christus ein Äffchen gemacht. Und die ganze Welt lacht darüber: Man braucht nur „Ecce homo de Borja“ in die Suchmaschine einzugeben.

          „Ecce mono“

          Das Antlitz des originalen Christus ist nicht wiederzuerkennen. Die Dornenkrone ist verschwunden, die schönen Züge des Schmerzensmannes auch, und an ihre Stelle sind plane beigefarbene und braune Farbflächen mit weichen Konturen getreten. Wie gesagt, eher Äffchen als Mensch, je nach Phantasie, und genauso haben Witzbolde im Internet das neue Wesen auch getauft: „Ecce mono“. Seht her, welcher Affe!

          Nun ist es wichtig, die Kirche gewissermaßen in Borja zu lassen und Entwarnung zu geben. Der Wert des vor rund 90 Jahren geschaffenen Originalbildes hält sich in engen Grenzen. Nirgendwo ist das Werk erfasst, es gilt nicht als Kulturschatz, und wer sich ärgern dürfte, sind vor allem ernste Menschen in der Kurie, die jetzt eine örtliche Jesus-Darstellung mit religiöser Bedeutung dem Gespött der spanischen und internationalen Medien ausgesetzt sehen.

          Der Künstler übrigens, ein Maler namens Elías García Martínez, hat für die Anfertigung der Malerei nicht viel Zeit gebraucht, wenn man der Inschrift trauen darf, die früher einmal lesbar war und inzwischen verblasst ist. „Dies ist das Ergebnis von zwei Stunden Arbeit für die Jungfrau der Barmherzigkeit“, hieß es da. Im Grunde also hat der Maler es so ähnlich gemacht wie jetzt die Rentnerin: zum Pinsel gegriffen und frisch ans Werk. Nur die Enkelin des Malers ist nicht amüsiert. Sie hängt an dem Bild, weil die Familie seinerzeit die Sommerferien in Borja zu verbringen pflegte.

          Restauratoren sollen den Schaden begutachten

          Kommende Woche werden Restauratoren erwartet, die den Schaden begutachten. Pessimisten glauben nicht, dass sich das schwer beschädigte Bild retten lässt, aber man darf sicher sein, dass die Welt rechtzeitig davon erfährt. Der Kulturreferent von Borja sagte, die Amateurkünstlerin habe jedenfalls niemanden „um Erlaubnis gebeten“, was ein Problem darstellen könne. Auch juristische Schritte seitens der Familie oder der Gemeinde sind nicht völlig auszuschließen, wenn auch unwahrscheinlich. Denn das Volk, die Netzgemeinde, hat sich des Themas längst bemächtigt.

          Tatsächlich dauerte es nur wenige Stunden, da hatte die Spaßgesellschaft den Skandal in sein Gegenteil verkehrt. Ein inferiores religiöses Kunstwerk, das sich in seine eigene Fratze verwandelt hatte, erlangte über Nacht Kultstatus, nicht trotz seiner objektiven Hässlichkeit, sondern genau deswegen. Die Stümperei wirkt wie eine Karnevalisierung der strengen devoten Absicht, und dass es sich dabei um eine wohlmeinende Rentnerin handelt, kommt umso gelegener. Längst wimmelt es im Netz von Parodien der unfreiwilligen Parodie. Und jeder, der Lust dazu hat, setzt neue Gesichter in die fromme Bildvorlage.

          Auch eine Initiative hat sich gegründet, die per Unterschriftensammlung fordert, das Äffchen als Verbesserung des Originals anzusehen und nicht wieder zu überpinseln. Ein paar tausend Namen sollen schon zusammengekommen sein. So könnte es also sein, dass Cecilia Giménez, die bisher mit ihren HobbyArbeiten keine besondere Anerkennung gefunden hat, im Zeichen der Trashkultur zu hohen Ehren und überraschendem Ruhm kommt. Schon fallen Touristen nach Borja ein, um „Ecce mono“ zu besichtigen, und wer weiß, ob man nicht bald Eintritt dafür nehmen muss.

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