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HI-Virus zurückgekehrt : Ein Baby schreibt Geschichte

Die Ärztin Deborah Persaud Bild: AP

Das „Mississippi-Mädchen“ war die Hoffnung der Aids-Forschung. Das Mädchen, das mit dem HI-Virus zur Welt gekommen war, galt für 27 Monate als „geheilt“. Warum das Virus nun zurückgekehrt ist, beschäftigt die Welt-Aidskonferenz.

          Ein Baby ist das „Mississippi-Baby“ längst nicht mehr. Fast vier Jahre ist das Mädchen nun alt. Wenig ist von ihm bekannt. Nicht einmal der Name der Kleinen wurde veröffentlicht, als sie im März 2013 Medizingeschichte schrieb. Ihre Ärztin, Deborah Persaud, ist auch bei der Welt-Aidskonferenz in Melbourne peinlich darauf bedacht, die Anonymität von Mutter und Tochter zu wahren. Die junge Professorin für Infektionskrankheiten am Kinderzentrum des Johns-Hopkins-Krankenhauses in Baltimore, die für die Konferenz eingeflogen wurde, um vermeintlich schlechte Nachrichten zu verkünden, fühlt sich sichtlich unwohl im Mittelpunkt des Interesses. Ihr „Baby“, das HIV-infiziert zur Welt kam, nach einigen Monaten der intensiven Behandlung aber plötzlich als „geheilt“ galt und das für erstaunliche 27 Monate, ist wieder krank. Das HI-Virus ist zurück.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Nicht nur für uns, auch für die Familie ist das natürlich ein Schock“, sagt Deborah Persaud, die aus der Ferne die virologischen Untersuchungen des Kindes leitet. Doch das Mädchen werde wieder erfolgreich an der Universität von Mississippi in Jackson mit antiretroviralen Medikamenten (ART) behandelt. Die Viruslast im Blut habe sich so innerhalb kürzester Zeit nahezu halbiert. Was sie über das Kind sagen kann, lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Es kam irgendwann 2010 in einer Klinik in Mississippi vorzeitig zur Welt. Die Mutter war HIV-infiziert, was ihre Ärzte aber erst kurz vor der Geburt herausfanden – zu spät, um die Schwangere mit Aids-Medikamenten zu behandeln.

          Behandlung kommt auch dem Ungeborenen zugute

          Entscheidend ist die frühzeitige Therapie einer HIV-infizierten Schwangeren. Die Behandlung kommt auch dem Ungeborenen zugute, weil die Mutter Antikörper an den Fötus weitergibt, die einen gewissen Schutz für das Kind bedeuten. In etwa 30 Prozent der Fälle überträgt die Schwangere das Virus. Das Risiko sinkt auf weniger als zwei Prozent, wenn sie rechtzeitig mit Aids-Medikamenten behandelt wird. Um eine mögliche Ansteckung zu verhindern, werden diese Mittel dem Neugeborenen dann ebenfalls so früh wie möglich verabreicht.

          Das „Mississippi-Baby“ hat sich nach Angaben von Deborah Persaud bereits in der Gebärmutter infiziert. Nach der Geburt bekam es erstmals nach 30 Stunden eine Kombination aus drei verschiedenen Aids-Medikamenten. Nach wenigen Tagen bestätigte sich die Infektion, die Behandlung wurde fortgesetzt. Nach 18 Monaten aber wurde die Therapie ausgesetzt – gegen den Willen der Ärzte. Mutter und Kind verschwanden offenbar einfach für fünf Monate. Als das kleine Mädchen dann wieder erstmals untersucht werden konnte, zeigte sich, dass im Blut keine Viren und keine Antikörper gegen HIV nachzuweisen waren. Und das blieb so, obwohl es weiterhin keine Aids-Medikamente bekam. Damit galt das Kind als zumindest „funktionell“ geheilt. Die Hoffnung war groß, dass sich daran nichts ändern würde und dieser einzigartige Fall der Wissenschaft neue Wege zeigen könnte, wie sich eine dauerhafte Heilung oder Remission von HIV-Infizierten erreichen lässt.

          Deborah Persaud musste die traurige Nachricht mitteilen

          Doch kurz vor der Konferenz in Melbourne musste Deborah Persaud die traurige Nachricht mitteilen, dass sich nach mehr als zwei Jahren sowohl Viren als auch Antikörper im Blut des Kindes nachweisen lassen. „Das Virus ist eindeutig der Erreger, den das Kind von der Mutter übertragen bekommen hat“, sagt die Ärztin. Nicht nur sie sieht in dem Fall auch eine Chance für die HIV-Forschung. „Wir Wissenschaftler lernen oft mehr aus unseren Rückschlägen als aus den Erfolgen“, sagt der Direktor der amerikanischen Aids-Forschungseinheit am Nationalen Gesundheitsinstitut (NIH) in Bethesda (Maryland), Jack Whitescarver, der sie begleitet.

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