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Mißbrauchsvorwürfe : Michael Jackson feiert nach Gerichtsauftritt mit seinen Fans

  • Aktualisiert am

Michael Jackson winkt seinen Fans nach dem Gerichtstermin vom Dach seiner Limousine zu Bild: dpa/dpaweb

Michael Jackson hat seinen ersten Gerichtstermin zum Vorwurf des Kindesmißbrauchs in eine beispiellose Show verwandelt. Mindestens 1.000 Fans folgten Jacksons Einladung zur Party auf der Neverland-Ranch.

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          Michael Jackson hat nach seinem ersten Auftritt vor Gericht im Verfahren wegen Kindesmißbrauchs mit Hunderten von Fans gefeiert. Der Popstar lud Anhänger und Schaulustige am Freitagnachmittag (Ortszeit) zu einer Party auf seiner Neverland-Ranch ein. Vor dem Anwesen staute sich der Verkehr auf mehreren Kilometern.

          Am Vormittag hatte Jackson vor Richter Rodney Melville seine Unschuld beteuert. „Nicht schuldig“, sagte der 45jährige mit leiser Stimme, als der Richter ihn aufforderte, zur Anklage Stellung zu nehmen.

          Nach Ende des rund zweistündigen Auftritts vor Gericht wurde Jackson vor dem Justizgebäude von über 500 jubelnden Fans empfangen. Der Popstar kletterte auf das Dach seines Fahrzeugs, verteilte Kußhände und tänzelte vor der Menge. Aus aller Welt waren Fans angereist, um ihre Unterstützung zu zeigen.

          Jackson feuert seine Fans an

          Richterliche Standpauke

          Mit einer Standpauke von Melville begann für den einstigen „King of Pop“ der erste Gerichtstermin in dem weltweit für Aufsehen sorgenden Verfahren. „Das ist eine Beleidigung des Gerichts“, rügte der Richter Jacksons fast 20minütige Verspätung. „Ich erwarte, daß Sie bei den nächsten Gerichtsterminen pünktlich sind.“ Melville setzte den Folgetermin, bei dem es um weitere Verfahrensfragen geht, auf den 13. Februar fest.

          Jacksons Anwalt, Benjamin Brafman, entschuldigte die Verspätung unter anderem mit dem stürmischen Empfang der Fans. Es sei schwierig und zeitraubend gewesen, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, so Brafman. Der Sänger hatte nach seiner Ankunft einigen Fans sogar noch die Hände zur Begrüßung gereicht und mit gespreizten Fingern das Victory-Zeichen gezeigt. Der Entertainer, im Anzug und mit einer weißen Armbinde, mußte zwei Mal einen Metalldetektor passieren, ehe Sicherheitskräfte ihn in den Gerichtssaal führten. Die Eltern und Geschwister des Stars, unter ihnen Jermaine und Janet Jackson, waren ebenfalls erschienen.

          Und „Feier der Unschuld“

          Mindestens 1.000 Fans folgten nach der Verlesung der Anklage Jacksons Einladung zur Neverland-Ranch zu einer „Feier der Unschuld“, wie seine Leibwächter von der dubiosen Organisation „Nation of Islam“ es nannten. „Wir durften mit dem Kinderkarussell fahren und den Zoo anschauen“, freute sich Fansprecherin Diana Dalo aus Italien. „Wir waren Hunderte, wenn nicht gar eintausend“, sagte sie. Auf dem Gelände des Anwesens wurden Eis, Popcorn und Getränke verteilt; Familien mit kleinen Kindern nutzten die Karussells in Jacksons Vergnügungspark. Auf der Landstraße vom Gericht in Santa Maria zu der etwa 40 Kilometer entfernten Ranch staute sich der Verkehr.

          Während des Verfahrens gilt ein sogenannter Maulkorb-Erlaß, den Staatsanwalt Tom Sneddon beantragt hatte. Danach dürfen sich beide Seiten für die Dauer des Verfahrens zu inhaltlichen Fragen nicht öffentlich äußern. Melville will später aber noch entscheiden, ob Staatsanwalt und Verteidiger auf Anfragen von Reportern zu Gerüchten, die den Fall betreffen, reagieren dürfen.

          Für Multimillionär Jackson, dessen Alben weltweit rund 165 Millionen Mal verkauft wurden, steht viel auf dem Spiel. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45jährigen vor, im Februar und März vergangenen Jahres einen damals 13jährigen Jungen sieben Mal sexuell mißbraucht zu haben. In zwei Fällen soll er das Kind unter Alkohol gesetzt haben. Bei einer Verurteilung drohen dem Pop-Star mehr als 20 Jahre Haft. Jacksons Anwalt Mark Geragos hatte im Namen seines Mandanten alle Vorwürfe des Kindesmißbrauchs zurückgewiesen.

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