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Missbrauchsskandal : Papst bestellt US-Kardinäle zum Krisengipfel

  • Aktualisiert am

Zitiert US-Kardinäle zum Rapport: Papst Johannes Paul Bild: dpa

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Amerikas zieht immer weitere Kreise. Rom kann die Geschehnisse nicht länger ignorieren.

          Da dürfte einiges auf die katholischen Bischöfe aus den Vereinigten Staaten zukommen. Wenn sie in der kommenden Woche Papst Johannes Paul II. im Vatikan zum Krisengipfel wegen der jüngsten Missbrauchs-Skandale in ihrer Kirche treffen, wird ihnen der Heilige Vater kaum mit Milde begegnen. Im Gegenteil: Noch am Gründonnerstag hatte das Kirchenoberhaupt das Ausleben pädophiler Neigungen amerikanischer Priester als „die schlimmste Ausformung des Bösen in der Welt“ bezeichnet. Vor einem beispiellosen Donnerwetter bewahrt die amerikanischen Würdenträger wohl lediglich der schlechte Gesundheitszustand des Papstes.

          Unter Kirchenexperten gilt der anstehende Gipfel als „ungewöhnlich“, ja sogar „einmalig“. Dies sind allerdings auch die Zustände in der katholischen Kirche der USA. Dutzende Priester in 17 Diözesen sind seit Januar wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger aus ihren Ämtern entfernt oder suspendiert worden. Tausende Einzelfälle wurden angeblich bekannt. Nachdem er den sexuellen Missbrauch einer 13-Jährigen zugegeben hatte, musste auch der Bischof von Palm Beach, Anthony J. O'Connell, gehen. Unter Beschuss steht zudem der Bostoner Kardinal Bernhard Law, der die Verfehlungen von Priester in seinem Amtsbezirk zu lange gedeckt haben soll. Wen wundert es da, dass die 63,7 Millionen Katholiken in den USA das Vertrauen in ihre Kirche verloren haben. Die Mehrheit ist Umfragen zufolge zudem mit dem Krisenmanagement der Bischöfe unzufrieden.

          „Dunkle Schatten“ vertreiben

          Eine Meinung, die der Papst offenbar uneingeschränkt teilt. Ansonsten würde es kaum am 23. und 24. April zu diesem ungewöhnlichen Treffen kommen, bei dem zudem ein traditionell für die Kirche äußerst heikles Thema diskutiert wird. Johannes Paul stört neben den Missbrauchsfällen natürlich auch, dass „dunkle Schatten des Verdachts“ auf alle anderen „verdienstvollen Mitbrüder“ falle. Einer Mitteilung des Vatikans zufolge sollen in jedem Fall sämtliche Probleme angesprochen werden, die sich aus dem Missbrauchsskandal für die Kirche ergeben. Der Gipfel soll Richtlinien erarbeiten, um die Katholiken - vor allem die Familien - in den USA zu beruhigen und ihnen das Vertrauen in die Kirche zurückzugeben.

          Ohne Denkanstoß vom Vatikan sind die amerikanischen Würdenträger dazu offenbar nicht in der Lage. Ein Umstand, der vor allem den Erzbischof von Los Angeles erbost. Kardinal Roger Mahony gilt als einer der wenigen Verfechter einer schonungslosen Aufklärung aller aktuellen Missbrauchsfälle. Er erwarte eine offene und ehrliche Diskussion mit dem Papst, ließ er wissen. Nur so könne der entstandene Schaden repariert und ein besserer innerkirchlicher Umgang mit diesem Fehlverhalten entwickelt werden. Auch Mahony war mit Vorwürfen, eine psychisch gestörte Frau sexuell belästigt zu haben, belastet und erst kürzlich frei gesprochen worden.

          Hochrangige Versammlung

          Alle 13 Kardinäle sowie die Spitze der US-Bischofskonferenz, die jüngst zum gleichen Thema schon einmal mit dem Papst konferierte, werden zum Krisengipfel erwartet, heißt es. Im Vatikan werden sie nicht nur auf das Kirchoberhaupt treffen. An den Beratungen werden auch der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Kongregation für die Glaubenlehre, Kardinal Dario Castrillón Hoyos (Kolumbien), der Präfekt der Kleruskongregation, und der Chef der Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re (Italien), teilnehmen. Eine hochrangige Versammlung, auf die nicht nur die US-Katholiken, sondern wohl die gesamte katholische Welt mit Spannung blicken wird.

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