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Miss-Wahlen : Politischer Protest der schönsten Frauen

  • -Aktualisiert am

Politischer als vermutet: Die Miss-World-Bewerberinnen Bild: dpa

Die schönsten Frauen der Welt wollen nicht zum Miss-World-Wettbewerb nach Nigeria reisen, solange dort eine Frau durch Steinigung zum Tode verurteilt ist.

          Das Steinigungsurteil gegen die Nigerianerin Amina Lawal hat den Protest der schönsten Frauen der Welt hervorgerufen. Anwärterinnen für die für November in Nigeria angesetzte Wahl der „Miss World“ drohen mit ihrem Boykott. Gekrönte Schönheiten, unter anderem aus Norwegen, Togo und der Elfenbeinküste, wollen damit gegen die Vollstreckung des Urteils protestieren, das ein Scharia-Gericht im Norden des Landes gegen die 31-Jährige verhängte.

          "Die Steinigung dieser Frau wäre furchtbar“, wird Miss Togo, Sandrine Agbopke, in lokalen Medien zitiert. „Die Behörden und die ganze Gesellschaft sollten sich gegen derartige Praktiken auflehnen.“ Auch Kenias Miss-World-Koordinator Leakey Odera drohte bereits: „Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass wir unsere Anwärterin dorthin schicken, wenn Amina Lawal exekutiert wird. Die Welt würde sonst denken, dass wir solche inakzeptablen Todesurteile unterstützen.“

          Das Vergehen: Schwanger ohne Trauschein

          Die junge Mutter war im März von einem islamischen Gericht in Funtua zum Tode verurteilt worden. Sie hatte nach ihrer Scheidung ein Kind bekommen, was nach Auslegung der Scharia in Nigeria als Ehebruch gilt. Die Bestätigung des Urteils durch ein Berufungsgericht löste seit Anfang des Monats heftige internationale Proteste aus. Unter anderem kritisierte auch Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) das Urteil, von dem sich selbst die nigerianische Regierung in Abuja distanziert hat.

          Lawals Heimat, Katsina, zählt zu zwölf nordnigerianischen Staaten, die seit 1999 das islamische Recht einführten. Moslemische Gruppen haben dort bereits offen ihren Unmut über die anstehende Miss-Wahl bekundet. Nachdem die Nigerianerin Agbani Darego 2001 zur schönsten Frau der Welt gekrönt wurde, soll der Wettbewerb der mehr als hundert Teilnehmerinnen am 30. November in der Hauptstadt ausgetragen werden. Doch die Körperschau im Badeanzug ist radikalen Moslems ein Dorn in Auge.

          Nigerianer wollen Kandidatinnen schützen

          Weil die islamistische Gruppe „Jama'atul Muslimin“ den Wettbewerb kürzlich als „Veranstaltung unter der Gürtellinie“ erklärte, fürchten einige Veranstalter rund um den Globus nun um die Sicherheit ihrer Frauen. Die Behörden in Abuja trafen bereits Vorsichtsmaßnahmen: Sie rieten den Beauty-Anwärterinnen von ihrem Schauzug durch den Norden des Landes ab. Die moslemisch dominierten Staaten seien für leichtbekleidete Frauen ein zu gefährliches Pflaster, erklärte Kultur- und Tourismusminister Boma Bromillow-Jack. Nach dem islamischen Recht drohen einer Frau, die zu viel nackte Haut zeigt, Peitschenhiebe.

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