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Milchskandal : Brüssel fordert stärkere Importkontrollen

  • Aktualisiert am

Milch der Firma Mengniu steht ebenfalls unter Melamin-Verdacht Bild: AP

Milchprodukte aus China sind in der EU nicht erlaubt, da anerkannte Prüfverfahren fehlen. Die Europäische Kommission hat die EU-Mitgliedsstaten trotzdem zur Verschärfung ihrer Importkontrollen aufgerufen - eine Vorsichtsmaßnahme, um Sicherheitslücken zu schließen, wie es heißt.

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          Nach dem Skandal um verseuchtes Milchpulver in China hat die Europäische Kommission die EU-Mitgliedstaaten zur Verschärfung ihrer Importkontrollen aufgerufen. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, um mögliche Sicherheitslücken zu stopfen“, sagte die Sprecherin von Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou am Freitag in Brüssel. China hat keine von der EU anerkannten Prüfverfahren für Rückstände und exportiert deshalb keine Milchprodukte in die EU. Die Behörde habe die 27 Mitgliedstaaten dennoch aufgefordert, die Kontrollen an den Grenzen zu verschärfen, um illegale Importe zu verhindern, sagte die Sprecherin.

          Die chinesischen Aufsichtsbehörden haben am Freitag bekannt gegeben, dass nun auch in Frischmilch die Chemikalie Melamin gefunden wurde. Unter den kontaminierten Produkten sind Milchprodukte der Markenunternehmen Mengniu, Bright Dairy und des Olympia-Sponsors Yili. In ganz China wurden die Milchprodukte dieser Molkereien und Hersteller aus den Regalen genommen. Nach Angaben der chinesischen Behörden sei das Melamin jedoch für Erwachsene nicht schädlich. Bis zu zwei Liter kontaminierter Milch pro Tag hätten kein gesundheitliches Risiko zur Folge.

          Schwarzer Kaffee bei Starbucks

          Die amerikanische Kaffeehauskette Starbucks zieht derweil Konsequenzen. In zwei Dritteln der Filialen in China bleibt der Kaffee vorerst schwarz. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, um den Sorgen der Kunden Rechnung zu tragen, sagte eine Sprecherin. In den Skandal um verseuchte Milch ist auch einer der Hauptlieferanten von Starbucks in China, Mengniu, verwickelt. Starbucks erklärte, die an das Unternehmen in China gelieferten Chargen seien nicht von dem Skandal nicht betroffen.

          Alles leergeräumt: In China gibt es kaum noch Milchprodukte im Supermarkt

          Bislang sind in China vier Kinder gestorben und mehr als 6200 Kleinkinder, die mit kontaminiertem Milchnahrung gefüttert wurden, an Harnwegserkrankungen und Nierensteinen erkrankt. In Produkten von 22 Unternehmen ist Melamin gefunden worden. Die Chemikalie Melamin war nach bisherigen Untersuchungen von Molkereien und Sammelstellen der Milch hinzugefügt worden. Sie bewirkt, dass bei Tests ein höherer Proteingehalt festgestellt wird. Damit sollte die Verwässerung von Milch vertuscht werden.

          Kontrollen im Saarland und in Rheinland-Pfalz

          Die chinesische Regierung hat Inspektionen in allen Milchunternehmen angeordnet. Alle betroffenen Produkte wurden zurückgerufen. Es wird eine harte Bestrafung der Verantwortlichen angekündigt. Bislang sind 18 Personen verhaftet worden. Der Milchpulverhersteller Sanlu soll bereits im März von der Vergiftung gewusst haben, hat aber erst im September seine Produkte zurückgerufen.

          Unterdessen ist der Skandal auch in der deutschen Politik angekommen. Das Saarland will Milch und Baby-Milchpulver vorsorglich verstärkt kontrollieren. Auch wenn in Europa und Deutschland bislang keine Fälle von verseuchtem Babymilchpulver bekannt geworden seien, werde in den nächsten Tagen Milch- und Baby-Milchpulver im Handel auf die verbotene Chemikalie Melamin untersucht, teilte der saarländische Verbraucherschutzminister Gerhard Vigener (CDU) am Freitag mit. Effektiver und transparenter Verbraucherschutz erfordere dauerhafte und risikoorientierte Kontrollen. Auch in Rheinland-Pfalz soll es vorsorgliche Kontrollen im Handel geben.

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